Aktualisiert

Statt Jungfrauen gibts lebenslänglich Bibelfernsehen

Zacarias Moussaoui ist mit einer sechsfachen lebenslangen Haft «davongekommen». Die Haftbedingungen werden sein Leben zur Hölle machen.

Während der Verlesung des Strafmasses kam es zu einem heftigen Wortgefecht zwischen der vorsitzenden Richterin Leonie Brinkema und dem Angeklagten. Moussaoui unterbrach die Richterin und rief: «Ich werde frei sein, und meine Befreiung wird der Beweis sein, dass wir die Soldaten Gottes sind und ihr die Armee des Satans.»

Doch Moussaoui hatte sein Rechnung ohne die streitbare Richterin gemacht. Statt zum Tode wurde der Möchtegern-9/11-Bomber zu lebenslanger Haft verurteilt. Das heisst 23 Stunden Einzelhaft in einer fensterlosen Zelle im Hochsicherheitstrakt. Statt Jungfrauen für den im Kampf gefallenen Märtyrer gibt es jetzt als einzige Unterhaltung von der Gefängnisleitung ausgewältes Bibelfernsehen.

Brinkema entgegnete entsprechend: «Herr Moussaoui, wenn dieser Prozess zu Ende ist, wird jeder andere diesen Raum verlassen und die Sonne sehen und die Vögel hören, ... und sie können sich treffen mit wem sie wollen. Sie (Moussaoui) aber werden den Rest Ihres Lebens in einem Hochsicherheitsgefängnis verbringen. Es ist völlig klar, wer gewonnen hat.»

«Alcatraz der Rockies» wird das Moussaouis neuen Heim, das Hochsicherheitsgefängnis in Florence, Colorado, auch genannt. Es gilt als absolut ausbruchssicher, weil es in die Seite eines Berges gebaut ist und nur ein einziger Tunnel Zugang gewährt. Das Guinness-Buch der Rekorde kürte die 1994 gebaute Anlage zum sichersten Knast der Welt. Es ist ausgestattet mit 1400 ferngesteuerten Stahltüren, Bewegungsmelder, Drucksensoren und Geschütztürmen.

Die 400 bis 500 Insassen des so genannten «Supermax» sind sämtlich in Einzelhaft untergebracht. Unter ihnen befinden «the worst of the worst» der amerikanischen Verbrecherszene; unter anderem der «Unabomber» Theodore Kaczynski, Eyad Ismoil, der in den ersten Anschlag auf das World Trade Center 1993 verwickelt war und der verhinderte «Schuhbomber» Richard Reid. Florence ist auch die Endstation für Häftlinge, die in kovnetionellen Anstalten nicht zu kontrollieren waren.

Moussaouis Zelle weist nur ein winziges Fenster auf, das in den Himmel weist. Auf diese Art will man verhindern, dass die Gefangenen einen Eindruck davon bekommen, in welchem Gebäudeteil sie untergebracht sind. Er wird rund um die Uhr überwacht werden. Selbst die bescheidenen Möbel in seiner Zelle bestehen aus Beton. Menschenrechtsorganisationen sprechen von grausamen Haftbedingungen.

«Gott schütze Osama bin Laden - ihr werdet ihn niemals fassen,» rief Moussaui der Richterin zu, als man ihn abführte. Falls die USA Bin Laden nicht kriegen, wird Moussaoui wohl als letzter davon hören, selbst wenn Bin Laden sein direkter Zellennachbar würde.

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