Attacke in Frankfurt: «Stellt Eritreer nicht unter Generalverdacht»

Aktualisiert

Attacke in Frankfurt«Stellt Eritreer nicht unter Generalverdacht»

Der Täter von Frankfurt, der ursprünglich aus Eritrea stammt und im Kanton Zürich wohnt, schockiert die eritreische Gemeinschaft.

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pam/jk/zos

Der Zug-Schubser von Frankfurt, der ursprünglich aus Eritrea stammt und im Kanton Zürich wohnt, schockiert die eritreische Gemeinschaft. (Video: 20M)

Der mutmassliche Täter, der am Montag einen Buben und dessen Mutter auf die Gleise gestossen hat, sorgt in der eritreischen Gemeinschaft für Aufregung und Bestürzung – der 40-jährige Mann wohnt im Kanton Zürich.

Die «Gemeinschaft für Freundschaft der Eritreer im Kanton Zürich» ist bestürzt, dass es sich beim mutmasslichen Täter von Frankfurt um einen Landsmann handelt. «Es ist traurig und inakzeptabel», sagt ein Sprecher. Er betont, es handle sich um einen Einzelfall, den man individuell untersuchen müsse. «Es wäre falsch, die Eritreer unter Generalverdacht zu stellen, wie das Populisten gern machen.»

«Viele haben geweint»

Laut Negasi Sereke vom Eritreischen Medienbund ist die eritreische Gemeinschaft in der Schweiz schockiert über die Tat. «Viele von uns haben gestern geweint», sagt er zu 20 Minuten. Den Täter, der im Kanton Zürich wohnt, kennt er nicht. Sereke, der auf Facebook 1800 Abonnenten hat und in der eritreischen Gemeinschaft bestens vernetzt ist, hat jedoch unzählige Reaktionen erhalten.

Noch am Montagabend hat Sereke auf seinem Facebook-Profil einen Livestream aufgesetzt, um zur Tat in Frankfurt Stellung zu nehmen. Darunter bekunden in über 200 Kommentaren Eritreer ihr Beileid. «Friede sei mit dem Kind», heisst es dort etwa.

Eritreer wollten in Frieden leben

Auch Samuel Yemane (37), der seit 2013 in der Schweiz lebt, ist bestürzt: «Ich kann nicht glauben, wie jemand so etwas tun kann.» Er glaube, dass die Tat mit einer psychischen Erkrankung zusammenhänge.

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H. A. soll der Täter des tödlichen Vorfalls am Frankfurter Hauptbahnhof sein.

H. A. soll der Täter des tödlichen Vorfalls am Frankfurter Hauptbahnhof sein.

Der 40-Jährige wohnt in der Schweiz und hat bei den VBZ gearbeitet.

Der 40-Jährige wohnt in der Schweiz und hat bei den VBZ gearbeitet.

AFP/Christoph Reichwein
Am Dienstag, 30. Juli 2019, informierte die Kantonspolizei Zürich zum Fall. Der Mann war in der Woche zuvor polizeilich aufgefallen, als er seine Frau, die drei Kinder und eine Nachbarin in seiner Wohnung eingesperrt hatte.

Am Dienstag, 30. Juli 2019, informierte die Kantonspolizei Zürich zum Fall. Der Mann war in der Woche zuvor polizeilich aufgefallen, als er seine Frau, die drei Kinder und eine Nachbarin in seiner Wohnung eingesperrt hatte.

Der Eritreer Abdallah (38) sagt: «Typisch Eritrea zu sagen, ist unfair, es gibt in Eritrea Probleme, aber längst nicht alle Leute sind schlecht.» Vielleicht fünf Prozent, aber alle anderen nicht. «Die Menschen kommen in die Schweiz, weil sie Frieden suchen, und nicht, um Probleme zu machen.»

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