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Filmbiennale VenedigSteile Karriere eines Callgirls

Eigentlich ginge es ja um die Filme - doch alleine schon die Gästeschar an der diesjährigen Biennale ist höchst unterhaltsam: Hollywoodstars teilen sich den roten Teppich mit taiwanesischen Fast-Zwillinge, einem Schweizer Frauentraum, einer verloren wirkenden Hotelerbin und ... Berlusconis Callgirl höchstpersonlich.

Anlass dieser eklektischen Guestlist war am Freitag das amerikanische Cop-Drama «Bad Lieutenant: Port of Call New Orleans» von Werner Herzog mit Nicolas Cage. Cage spielt einen Polizisten, der fast so kriminell ist wie die Gangster, die er jagt.

«New Orleans nach dem Hurrikan «Katrina» schien für uns der richtige Platz für diesen «film noir»», sagte der 67-jährige Münchner Herzog, der nach etlichen anderen Filmen auch «Bad Lieutenant» auf Englisch gedreht hat.

Umrahmt von Cage und Eva Mendes dementierte Herzog vor der Weltpresse, dass sein Film ein Remake eines Streifens des New Yorkers Abdel Ferrara sei: «Den Film hab ich nicht gesehen.»

Der Mitbegründer des deutschen Autorenfilms, in früheren Jahren vor allem auch auf Klaus Kinski als Star in seinen Werken geeicht (»Fitzcarraldo», «Aguirre, der Zorn Gottes»), schickt mit «Bad Lieutenant» einen der sechs US-Filme in den Wettbewerb um Venedigs Löwen.

Spass am Gemeinen

Terence (Cage), wird in «Bad Lieutenant» gleich zweimal befördert. Ganz am Anfang, als er in dem von «Katrina» verwüsteten New Orleans einen Mann vor dem Ertrinken rettet, widerwillig, aber immerhin. Und am Ende, weil er eine mordende Drogenbande zur Strecke gebracht hat.

In der langen Zeit dazwischen ist Terence ständig auf der Suche nach Drogen und verbotenen Medikamenten. Brillant als Cop, korrupt bis ins Mark, drogenabhängig und sexbesessen - allein seine Freundin Frankie (Eva Mendes), die ebenfalls auf Kokain stehende Edelnutte, bringt da etwas Linderung.

Cage hat es ganz offensichtlich Spass gemacht, diese Rolle glänzend zu meistern. Er gerät in in eine Schiesserei zwischen zwei Banden - mit beiden ist er im Geschäft. Doch wie im Märchen lösen sich alle seine Probleme in Wohlgefallen auf.

Wunderheilung

Von einem Wunder anderer Art berichtet die österreichische Filmemacherin Jessica Hausner, die mit «Lourdes» um die Preise von Venedig kämpft. Die 37-jährige Wienerin (»Lovely Rita», «Hotel») geht dem Phänomen Lourdes nach, der Wallfahrtsstätte, die jährlich mehr als eine Million Pilger anzieht, darunter viele wundergläubige Kranke.

Der Film erzählt in ruhigen Einstellungen von der an den Rollstuhl gefesselten Christine (Sylvie Testud), die anfangs skeptisch ist, nicht ganz an Wunder zu glauben scheint, dann zum Star ihrer Gruppe der angereisten Kranken und Gebrechlichen wird.

Unter den Augen eines von ihr heiss verehrten Malteser-Helfers (Bruno Todeschini) beginnt sie zu laufen, zieht Bewunderung und sofort auch Neid auf sich.

Der stille Film, für Hausner «eine grausame Erzählung, ein Tagtraum oder eine Nachtmahr» geht auch der Frage nach, warum der eine geheilt zu werden scheint und der andere weiter leiden muss. Doch auch ein Kirchenmann hat da nur eine Antwort parat: Gott ist eben frei in seinen Entscheidungen.

(sda)

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