Aktualisiert 15.10.2019 09:53

China verweigert EinreiseStatt einer Kreuzfahrt gab es nur den Rückflug

Dutzende Reisende konnten eine Kreuzfahrt auf der Quantum of the Seas nicht antreten, weil China ihnen die Einreise verweigerte. Eine Betroffene aus Pratteln BL berichtet.

von
lha
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Eine schwimmende Stadt: 4500 Passagiere finden Platz an Bord der Quantum of the Seas. H.B.* aus Pratteln BL hatte eine Kreuzfahrt auf dieser schwimmenden Stadt gebucht.

Eine schwimmende Stadt: 4500 Passagiere finden Platz an Bord der Quantum of the Seas. H.B.* aus Pratteln BL hatte eine Kreuzfahrt auf dieser schwimmenden Stadt gebucht.

epa/Bodo Marks
Das 347 Meter lange Kreuzfahrtschiff legte am 7. Oktober in der chinesischen Hafenstadt Tianjin ab. Aber ohne die Baselbieterin an Bord.

Das 347 Meter lange Kreuzfahrtschiff legte am 7. Oktober in der chinesischen Hafenstadt Tianjin ab. Aber ohne die Baselbieterin an Bord.

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Ihr und 13 weiteren Passagieren einer Reisegruppe, die mit der Swiss aus Zürich anreiste, wurde in Peking die Einreise verweigert, ohne Angabe von Gründen.

Ihr und 13 weiteren Passagieren einer Reisegruppe, die mit der Swiss aus Zürich anreiste, wurde in Peking die Einreise verweigert, ohne Angabe von Gründen.

Keystone/Steffen Schmidt

Ich wäre jetzt eigentlich in Japan, sagt H.B.* aus Pratteln BL. Stattdessen ist sie jetzt wieder an ihrem Arbeitsplatz. Aus der Kreuzfahrt auf der Quantum of the Seas von China nach Japan durch das südchinesische Meer bis Singapur wurde nichts. Am Donnerstag vor einer Woche wurden ihr und 13 weiteren Angehörigen einer 40-köpfigen Reisegruppe nach dem Anflug von Zürich die Einreise in Peking verweigert. «Es wurde uns kein Grund genannt», so die 61-jährige Baselbieterin.

Keine gute Falle machte auch die Reiseleiterin, die ebenfalls am Zoll abgewiesen wurde. Sie haben keine Notfallnummer gehabt und sei mit der Situation überfordert gewesen, sagt B. Vor dem erzwungenen Rückflug suchte sie noch beim Eidgenössischen Departement für auswärtige Angelegenheiten Hilfe. Vergebens. «Ich war schon mehrmals in China, aber das habe ich noch nie erlebt», sagt sie.

Sogar Familien wurden getrennt

Die Prattelerin ist mit ihrem Schicksal nicht alleine. Hunderte sollen es nicht an Bord der Quantum of the Seas geschafft haben, die am 7. Oktober in Tianjin ausgelaufen war. Sogar Familien seien von den chinesischen Behörden getrennt worden. Das berichten Betroffene in einer geschlossenen Facebook-Gruppe. Dutzende Reisende aus England schafften es allerdings via Japan Tage später an Bord der Quantum of the Seas.

«Wir bedauern die Unannehmlichkeiten zutiefst, die durch die Visa-Situation in China entstanden ist», erklärt die Reederei Royal Caribbean International auf Anfrage. Angaben, wie viele Passagieren insgesamt betroffen waren, machte sie nicht.

Grenzbehörden haben das letzte Wort

Das Problem: Viele der Reisenden kamen ohne Visum nach China. Weil der Aufenthalt aber weniger lange als 144 Stunden dauerte, wäre ein Transitvisum bei der Einreise ausgestellt worden. Das ist normalerweise problemlos möglich. «Die chinesischen Grenzbehörden haben aber das absolute Recht zu entscheiden, wen sie nicht einreisen lassen», erklärt die chinesische Botschaft in der Schweiz auf Anfrage. Sie betont aber: Man heisse Schweizer Staatsangehörige immer sehr gerne in China willkommen.

Das EDA bestätigt auf Anfrage, dass ihre Helpline mit einer betroffenen Person im Kontakt stand. «Schweizer Botschaften und Konsulate haben keine Interventionsmöglichkeiten», teilt ein Sprecher mit. Weil in der Reisegruppe auch mehrere deutsche Staatsangehörige waren, sind die Vorgänge auch dem deutschen Auswärtigen Amt bekannt. «Die genauen Gründe sind dem Auswärtigen Amt nicht bekannt», teilte es auf Anfrage mit. Verweisen aber wie das EDA darauf, dass die chinesichen Behörden die endgültige Entscheidung über eine mögliche Einreise erst an der Grenze treffen.

Es wird darum geraten, auch für Transitaufenthalte in China ein reguläres Visum zu beantragen. «Die Reiseagentur hat es wohl versäumt, abzuklären, ob ihre Reisepläne den Visa-Ausnahmebestimmungen entsprechen», vermutet die chinesische Botschaft.

Immerhin gibt es das Geld zurück

Die deutsche Reiseagentur E-Hoi, bei der H.B. die Kreuzfahrt gebucht hatte, reagierte nicht auf Anfragen von 20 Minuten. Die Betroffene teilte aber mit, dass ihr inzwischen die vollständige Rückerstattung der gebuchten Reise in Aussicht gestellt wurde.

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