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Fifa-HäftlingeStatt Foie gras de canard gibts Hörnli und Ghackets

Sieben Fifa-Funktionäre sitzen in Zürcher Gefängnissen. Mit dem Luxusleben ist es für sie vorerst vorbei. Für ihr Essen gibts ein Budget von 15 Franken pro Tag und Person.

von
G. Brönnimann
Essenszeit im Flughafengefängnis Zürich. (Symbolbild)

Essenszeit im Flughafengefängnis Zürich. (Symbolbild)

Frühmorgens schnappte die Falle zu: Die Zürcher Kantonspolizei nahm am Mittwoch im Auftrag des Bundesamts für Justiz (BJ) im Zürcher Nobelhotel Baur au Lac sieben hohe Fifa-Funktionäre fest. Der Hauptvorwurf lautet Korruption: Die Inhaftierten sollen laut den US-Behörden Bestechungsgelder von über 100 Millionen Dollar angenommen haben.

Nun sitzen sie in Auslieferungshaft. «Sie sind in mehreren Haftanstalten im Kanton Zürich untergebracht», sagt Rebecca de Silva, Sprecherin des Zürcher Amts für Justizvollzug, zu 20 Minuten. Kein Zuckerschlecken: Für die Inhaftierten gelten die üblichen Bedingungen der Auslieferungshaft – diese erfolgt «nach den Bestimmungen über die Untersuchungs- und Sicherheitshaft, soweit die einweisende Behörde keine abweichenden Vorschriften erlässt». In welchen Anstalten die hohen Tiere sitzen, darf de Silva nicht sagen.

Keine Extrawurst: Essen für 15 Franken pro Tag

BJ-Sprecherin Ingrid Ryser bestätigt: Es handle sich um ganz normale Haft ohne Sonderbedingungen. Was das konkret bedeutet, führt Rebecca de Silva aus: Pro Tag sei nur «eine Stunde Spaziergang vorgesehen». Zudem: «Der eigene Computer darf nicht benutzt werden, in manchen Institutionen können aber Laptops gemietet werden.» Aber nicht etwa, um mit Verwandten und Freunden zu kommunizieren: «Internetempfang ist nicht erlaubt», sagt De Silva. Und: Besuche müssen vom BJ bewilligt werden.

Ein krasser Gegensatz zu dem, was sich die Fussball-Funktionäre gewöhnt sein dürften: Im Hotel Baur au Lac gab es am Donnerstag Entenleber, danach poeliertes Kalbssteak, süsse Zwiebel-Soubise-Sauce, grünen Spargel mit Sommertrüffeln mit buttergeschwenkten Nicola-Kartoffeln. Preis: 76 Franken (exklusive Dessert und Getränke).

In Haftanstalten des Kantons Zürich beträgt das Budget für drei Mahlzeiten pro Tag und Häftling hingegen laut De Silva etwa 15 Franken. Für Hörnli und Ghackets reicht es im Idealfall einmal am Tag: «Meist gibt es Fleisch, eine sogenannte Sättigungsbeilage (Kohlenhydrate), Gemüse und einen kleinen Nachtisch, etwa Früchte», sagt De Silva.

Es kann lange dauern bis zum Entscheid

Alle sieben Festgenommenen haben sich einer vereinfachten Auslieferung widersetzt. Die US-Behörden haben nun 40 Tage Zeit, um ein formelles Auslieferungsgesuch zu stellen. Dann liegt es am BJ zu entscheiden, ob sie ausgeliefert werden oder nicht. Massgeblich ist, dass die sogenannte doppelte Strafbarkeit vorliegt. BJ-Sprecherin Ingrid Ryser erklärt: «Diese liegt vor, wenn der Sachverhalt, der einer Person vorgeworfen wird, auch in der Schweiz strafbar wäre.»

Selbst wenn die doppelte Strafbarkeit festgestellt würde, könnte den Festgenommenen ein längerer Aufenthalt in Schweizer Strafanstalten bevorstehen: Die Inhaftierten haben die Möglichkeit, gegen einen allfälligen Auslieferungsentscheid Rechtsmittel zu ergreifen. Im Schnitt dauern Auslieferungsverfahren sechs Monate.

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