Impfchef-Entführer erschoss Freundin: «Stellt sich die Frage, ob B.S. ‹freiwillig› mit in den Tod gerissen wurde» 

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Impfchef-Entführer erschoss Freundin«Stellt sich die Frage, ob B.S. ‹freiwillig› mit in den Tod gerissen wurde» 

Bei einer missglückten Verhaftung in Wallisellen erschoss der 38-jährige B.V.* seine Freundin. Der forensische Psychiater Thomas Knecht ordnet den Fall ein.

von
Lynn Sachs
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Bei der missglückten Verhaftung in Wallisellen starben der 38-jährige B.V.* und seine Freundin B.S.* (28).

Bei der missglückten Verhaftung in Wallisellen starben der 38-jährige B.V.* und seine Freundin B.S.* (28).

Privat
Beim Seidenplatz in Wallisellen fielen am Mittwochabend Schüsse.

Beim Seidenplatz in Wallisellen fielen am Mittwochabend Schüsse.

BRK News
Der 38-jährige B.V. hatte sich gegen seine Verhaftung gewehrt.

Der 38-jährige B.V. hatte sich gegen seine Verhaftung gewehrt.

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Bei einer missglückten Verhaftung am Mittwoch in Wallisellen starben der 38-jährige B.V.* und seine Freundin B.S.* (28). Der Deutsche wird verdächtigt, Impfchef Christoph Berger eine Woche zuvor entführt zu haben. Gemäss ersten Erkenntnissen verstarb die 28-Jährige durch einen von B.V. abgegebenen Schuss. Laut Tamedia-Zeitungen richtete der 38-Jährige eine Schusswaffe gegen den Kopf seiner Freundin und drückte ab, nachdem er die Spezialeinheit erblickte. Thomas Knecht, Leitender Arzt der Forensischen Psychiatrie am Psychiatrischen Zentrum Appenzell Ausserrhoden, ordnet den Fall ein.

Herr Knecht, wie konnte es so weit kommen?

Eine materialistisch-motivierte Geschichte wurde in Wallisellen zur Tragödie. Dass B.V. am Mittwoch mit einer geladenen Waffe im Auto unterwegs war, zeigt eine gewisse Erwartungshaltung des 38-Jährigen. Er war in einer zugespitzten Situation. Nachdem er sich mit der Entführung eines schweren Delikts schuldig gemacht hatte, musste er davon ausgehen, dass er von der Polizei gesucht wird. Bei der Intervention in Wallisellen sah er dann keinen Ausweg mehr. So könnte sich seine Motivationslage verändert haben, bei der er schliesslich nach Selbstzerstörung strebte.

Wie erklären Sie sich den tödlichen Schuss auf die Freundin?

Der 38-Jährige sah, als er von der Polizei eingekesselt wurde, keine Überlebenschance mehr. Mit einer Schussabgabe zwang er die Polizei gleichsam, auf ihn zu schiessen. Weshalb er sich dazu entschied, seine Freundin zu erschiessen, dafür gibt es mehrere mögliche Erklärungen. Es gibt Menschen, die schlicht in solchen Situationen nicht alleine sterben wollen. Sie wollen mit ihrer Partnerin oder ihrem Partner im Tod vereint sein. Das könnte hier der Fall gewesen sein. Es stellt sich jedoch sehr die Frage, ob B.S. «freiwillig» mit in den Tod gerissen wurde.

Wie schätzen Sie den 38-Jährigen ein?

Die verschiedenen Handlungen von B.V. zeugen von einer gewissen Radikalität im Denken des 38-Jährigen. Es ist davon auszugehen, dass er eine sogenannte «Survivor-Mentalität» hatte. Das sind Menschen, die glauben, dass sie gefährlich leben. Dass die Behörden sie nicht schützen, sondern dass diese eine Bedrohung darstellen. Sie wollen für sich selber sorgen und sind in Situationen, in denen es hart auf hart kommt, auch zu Gewalt bereit.

*Name der Redaktion bekannt

Bist du oder ist jemand, den du kennst, von sexualisierter, häuslicher, psychischer oder anderer Gewalt betroffen?

Hier findest du Hilfe:

Polizei nach Kanton

Beratungsstellen der Opferhilfe Schweiz

Lilli.ch, Onlineberatung für Jugendliche

Frauenhäuser in der Schweiz und Liechtenstein

Zwüschehalt, Schutzhäuser für Männer

LGBT+ Helpline, Tel. 0800 133 133

Alter ohne Gewalt, Tel. 0848 00 13 13

Dargebotene Hand, Sorgen-Hotline, Tel. 143

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

Beratungsstellen für gewaltausübende Personen

Trauerst du oder trauert jemand, den du kennst?

Hier findest du Hilfe:

Dargebotene Hand, Sorgen-Hotline, Tel. 143

Seelsorge.net, Angebot der reformierten und katholischen Kirchen

Muslimische Seelsorge, Tel. 043 205 21 29

Jüdische Fürsorge, info@vsjf.ch

Lifewith.ch, für betroffene Geschwister

Verein Regenbogen Schweiz, Hilfe für trauernde Familien

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

Pro Senectute, Beratung älterer Menschen in schwierigen Lebenssituationen

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