Aktualisiert 16.03.2017 11:17

Basel

Steinwerfer terrorisiert Läden in der Webergasse

Ein Mann soll schon fünfmal die Scheiben zweier Geschäfte im Kleinbasel beschädigt haben. Laut den Geschädigten bleibt der Täter auf freiem Fuss.

von
las
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Überwachungsaufnahmen zeigen den Steinwerfer in flagranti.

Überwachungsaufnahmen zeigen den Steinwerfer in flagranti.

Telebasel
Ladenbesitzer Hakan Büklü steht neben der eingeschlagenen Scheibe seines Geschäfts. Ersetzen will er sie noch nicht, da er befürchtet, dass sie wieder eingeschlagen wird.

Ladenbesitzer Hakan Büklü steht neben der eingeschlagenen Scheibe seines Geschäfts. Ersetzen will er sie noch nicht, da er befürchtet, dass sie wieder eingeschlagen wird.

20 Minuten/las
Das Tattoo-Studio von R. soll es schon dreimal erwischt haben. Er hat sein Fenster gleich mit einem kunstvoll besprayten Holzbrett verbarrikadiert.

Das Tattoo-Studio von R. soll es schon dreimal erwischt haben. Er hat sein Fenster gleich mit einem kunstvoll besprayten Holzbrett verbarrikadiert.

20 Minuten/las

Immer wieder werden an der Werbergasse bei zwei Geschäften die Scheiben mit Wurfgeschossen eingeschlagen. Wie Telebasel am Mittwoch berichtete, soll bei allen drei Vorfällen der gleiche Täter am Werk gewesen sein. Beim Getränkeladen von Hakan Büklü (44) habe er zweimal zugeschlagen, beim Tattoostudio von R.* nebenan gar schon dreimal.

Noch kann man den Ort des letzten Einschlags im Fenster von Büklüs Geschäft sehen. Ersetzen wolle er es nicht, denn er befürchte, dass es gleich wieder eingeschlagen werde, sagte er gegenüber dem Sender. Denn einmal hat er es schon für 3500 Franken reparieren lassen. R. hat ebenfalls die Nase voll vom Steinwerfer: Er hat sein neues Fenster mit einem Brett verbarrikadiert.

Fensterschreck auf freiem Fuss

Der Täter, dessen Angriffe auf die Läden von Überwachungskameras in der Webergasse aufgezeichnet wurden, könnte jederzeit wieder zuschlagen. «Er hat sich der Polizei freiwillig gestellt», erzählt Büklü. Diese habe ihn aber gleich wieder gehen lassen. So konnte dieser wiederholt die beiden Geschäfte angreifen. Der letzte Vorfall ereignete sich in der Nacht vom 19. auf den 20. Juni.

«Ich habe ihn am 6. Juni zur Rede gestellt», sagt Büklü. Das war nach dem ersten Vorfall. Obwohl sich die beiden schon lange kennen würden, habe ihn der Täter mit Pefferspray angegriffen. Später seien sie sich beim Polizeiposten Clara begegnet und hätten gegeneinander Anzeige erstattet, sehr zur Verwirrung der Polizisten. Polizeisprecher Andreas Knuchel kommentierte diese Vorfälle auf Anfrage nicht.

Psychose oder Drogenfall

Laut Büklü leide der Steinewerfer unter einer psychischen Störung. «Er ist eine gute Person. Einmal verhält er sich ganz normal, macht Spass und raucht eine, dann wird er ganz anders», sagt er. Wegen Körperverletzung will er keine Anzeige erstatten. «Ein Fenster kann man reparieren, ein Mensch kann kaputtgehen», begründet Büklü. Für den etwa 35-jährigen Täter wünscht er sich, dass er auch zu seinem eigenen Schutz von der Strasse genommen wird: «Man muss ihm helfen.»

Der zweite Geschädigte R. glaubt hingegen, das Motiv für die Angriffe sei im Drogenmilieu zu finden. Dessen Handel wolle er nicht vor seiner Ladentüre sehen. Zum Ziel sei er geworden, weil er am 3. Juni mit Bekannten des Täters deswegen in eine Auseinandersetzung geraten sei. Zudem befürchtet er, dass die Überwachungskameras den Täter sogar ermutigen. «Früher haben wir das unter uns auf der Gasse geklärt. Wegen der Überwachung durch die Kameras kann ich mich aber nicht wehren, ohne gleich angezeigt zu werden», so R.

Sachbeschädigung nicht genug für U-Haft

«Es sind im Juni zwei Sachbeschädigungen an einem Geschäft in der Webergasse angezeigt worden», bestätigt Peter Gill, Sprecher der Staatsanwaltschaft. Zum konkreten Fall dürfe er sich aber nicht weiter äussern, da Strafverfahren nicht öffentlich seien.

Da die Staatsanwaltschaft nur bei schweren Delikten und vorliegenden Haftgründen Untersuchungshaft beim Gericht beantragt, dürfte derzeit keine Rechtsgrundlage bestehen, den Steinwerfer langfristig festzuhalten.

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