Shit happens : Steinzeitbrötchen im Museum war bloss Kot
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Shit happens Steinzeitbrötchen im Museum war bloss Kot

Das Museum für Urgeschichte in Zug stellt ein «Brötchen aus der Jungsteinzeit» aus. Nun brachte eine Untersuchung ans Licht: Das Brötchen ist ein Stück Kot.

von
dag
Das geniessbare Brötchen ist rechts im Bild zu sehen - links das Zuger Kot-Brot, das für ein versteinertes Pfahlbauer-Gebäck gehalten wurde.

Das geniessbare Brötchen ist rechts im Bild zu sehen - links das Zuger Kot-Brot, das für ein versteinertes Pfahlbauer-Gebäck gehalten wurde.

Ende März, pünktlich zur Eröffnung der Sonderausstellung «Einfach tun – Archäologie (ADA) vom Experiment zum Erlebnis» im Museum für Urgeschichte in Zug, lancierte das Amt für Denkmalpflege und Archäologie in Zusammenarbeit mit Zuger Bäckereien das «Zuger Pfahlbaubrot» als Brot des Monats April. Das feine Gebäck mit Dinkel und Haselnüssen, Nahrungsmitteln also, die schon zur Zeit der Pfahlbauer beliebt waren, stiess auf positive Resonanz. Das Echo ist so gut, dass es die beteiligten Zuger Bäckereien bis auf weiteres in ihr Sortiment aufnehmen.

Verknüpft mit dem Brot und der Sonderausstellung ist auch der Bau eines Pfahlbauer-Backofens im Museumsgarten. Zudem wurde auch ein archäologischer Fund aus Zug-Galgen, der im Museum bisher als «Brötchen aus der Jungsteinzeit» präsentiert wird, in einem Wiener Labor auf seine Zusammensetzung hin untersucht, wie die «Neue Zuger Zeitung» berichtete. Die Hoffnung war, dadurch genauere Angaben zur Zusammensetzung des steinzeitlichen Brots zu erhalten. Nun sind die Analyseergebnisse aus Wien eingetroffen, und die Fachleute von ADA und Museum haben eine Überraschung erlebt: Es handelt sich nicht etwa um ein Brot, sondern um ein Stück Kot! Doch damit nicht genug: Eine Radiokarbon-Altersbestimmung des Objekts hat ergeben, dass es womöglich gar nicht aus der Zeit der Pfahlbauer stammt, sondern gut 6000 Jahre älter ist.

Museum nimmt den Irrtum mit Humor

Museumsleiter Ulrich Eberli kann über das Ergebnis auch schmunzeln. Trotzdem sagt er: «Einerseits waren wir etwas enttäuscht, dass es kein Brötchen war, andererseits hatten wir das Gefühl, dass es sich um etwas anderes handeln könnte.» Weil noch unbekannt sei, woher der Kot stamme, würden die Untersuchungen nun weitergehen. Eberli: «Wir wollen wissen, was in dem Stück Dung erkennbar ist, um die enthaltenen Pflanzenfasern zu bestimmen.»

Nichtsdestotrotz, das Museum hält am geplanten Backofenbau fest, und auch das «Zuger Pfahlbaubrot» bleibt im Sortiment der beteiligten Zuger Bäckereien. Dies bestätigte etwa Walter Speck von der Confiserie Speck: «Das Brot kommt bei den Kunden gut an. Nachdem die Kunden diesen Artikel gelesen haben, wird es sicher zu interessanten Gesprächen mit der Kundschaft kommen.» Er könne sich vorstellen, dass das Brot nun zur Degustation angeboten werde.

Wie das Museum auf seiner Website weiter schreibt, hätten die Pfahlbauer auf jeden Fall Brot gegessen – auch wenn der Zuger Nachweis nun gescheitert ist. Zusätzlich forschen Fachleute nun weiter, was es mit diesem mittelsteinzeitlichen «Stück Sch ...» auf sich hat. Sobald weitere Ergebnisse da sind, werden sie im Museum für Urgeschichte ebenfalls der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

Einzelheiten zu den bisher durchgeführten Analysen sind ab sofort in der Sonderausstellung «Einfach tun» nachzulesen und an der öffentlichen Führung durch die Sonderausstellung vom Sonntag, 1. Juni um 15.30 Uhr zu erfahren. Bei diesem Anlass gibt es auch eine Kostprobe des Zuger Pfahlbaubrots.

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