Überraschende Hinweise: Steht Los Angeles ein gewaltiges Erdbeben bevor?
Publiziert

Überraschende HinweiseSteht Los Angeles ein gewaltiges Erdbeben bevor?

Schon seit Jahren sagen Seismologen, dass es nur eine Frage der Zeit ist, bis es in Kalifornien zu einem schweren Erdbeben kommt. Nun gibt es Hinweise darauf, dass es schon bald soweit sein könnte.

von
Fee Anabelle Riebeling
1 / 6
Schlechte Aussichten für die Bewohner von Los Angeles: Laut Forschern gibt es deutliche Hinweise darauf, dass es bald zu einem schweren Erdbeben kommen könnte. (Im Bild: Downtown Los Angeles mit dem Wilshire Grand Tower, dem höchsten Gebäude der Stadt)

Schlechte Aussichten für die Bewohner von Los Angeles: Laut Forschern gibt es deutliche Hinweise darauf, dass es bald zu einem schweren Erdbeben kommen könnte. (Im Bild: Downtown Los Angeles mit dem Wilshire Grand Tower, dem höchsten Gebäude der Stadt)

Wikimedia Commons/Alek Leckszas/CC BY-SA 4.0
Ausgangspunkt ist demnach die Mission-Creek-Störung: Doch es gab der Studie zufolge in den letzten 100’000 Jahren immer wieder Sprünge und Brüche. Pro Jahr verschiebt sich der Seitenast der San-Andreas-Verwerfung um 21,6 Millimeter gegeneinander – und damit weit mehr, als bislang angenommen.

Ausgangspunkt ist demnach die Mission-Creek-Störung: Doch es gab der Studie zufolge in den letzten 100’000 Jahren immer wieder Sprünge und Brüche. Pro Jahr verschiebt sich der Seitenast der San-Andreas-Verwerfung um 21,6 Millimeter gegeneinander – und damit weit mehr, als bislang angenommen.

Science Advances: Blisniuk et al.
Die Erkenntnis kommt selbst für die Expertinnen und Experten überraschend. Denn bislang ging man davon aus, dass die Mission-Creek-Störung inaktiv sei. Dabei macht sie sogar den Löwenanteil der Gesamtverschiebung aus. 

Die Erkenntnis kommt selbst für die Expertinnen und Experten überraschend. Denn bislang ging man davon aus, dass die Mission-Creek-Störung inaktiv sei. Dabei macht sie sogar den Löwenanteil der Gesamtverschiebung aus.

Science Advances: Blisniuk et al.

Darum gehts

  • Schon seit Jahren rechnen Fachleute in Kalifornien mit «The Big One» – einem gewaltigen Erdbeben.

  • Nun zeigen Forscher, dass dieses eine andere Ursache haben könnte als gedacht.

  • Denn ein bislang als inaktiv geltender Graben zeigt überraschend viel Aktivität. Und das schon seit Jahren.

  • Für Los Angeles zeichnen die Forschenden ein düsteres Bild.

Die Lage Kaliforniens bringt nicht nur Vorteile. Zwar ist das Meer nie in weiter Ferne. Dafür aber befindet sich der US-Bundesstaat auf einem tektonischen Schleudersitz. Unter ihm bewegen sich die Nordamerikanische und die Pazifische Platte seitlich aneinander vorbei. Besonders aktiv sind die Platten südlich der San-Andreas-Verwerfung (siehe Box), wie Seismologen um Kimberly Blisniuk von der San Jose State University im Fachjournal «Science Advances» schreiben. Konkret: entlang der sogenannten Mission-Creek-Störung.

Mittlerer Abschnitt der San-Andreas-Verwerfung.

Mittlerer Abschnitt der San-Andreas-Verwerfung.

US NOAA/PD

Der San-Andreas-Graben

Bei der San-Andreas-Verwerfung, die sich in Kalifornien über eine Distanz von über 1000 Kilometern erstreckt, handelt es sich um eine so genannte Transformstörung. Bei solchen Verwerfungen driften tektonische Platten – in diesem Fall die Nordamerikanische und die Pazifische Platte – seitlich aneinander vorbei.

