Gesundheitsausgaben: Steigende Kosten sind nicht nur negativ

Aktualisiert

GesundheitsausgabenSteigende Kosten sind nicht nur negativ

Steigende Gesundheitsausgaben belasten zwar die Haushalte. Sie bewirken aber auch Wirtschaftswachstum und heben die allgemeine Wohlfahrt, sagt die Pharmaindustrie.

Die Ausgaben für die Gesundheit wachsen seit Jahrzehnten - 2008 stiegen sie um 5,9 Prozent auf 58,5 Mrd. Franken, was 10,7 Prozent des Bruttoinlandprodukts ausmacht.

Die Vereinigung Pharmafirmen in der Schweiz hat nun das Institut Infras beauftragt, die Auswirkungen der steigenden Gesundheitskosten auf die wirtschaftliche Entwicklung der Schweiz zu untersuchen. Die Studie wurde am Montag in Bern vorgestellt.

Kosten und Nutzen

Danach muss ein Haushalt im Schnitt einen Siebtel seines verfügbaren Einkommens für die Gesundheit ausgeben. Haushalte mit tiefen Einkommen und mit Kindern sind speziell belastet. Prämienverbilligungen reduzieren die Belastungsunterschiede nur zum Teil.

Andererseits ergaben Modellrechnungen von Infras, dass eine - angenommene - Steigerung der Gesundheitsausgaben von 5 Milliarden Franken bei gleichbleibender Gesamtnachfrage die inländische Wertschöpfung (das BIP) um 0,3 Prozent oder 1,35 Mrd. Franken bezogen auf das Jahr 2005 wachsen liesse. Die Beschäftigung würde sich um 0,53 Prozent - etwa 17 000 Vollbeschäftigte - erhöhen.

Profitieren würden neben dem Gesundheitswesen mit seinen Sub- Branchen auch die Präzisionsindustrie, die Versicherungen, Forschung und Entwicklung, sowie - in geringerem Ausmass - die exportorientierte Chemie- und Pharmabranche.

Längerfristige Auswirkungen

Längerfristig würden sich steigende Gesundheitsausgaben gemäss den Untersuchungen tendenziell positiv auf die schweizerische Wirtschaft und die Wohlfahrt auswirken. Auch in hoch entwickelten Industrieländern verbessern zusätzliche Ausgaben für die Gesundheit tendenziell den Gesundheitszustand der Bevölkerung.

Dies wiederum fördert die Arbeitsproduktivität und das Einkommenswachstum der Volkswirtschaft. Bessere Gesundheit steigert aber auch die Lebenserwartung und die Lebensqualität.

Steigende Gesundheitsausgaben sind also nicht per se schlecht für die wirtschaftliche Entwicklung - was aber keine Rechtfertigung für eine grenzenlose weitere Steigerung sei, unterstreicht die Studie. Deren Urheber empfehlen, bei zusätzlichen Gesundheitsausgaben die Kostenwirksamkeit systematisch zu überprüfen. Ausserdem müssten weitere Aspekte wie die Finanzierung des Gesundheitswesens genauer untersucht und dessen Transparenz verbessert werden.

Ein Tabu-Bruch

Für die Freiburger CSP-Nationalrätin und Gesundheitspolitikerin Marie-Thérèse Weber-Gobet hat die Studie ein Tabu gebrochen. Sie habe auch Missstände bei der Datenlage im Gesundheitswesen aufgedeckt und sozialpolitisch Brisantes angesprochen - etwa die Belastung der unteren Schichten durch die Gesundheitskosten.

Weber-Gobet wie auch Aymo Brunetti vom Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) bedauerten bei der Vorstellung der Studie, dass darin die Opportunitätskosten nicht berücksichtigt wurden - also Nutzen und Kosten von Alternativen. Weitere Untersuchungen zu dem Thema seien nötig. (sda)

Deine Meinung