Basistunnel: Staub löst im Gotthard-Tunnel Fehlalarme aus
Aktualisiert

BasistunnelStaub löst im Gotthard-Tunnel Fehlalarme aus

Weil Güterzüge Kies und Sand verlieren, schrillt in Intercity-Zügen im Gotthard-Tunnel oft einmal der Alarm. Für die Sicherheit sei das unerheblich, heisst es bei der SBB.

von
S. Ehrbar
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Die SBB zieht eine positive Bilanz zum neuen Gotthard-Basistunnel. Doch es gibt auch Probleme: Weil Güterzüge Staub verlieren, kann in Reisezügen der Brandalarm ausgelöst werden. Das führt zu Verspätungen.

Die SBB zieht eine positive Bilanz zum neuen Gotthard-Basistunnel. Doch es gibt auch Probleme: Weil Güterzüge Staub verlieren, kann in Reisezügen der Brandalarm ausgelöst werden. Das führt zu Verspätungen.

Keystone/urs Flueeler
Auch die Pünktlichkeitswerte auf der Gotthard-Linie sind noch nicht so hoch, wie es die SBB gerne hätte. Immerhin: Basel soll am Morgen wieder einen direkten Zug ins Tessin erhalten, und von Zürich gehts direkt nach Venedig.

Auch die Pünktlichkeitswerte auf der Gotthard-Linie sind noch nicht so hoch, wie es die SBB gerne hätte. Immerhin: Basel soll am Morgen wieder einen direkten Zug ins Tessin erhalten, und von Zürich gehts direkt nach Venedig.

Keystone/urs Flueeler
Sorgenkinder bleiben die internationalen Züge aus Italien. Sie sind trotz Fahrplanreserven häufig unpünktlich. Die neuen ETR-610-Züge kämpfen zudem nach wie vor mit häufigen technischen Problemen. Die SBB verspricht Besserung.

Sorgenkinder bleiben die internationalen Züge aus Italien. Sie sind trotz Fahrplanreserven häufig unpünktlich. Die neuen ETR-610-Züge kämpfen zudem nach wie vor mit häufigen technischen Problemen. Die SBB verspricht Besserung.

Keystone/Gaetan Bally

Im neuen Gotthard-Basistunnel ist die Luft stickig. Seit das Rekord-Bauwerk im vergangenen Dezember in den kommerziellen Betrieb ging, stellt die SBB eine erhöhte Staubkonzentration fest, denn einige mit Kies und Sand beladene Güterzügen verlieren Teile ihrer Ladung.

Weil der Staub im Tunnel aber nicht versickern kann, wird er von anderen Zügen bei der Durchfahrt wieder aufgewirbelt. Als Folge davon kommt es in Personenzügen zu einem Fehlalarm, weil die Brandmeldeanlage angeht.

Verspätungen wegen heisser Züge

In den letzten Monaten sei dies «vereinzelt» passiert, heisst es bei der SBB. Verkehrschef Toni Häne sagt, sicherheitsrelevant sei dies nicht. Möglicherweise müssen Züge aber in die andere Tunnelröhre ausweichen, was zu Verspätungen führen kann.

Ohnehin sind die Güterzüge die Problemkinder im neuen Tunnel. Seit vergangenem September gibt es im Tunnel durchschnittlich bis zu sechsmal in der Woche einen sogenannten «Heissläufer»-Alarm. Dieser wird ausgelöst, wenn sich Zugteile zu sehr erwärmen. Die Folge: Andere Züge müssen abbremsen und die andere Tunnelröhre benützen. Das führt zu Verspätungen.

Unpünktlich trotz Reserven

So erstaunt es nicht, dass die Züge am Gotthard nach wie vor unpünktlicher unterwegs sind als im Rest der Schweiz. Das SBB-interne Ziel wird am Gotthard nicht erreicht.

Zurzeit kommen 87,5 Prozent der Passagiere zwischen Nord und Süd mit weniger als drei Minuten Verspätung an, wie SBB-Infrastrukturchef Philippe Gauderon sagt. Dabei sind in den Fahrplänen grosszügige Zeitreserven von bis zu acht Minuten eingeplant. Damit wird immerhin Schlimmeres verhindert, und die Züge aus Italien sind wenigstens einigermassen pünktlich. In Zukunft peilt die SBB einen Wert von 89 Prozent an.

Basel profitiert auf Zürcher Kosten

Besser werden soll der Gotthard-Verkehr für Basler Frühaufsteher. Weil der erste direkte Zug von der Nordschweiz ins Tessin erst um 9 Uhr losfährt, müssen diese in Arth-Goldau umsteigen – auf einen Zug aus Zürich. Der ist meistens schon so voll, dass die Basler keinen Sitzplatz mehr finden.

Nun sollen die Basler wieder einen direkten Zug am Morgen erhalten. Weil es dann aber zu viele Züge auf der Gotthard-Achse haben könnte, laufen die Zürcher Gefahr, im Gegenzug ihren beliebten Morgenzug in den Süden wieder zu verlieren. Entschieden sei dies noch nicht definitiv, sagt SBB-Verkehrschef Toni Häne.

Direkt nach Venedig

Ab Juni gibt es für Zürcher dafür neue Verbindungen nach Italien. Dann fährt an den Wochenenden ein direkter Zug nach Venedig. Ab Dezember gibt es zudem Züge von Mailand über die Schweiz nach Frankfurt. Und Locarno könnte wieder einen direkten Zug ab Zürich erhalten.

Eng bleiben dürfte es aber auch in Zukunft, insbesondere an Spitzentagen wie Ostern oder Pfingsten. Geräumige Doppelstock-Züge kann die SBB nämlich erst ab dem Jahr 2021 ins Tessin einsetzen. Vorher müssen noch Ausbauten getätigt werden.

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