Aktualisiert 16.05.2020 14:16

Epidemiologe

«Steigen die Zahlen stark, braucht es lokale Lockdowns»

Erst in einer Woche zeigen sich die Auswirkungen der Lockerungen. Wenn die Fälle dann wieder exponentiell steigen würden, brauche es gezielte Lockdowns, so ein Experte.

von
Pascal Michel
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Epidemiologe Marcel Tanner ist nicht beunruhigt, wenn die Corona-Fallzahlen schwanken – ausser sie steigen exponentiell.

Epidemiologe Marcel Tanner ist nicht beunruhigt, wenn die Corona-Fallzahlen schwanken – ausser sie steigen exponentiell.

TPH / Christian Flierl
Dann müsse man die «Virus-Herde» identifizieren und lokale Lockdowns in Betracht ziehen.

Dann müsse man die «Virus-Herde» identifizieren und lokale Lockdowns in Betracht ziehen.

KEYSTONE
Wichtig sei: Die heutigen Zahlen reflektierten nur die Übertragungssituation vor rund zwei Wochen. Welche Auswirkungen die Öffnung der Schulen, der Restaurants und aller Läden am 11. Mai gehabt habe, könne somit erst ab einer Woche beurteilt werden.

Wichtig sei: Die heutigen Zahlen reflektierten nur die Übertragungssituation vor rund zwei Wochen. Welche Auswirkungen die Öffnung der Schulen, der Restaurants und aller Läden am 11. Mai gehabt habe, könne somit erst ab einer Woche beurteilt werden.

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Das Bundesamt für Gesundheit sorgte am Samstag für Aufregung: Es meldete 98 neue Ansteckungen mit dem Coronavirus im Vergleich zum Vortag. Das entsprach einer Verdopplung der Fälle innerhalb eines Tages – und löste Beunruhigung aus. Sofort wurde darüber spekuliert, ob dies eine erste Auswirkung der am 11. Mai erlassenen Lockerungen des Lockdown ist.

Doch es handelte sich um eine Falschmeldung: Die korrekte Zahl belief sich auf 58 Neuansteckungen. Damit blieb die Zahl auf dem tiefen Niveau der Vortage, am Donnerstag gab es 50 und seit Montag jeweils zwischen 30 und 40 innerhalb eines Tages.

Doch sogar wenn es eine Verdopplung auf knapp 100 Fälle gegeben hätte: Nervös hätte dies Marcel Tanner, emeritierter Professor für Epidemiologie an der Universität Basel, nicht gemacht. «Solange das Wachstum nicht exponentiell ist, ist das nicht so beunruhigend.» Wichtig sei: Die heutigen Zahlen reflektierten nur die Übertragungssituation vor rund zwei Wochen. Welche Auswirkungen die Öffnung der Schulen, der Restaurants und aller Läden am 11. Mai gehabt habe, könne somit erst ab einer Woche beurteilt werden.

«Können nicht wieder ganze Schweiz abriegeln»

«Wenn es dann einen exponentiellen Anstieg der Zahlen – also jeden Tag etwa eine Verdopplung – geben würde, dann muss man sich Sorgen machen und auch sehen, wo diese Herde auftreten», sagt Tanner. Dann müssten lokal gezielte Lockdowns in Betracht gezogen werden. «Wir müssen und können nicht wieder die ganze Schweiz abriegeln. Wir müssen dort, wo die Fallzahlen regional exponentiell steigen, zum Beispiel wieder Restaurants, Heime oder Betriebe schliessen.»

Dabei verweist er auf den Fall Verbier, dem «Übertragungsnest», das die dortigen Ärzte Ende März unter Quarantäne stellen wollten. «Im Falle solcher Nester müssten wir solche gezielte Lösungen in Betracht ziehen. Grossflächige Lockdowns sind sozial wie wirtschaftlich fatal.»

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187 Kommentare

Johnny Schmidt

29.05.2020, 13:24

Offensichtlich dachte auch grad jemand, es sei eh nix dabei, selbst mit einem Baby ins Ausland zu reisen... Die Folge? Das erste Kind in der Schweiz, welches an Corona starb - laut Angaben im Ausland angesteckt.

blume

23.05.2020, 06:58

@das reicht .... nicht in gut besetzten öv ....da braucht es masken

siri

23.05.2020, 06:45

unglaublich... alle die Experten hier...