Aktualisiert 07.11.2006 15:24

Stehende Ovation für Sex-Beichte von US-Evangelisten

Ted Haggard, der US-Evangelist und fünffache Vater, dem vorgeworfen wird, drei Jahre lang einen Callboy bezahlt zu haben, gestand in einer Erklärung sexuelle Verfehlungen ein. Seine Frau schwor ihm dennoch ewige Treue.

Der einflussreiche amerikanische Evangelist Ted Haggard ist nach Vorwürfen über homosexuelle Kontakte von seiner eigenen Kirchengemeinschaft als Vorsitzender entlassen worden. Ein Aufsichtsgremium entschied am Samstag, dass Pastor Haggard wegen «sexuell unmoralischen Verhaltens» als Leiter der von ihm gegründeten New Life Church nicht mehr tragbar sei. Bereits zuvor hatte Haggard sein Amt als Präsident der Nationalen Vereinigung der Evangelikalen in den USA abgegeben.

Der entschiedene Gegner gleichgeschlechtlicher Ehen sieht sich mit dem Vorwurf konfrontiert, in den vergangenen drei Jahren einen Mann für homosexuelle Kontakte bezahlt zu haben. Der verheiratete Vater von fünf Kindern hatte die Vorwürfe zunächst zurückgewiesen. Am Sonntag gestand er jedoch in einer Erklärung sexuelle Verfehlungen ein, entschuldigte sich bei seinen Anhängern und bat um Vergebung.

Er habe sich der sexuellen Unmoral schuldig gemacht und übernehme dafür die Verantwortung, hiess es in der während eines Gottesdienstes in Colorado Springs von einem anderen Geistlichen verlesenen Erklärung. Er räumte ausserdem ein, in der Affäre gelogen zu haben. Es seien zwar nicht alle Vorwürfe richtig, aber das, was geschehen sei, reiche aus für seine Entlassung als Vorsitzender der Kirchengemeinde. Er bat auch um Vergebung für den Callboy Mike Jones, der ihn belastet hatte.

Anschliessend wurde eine Erklärung seiner Frau verlesen. Sie liess verlauten, dass zwar ihr Herz gebrochen sei, sie aber dennoch ihrem Ehemann beistehen werde «bis dass der Tod uns scheide». Nach den Erklärungen erhoben sich die zahlreich erschienenen Gläubigen zu einer stehenden Ovation, wie CNN berichtete.

Die Vereinigung der Evangelikalen vertritt 30 Millionen evangelische Christen der USA, die theologisch auf strikte Wortgläubigkeit achten und politisch meist den rechten Flügel der Republikaner von US-Präsident George W. Bush unterstützen. Haggard hatte denn auch anfänglich alle Vorwürfe zurückgewiesen und sie in einen Zusammenhang mit dem erbitterten Kongresswahlkampf zwischen Demokraten und Republikanern gestellt. Der New Life Church gehören 14 000 Mitglieder an. (dapd)

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