Iran: Steinigungs-Anwalt flüchtet nach Oslo
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IranSteinigungs-Anwalt flüchtet nach Oslo

Der iranische Rechtsanwalt Mohammed Mostafai, der in seinem Heimatland unter anderem eine von Steinigung bedrohte Frau vertritt, hat in Norwegen Asyl beantragt.

von
mlu
Mohammed Mostafai ist geflohen

Mohammed Mostafai ist geflohen

Er wurde Ende Juli vom iranischen Regime ins Teheraner Ewin-Gefängnis bestellt, kam nach wenigen Stunden wieder frei und wurde kurz darauf aufgefordert, zurückzukommen. Seitdem wurde der iranische Rechtsanwalt Mohammed Mostafai nicht mehr gesehen.

Nun ist er wieder aufgetaucht – in Oslo. Er habe in Norwegen um Asyl gebeten, sagte Mostafai am Sonntag. Er habe bereits ein Visum für ein Jahr erhalten. Norwegens Aussenminister Jonas Gahr Stoere erklärte seinerseits: «Ich bin sehr froh, dass der Menschenrechtsanwalt Mohammed Mostafai nun in Norwegen in Sicherheit ist.» Mostafai kam nach eigenen Angaben am Samstagabend in Norwegen an.

Bereits am 4. August teilte ein Vertreter des UN-Flüchtlingshilfswerks UNHCR mit, Mostafai halte sich in der Türkei auf und bemühe sich im «Ausland» um Asyl. Die türkische Zeitung «Radikal» berichtete am Mittwoch, der Anwalt sei bei seiner Einreise in die Türkei wegen eines Problems mit seinen Ausweispapieren festgenommen worden. Das türkische Innenministerium lehnte eine Stellungnahme zu dem Fall ab.

Heftige Kritik an Steinigungsurteil

Zu den Mandanten des Anwalts gehört die 43-jährige Iranerin Sakineh Mohammadi-Aschtiani, die wegen Ehebruchs zum Tod durch Steinigung verurteilt wurde. Die zweifache Mutter war nach Angaben ihres Anwalts und von Amnesty International im Mai 2006 zu 99 Peitschenhieben wegen Ehebruchs verurteilt worden. In einem weiteren Prozess wurde sie zum Tode verurteilt. Das Steinigungsurteil stiess international auf heftige Kritik. Der Chef der iranischen Justizbehörden, Sadek Laridschani, setzte die Steinigung Mitte Juli vorerst aus, Aschtiani droht aber weiterhin die Hinrichtung am Galgen.

Brasiliens Präsident Luiz Inácio Lula da Silva hatte Ende Juli angeboten, Mohammadi-Aschtiani Asyl zu geben. «Ich bitte den iranischen Führer Mahmud Ahmadinedschad, Brasilien die Erlaubnis zu geben, diese Frau aufzunehmen», sagte Lula. Sollte die Anwesenheit von Aschtiani in Iran seinem «Freund Ahmadinedschad» unangenehm sein, könne die Frau gerne nach Brasilien geschickt werden, fügte Lula hinzu. Der Iran lehnte das Angebot ab. Nun kann sie nur noch der religiöse Führer Irans, Ajatollah Ali Khamenei, begnadigen. (mlu/sda)

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