Unerwartete Erkenntnis

Die Feststellung der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler kommt für viele Menschen überraschend, denn bislang gingen Fachleute davon aus, dass die Mission-Creek-Störung schon vor mehr als 100’000 Jahren durch einen Knick im Hauptast der San-Andreas-Spalte von der Plattenbewegung abgekoppelt wurde – und anders als die Banning-, Garnet-Hill- und San-Gorgonio-Pass-Störung inaktiv ist.

Dem ist jedoch nicht so, wie Blisniuk und ihre Kollegen nun nachwiesen: An der Mission-Creek-Spalte herrscht alles andere als Ruhe. In den letzten 100’000 Jahren habe es dort immer wieder Sprünge und Brüche gegeben, so die Forschenden. Pro Jahr verschiebt sich der Seitenast um 21,6 Millimeter gegeneinander – und damit weit mehr als bislang angenommen. Mehr noch: Die Bewegungen der Mission-Creek-Störung machen sogar den Löwenanteil der jährlich insgesamt 24,1 Millimeter aus.

«Diese Daten etablieren den Mission-Creek-Arm als primäre Verwerfung auf diesem Teil der Plattengrenze zwischen der Nordamerikanischen und Pazifischen Erdplatte», schlussfolgert das Team.

Schlechte Aussichten für LA

Für die Millionenstadt Los Angeles bedeuten die neuen Erkenntnisse nichts Gutes, heisst es in der Studie. Denn obwohl sich der Untergrund beiderseits der Mission-Creek-Spalte stetig gegeneinander bewegt, hat es seit fast 300 Jahren keinen Sprung oder Bruch dort gegeben. Das deutet darauf hin, dass das Gestein verhakt ist und sich allmählich immer mehr Spannung im Untergrund anstaut.

Die Verwerfung könnte laut Blisniuk genug Spannung angestaut haben, um abrupt sechs bis neun Meter zu springen, was ein schweres Erdbeben bis weit in die San Bernardino Mountains südlich von Los Angeles auslösen könnte. Die Millionenmetropole wäre dann massiv betroffen, so die Forschenden: Denn «die Mission-Creek-Störung schneidet wichtige Leitungen der Wasser- und Strom-Infrastruktur, die den Grossraum Los Angeles versorgen.»

Zuletzt hatte die Erde in Kalifornien im Jahr 2019 heftig gebebt. Schon da wurden Sorgen geäussert, «dass das grosse Beben, von dem sie seit 20 Jahren reden, nicht mehr weit ist.» Die grössten Erdbeben in der Region gab es in den Jahren 1906 und 1989. Beim sogenannten Loma-Prieta-Beben gab es 63 Todesopfer. Mehr als 3700 Menschen wurden verletzt.

Wissen-Push

Abonniere in der 20-Minuten-App die Benachrichtigungen des Wissen-Kanals. Du wirst über bahnbrechende Erkenntnisse und Entdeckungen aus der Forschung, Erklärungen zu aktuellen Ereignissen und kuriose Nachrichten aus der weiten Welt der Wissenschaft informiert. Auch erhältst du Antworten auf Alltagsfragen und Tipps für ein besseres Leben.

So gehts: Installiere die neuste Version der 20-Minuten-App. Tippe unten rechts auf «Cockpit», dann «Einstellungen» und schliesslich auf «Push-Mitteilungen». Beim Punkt «Themen» tippst du «Wissen» an – et voilà!

Deine Meinung

123 Kommentare
Kommentarfunktion geschlossen

einsteigenbitte

07.04.2021, 00:22

Die Erde ist nur an ihrer allerobersten Schicht ausgekühlt, darunter brodelt es heiss. Die relativ dünnen tektonischen Platten verschieben sich, was zu See- und Erdbeben sowie Vulkanausbrüchen führt. Und das ganze instabile Gebilde fliegt, teilweise kopfüber, mit 107250 km/h um die Sonne. Wer braucht da Achterbahnen?

Peter Meier

06.04.2021, 20:09

Dasselbe haben wir in der Schweiz auch - ich sage nur Basel. Etwa geschätzt alle 500 Jahre gibt es ein starkes Beben. Im Jahre 1356 war es das letzte Mal soweit, es kann also bereits heute Nacht soweit sein. Heute ist die Stadt noch viel dichter besiedelt, Chemieproduktion in der Region, uralte Atomkraftwerke in der Nähe in Frankreich. Es könnte also Hunderte/Tausende Tote geben und schweriwegende Folgen für die Umwelt.

Baslerbebbi

06.04.2021, 17:38

Gott mit euch !