Bombenanschläge geplant: Stecken Neonazis hinter Auschwitz-Diebstahl?
Aktualisiert

Bombenanschläge geplantStecken Neonazis hinter Auschwitz-Diebstahl?

Der Auschwitz-Schriftzug «Arbeit macht frei» wurde von Kriminellen gestohlen. Nun aber gibt es Hinweise, dass die Tat wie anfangs befürchtet einen rechtsextremen Hintergrund hatte.

Die Empörung war gross, als am 18. Dezember der Schriftzug «Arbeit macht frei» über dem Eingangstor zum ehemaligen Konzentrationslager Auschwitz in Polen geklaut wurde. Die Tat sei von Neonazis begangen worden, wurde spekuliert. Ebenso gross war die Erleichterung, als die fünf Täter drei Tage später verhaftet wurden. Es seien Kriminelle ohne rechtsextreme Motive, die den Schriftzug einem «irren Sammler» verkaufen wollten, hiess es.

Bereits vor Weihnachten berichteten polnische Medien, der Auftraggeber befinde sich in Schweden. Nun behauptet die schwedische Zeitung «Aftonbladet», es habe sich bei ihnen um eine Gruppe Neonazis gehandelt. Sie hätten den Schriftzug weiterverkaufen wollen, etwa an einen ausländischen Rechtsextremisten oder einen Sammler von Nazi-Devotionalien. Mit dem Erlös hätten sie eine Reihe von Anschlägen in Stockholm verüben wollen.

Geheimdienst bestätigt Komplott

Offizielle Stellen wollten den Bericht nicht bestätigen. Allerdings helfen schwedische Ermittler den polnischen Behörden bei der Untersuchung des Auschwitz-Diebstahls, berichtete der britische «Guardian». Es gebe Hinweise für Verbindungen nach Schweden, bestätigte Boguslawa Marcinkowska, Sprecherin der zuständigen Staatsanwaltschaft in Krakau. Der polnische Justizminister Krzystof Kwiatowski erklärte, die Untersuchung ziehe «weit grössere Kreise, als wir ursprünglich dachten».

Der schwedische Geheimdienst Säpo wiederum bestätigte, man untersuche tatsächlich ein mutmassliches Neonazi-Komplott für Bombenanschläge auf das Parlamentsgebäude in Stockholm, das Aussenministerium und das Haus von Ministerpräsident Frederik Reinfeldt. Ziel sei gemäss Säpo, im Vorfeld der Parlamentswahl 2010 möglichst viel Unruhe zu erzeugen. Einen Zusammenhang mit dem Diebstahl in Auschwitz wollte der Geheimdienst weder bestätigen noch dementieren.

Mehr Überwachungskameras

Der in drei Teile zerlegte Schriftzug mit dem zynischen Motto «Arbeit macht frei» wird gemäss dem «Guardian» derzeit repariert. Die Behörden kündigten an, mehr Überwachungskameras bei der Gedenkstätte im ehemaligen Vernichtungslager zu installieren und die Sicherheitsmassnahmen zu überprüfen.

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