Publiziert

Politologe ordnet einSteht der US-Präsident heute noch fest?

Die Präsidentschaftswahlen in den USA haben eine Rekordbeteiligung gesehen. Nützt das den Demokraten? Und wie geht es nun weiter? Der Politologe Alexander Trechsel ordnet ein.

Ann Guenter
von
Ann Guenter

Darum gehts

  • Politologe Alexander Trechsel ordnet den momentanen Stand der US-Wahlen ein.

  • Wegen der Corona-Pandemie wählten – anders als sonst – auch viele Republikaner via Post.

  • Die Stimmen der Briefwahl könnten noch alles ändern, sagt er.

Jetzt gilt es ernst: «Heute am späteren Nachmittag werden wir klarere Tendenzen sehen und schon erste Prognosen machen können. Eventuell wird sich schon ein Kandidat zum Sieger erklären», sagt Alexander Trechsel, Professor für Politikwissenschaft an der Universität Luzern.

Bislang habe es keine grosse Überraschungen gegeben – ausser dass zum jetzigen Zeitpunkt wohl niemand mehr behaupten würde, dass Donald Trump nur eine 10-Prozent-Chance hat, das Rennen zu machen. «Es sieht aus, wie es bereits 2016 aussah: Am Schluss kommt es auf die paar Staaten an, wo bis zuletzt ausgezählt wird.»

Ein besonderes Augenmerk gilt einmal mehr den Swing States. «Momenten sehen wir Hochrechnungen von dort, aber das Auszählen wird lange dauern – gerade in Staaten, wo es eine hohe briefliche Stimmabgabe gab.»

Trechsel vermutet, dass in gewissen Bundesstaaten das Resultat vor Gericht angefochten wird. «Das ist grundsätzlich ein Problem: Auch wenn wirklich alle Stimmen ausgezählt sind, kann das Resultat noch immer vor Gericht enden.» Entsprechend langfristig könnte der Prozess noch werden.

«Dies könnte alles ändern»

«Arizona ist zugunsten von Biden gekippt», so Trechsel. «Aber in allen anderen Swing States liegt tendenziell eher Trump vorne – aber eben: Die Stimmen der Briefwahl und in bevölkerungsgrossen Gegenden sind längst nicht ausgezählt. Dies könnte alles ändern.»

Neben Florida, das bereits 2016 an Trump ging, muss er auch mindestens einen Staat im so genannten Rust Belt gewinnen, also etwa Wisconsin oder Michigan. «Gelingt ihm das nicht, wird alles an Pennsylvania hängen.»

Viele republikanische Wähler stimmten per Post

Eine hohe Wahlbeteiligung im Land spricht normalerweise für die Demokraten. Die Wahlen 2020 haben eine Rekordbeteiligung gesehen. Nützt das den Demokraten denn jetzt nicht? «Da müssen wir vorsichtig sein», so Trechsel. «Wegen der Covid-Pandemie muss die alte Regel – Demokraten stimmen eher per Briefwahl und Early Voting, die Republikaner gehen am liebsten selbst zur Urne – nicht mehr zutreffen. Sprich: Auch viele republikanische Wähler haben wegen des Coronavirus wohl per Post gestimmt.»

Deine Meinung