Tausende Wanderer: Statt in den Ausgang zieht es die Leute in den Alpstein
Aktualisiert

Tausende WandererStatt in den Ausgang zieht es die Leute in den Alpstein

Das Alpsteingebiet lockte in den letzten Tagen viele Wanderer an – auch solche, die sonst weniger in den Bergen sind. Das Verhalten einiger liess jedoch zu wünschen übrig. Abfallberge türmten sich vor vollen Abfalleimern.

von
Jil Rietmann
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Das Alpsteingebiet war in den letzten Tagen ein beliebtes Reiseziel für viele.

Das Alpsteingebiet war in den letzten Tagen ein beliebtes Reiseziel für viele.

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Aufgrund der eingeschränkten Freizeitmöglichkeiten sind auch Leute im Alpstein unterwegs gewesen, die noch selten oder gar nie dort waren.

Aufgrund der eingeschränkten Freizeitmöglichkeiten sind auch Leute im Alpstein unterwegs gewesen, die noch selten oder gar nie dort waren.

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Es sei verständlich, dass man in dieser Zeit nach draussen will, doch das Verhalten, das manche Leute an den Tag lagen, ginge nicht in Ordnung, so der Präsident des Vereins Appenzellerland Tourismus AI.

Es sei verständlich, dass man in dieser Zeit nach draussen will, doch das Verhalten, das manche Leute an den Tag lagen, ginge nicht in Ordnung, so der Präsident des Vereins Appenzellerland Tourismus AI.

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Darum gehts

  • In den letzten Tagen lockte das Alpsteingebiet Tausende von Wanderern an
  • Die Gäste waren nicht nur die typischen Wanderern
  • Einige Leute verhielten sich unvorbildlich und liessen ihre Abfälle liegen
  • Auf Corona-Tafeln wird auf die Littering-Situation aufmerksam gemacht
  • Überrascht über den Ansturm ist man vor Ort nicht

In den letzten Tagen stürmten die Leute nur so ins Appenzellerland. Vor allem im Alpsteingebiet tummelten sich die Wanderer. Alleine am Donnerstag waren mindestens 5000 Leute im Alpstein unterwegs und sorgten bei der Anfahrt und teils auf den Parkplätzen für grosses Chaos. Die Polizei und die Parkdienstmitarbeiter hatten an den verschiedenen Ausgangspunkten, wie etwa in Wasserauen, alle Hände voll zu tun mit dem Ansturm.

«Das war für uns ein neues Phänomen. Dadurch, dass sich der Ausgangsbereich immer noch nur auf die Natur beschränkt, trafen wir in den letzten Tagen nicht auf unsere typischen Wanderer», sagt Sepp Manser, Präsident des Vereins Appenzellerland Tourismus AI, der auch Wirt im Berggasthaus Meglisalp ist. Er meint, viele die sich sonst üblicherweise an einer Seepromenade treffen, seien jetzt in die Berge gekommen. Die Freizeitmöglichkeiten seien eingeschränkt und so seien in den letzten Tagen auch Leute im Alpstein unterwegs gewesen, die noch selten oder gar nie dort waren.

Es sei verständlich, dass man in dieser Zeit nach draussen will. Doch das Verhalten einiger Leute sei nicht in Ordnung, so der Präsident des Vereins Appenzellerland Tourismus AI. Vor den Abfalleimern stapelten sich die Abfallreste der Wanderer. «Wir appellieren daran, dass man den Abfall wieder mit nach Hause nimmt, anstatt ihn in der Natur zu entsorgen», stellt Manser klar.

Tafeln werden nicht gelesen

Auf Corona-Warntafeln wird auf die Abfallsituation aufmerksam gemacht. Aber: «Das Problem ist, dass die Leute schon so oft solche Tafeln gesehen haben, dass sie die Zusatzinformationen, die auf das Littering verweisen, nicht mehr wahrnehmen», sagt Manser. Die Situation habe sich ab Freitag aber gebessert. Am Samstag hätten sie gar keine Reklamationen mehr bezüglich Littering bekommen.

Auch auf Facebook machte der Tourismusverband auf die Littering-Situation aufmerksam. Der Post wurde über 1200 Mal geteilt und hat fast 300 Kommentare. Die Mehrheit äussert Ärger über das Verhalten von einigen Wanderern. Sinnbildlich schreibt eine Frau: «Ich freu mich, wenn die Coronazeit endlich vorbeigeht. Dann kommen die NICHT-Wanderer auch nicht mehr in die Berge.» Denn viele glauben, wer regelmässig wandern geht, nimmt den Abfall auch mit nach Hause oder entsorgt ihn ordnungsgemäss in einem Abfalleimer.

Was ist Littering?

Littering bedeutet, Abfälle im öffentlichen Raum zu entsorgen, ohne dafür die vorgesehenen Abfalleimer zu benutzen. Littering ist ein durch die Gesellschaft entstandenes Problem, da es meistens genügend Wegwerfmöglichkeiten gibt. Gegen Littering gibt es keine fixfertige Lösung. Experten meinen, man müsse die Leute auf das Thema sensibilisieren, damit sie die Auswirkungen auf die Umwelt verstehen. Ausserdem kann durch die Präsenz von der Polizei oder mit Littering-Bussen dafür gesorgt werden, dass man seinen Abfall korrekt wegwirft.

Abstandsregeln werden eingehalten

Doch nicht in allen Bereichen verhielten sich die Leute fehlerhaft. Im Berggasthaus Meglisalp halte man sich an die Regeln des Bundesamts für Gesundheit. Die Tische wurden rausgeräumt und anstatt 130 Gästen werden nur noch 50 bedient. «Das ist natürlich eine massive Einschränkung, aber so geht es allen Gastronomie-Betrieben momentan», meint der Wirt Sepp Manser. Die Mehrheit der Gäste würde sich an die Regeln halten. Doch auch wenn man mal als zusammengehörendes Sechser-Grüppchen an einem Tisch sitzen würde, würde Manser nicht Polizist spielen. Er habe Kenntnis davon, dass die Polizei im Appenzellerland auch Kontrollen durchgeführt hat, auf der Meglisalp jedoch noch nicht.

Überrascht über die vielen Leute ist der Wirt nicht. Die Gastronomen im Appenzellerland hätten damit gerechnet, dass es über das verlängerte Wochenende viele in den Alpstein zieht. «Das ist aber leider nicht der Tourismus, den wir gerne hätten. Wir sind dadurch starken Schwankungen unterworfen», sagt Manser. Man wünsche sich einen qualitativ hohen Tourismus, den man konstant pflegen kann. Auch am Sonntagnachmittag rechnet man noch einmal mit vielen Leuten im Alpsteingebiet. Ganz so viele wie am Donnerstag dürften aber aufgrund der unsicheren Wetterprognosen nicht mehr kommen.

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