Aktualisiert 09.12.2008 13:52

FinanzkriseStell dir vor, es ist Ausverkauf und keiner geht hin

Nach der Inflation die Stagflation und jetzt die Deflation? Praktisch jeden Tag wird ein neues Horrorszenario durchgespielt. Eine Deflation wäre zwar für das Sparkapital gut, für den Konsum jedoch schlecht. So oder so: Sie ist unwahrscheinlich.

von
Dajan Roman

Laut der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) ist eine internationale Deflation ein reales Risiko. Doch was genau ist eigentlich eine Deflation?

Kurz gesagt ist die Deflation das Gegenstück zur Inflation. Die Deflation ist durch einen Preiseinbruch auf breiter Front und über eine längere Zeit gekennzeichnet. Die sinkenden Waren- und Dienstleistungspreise führen dazu, dass die Konsumenten sich beim Kaufen zurückhalten, da sie in Zukunft weiter sinkende Preise erwarten. Diese rückläufige Nachfrage bewirkt wiederum, dass die Produktionskapazitäten noch weniger ausgelastet werden und damit die Preise weiter sinken. Weil weniger produziert wird, steigt gleichzeitig auch die Arbeitslosigkeit. Damit wird eine gefährliche Spirale – die Deflationsspirale – in Gang gesetzt.

In der Schweiz unwahrscheinlich

Professor Jan-Egbert Sturm, Leiter der Konjunkturforschungsstelle KOF der ETH Zürich, will eine Deflationsphase nicht ganz ausschliessen. Der Rückgang des Preisniveaus sei vor allem durch rückläufige Energiepreise bedingt. «Deswegen sollte man diesen nicht überbewerten. Die Kerninflationsrate ist immer noch recht stabil.»

Die Kerninflationsrate wird ohne Lebensmittel und Energiepreise berechnet, womit das Auf und Ab der Inflationsrate in diesem Jahr vor allem auf die Achterbahnfahrt des Ölpreises zurückzuführen ist. So kostet das Barrel Rohöl inzwischen rund 100 Dollar weniger als noch im Juni.

Professor Sturm hält eine Deflation indes weder weltweit noch in der Schweiz für wahrscheinlich. Käme es trotz allem dazu, würde laut Sturm Folgendes passieren: «In Erwartung, dass die Preise weiter sinken, würden die Käufer ihre Anschaffungen in die Zukunft verschieben und damit sowohl die konjunkturelle Erholung nach hinten verschieben als auch die Preisspirale weiter nach unten drehen. Insbesondere Luxus- und langlebige Güter würden hierdurch betroffen.»

Gut für Sparer, schlecht für Schuldner

Die Folgen einer Deflation wären auch im täglichen Leben spürbar. Die Arbeitslosigkeit würde sicher steigen. Daneben kämen laut Sturm die Schuldner unter grossen Druck. Ein Beispiel: Das kreditfinanzierte Auto ist unter dem Eindruck ständig sinkender Preise immer weniger wert, die Kreditsumme wird aber nicht kleiner und bleibt starr auf dem anfangs festgelegten Wert. Sparer und Gläubiger hingegen profitieren: Ihr Kapital ist immer mehr wert.

Gegenmassnahmen: Tiefere Steuern

Ohne Gegenmassnahmen ist es schwierig, aus einer Deflation wieder rauszukommen. Sturm: «Deflation entsteht in Rezessionsphasen, wenn es nicht gelingt, die Stimmung der Wirtschaftssubjekte positiv zu beeinflussen. Deswegen ist alles, was zu diesem Stimmungsumschwung beiträgt, hilfreich.»

So könnten fiskalpolitische Massnahmen wie tiefere Einkommenssteuern und tiefe Zinsen dazu beitragen, die Stimmung zu kehren. «Es braucht einfach eine gewisse Zeit, bis die Wirtschaftssubjekte realisieren, dass es sich wieder lohnt zu investieren und zu konsumieren.»

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