Stéphane Lambiel greift nach drittem WM-Titel
Aktualisiert

Stéphane Lambiel greift nach drittem WM-Titel

«Ich erwarte etwas von mir». Der WM-Dritte Stéphane Lambiel will in Göteborg seine dritte WM-Goldmedaille gewinnen. Seine Zuversicht ist gross.

Früher hatte Lambiel selten konkrete Angaben gemacht, wenn er auf seine Ziele angesprochen worden war, sondern davon geredet, seine bestmögliche Leistung abrufen zu wollen. Seit dieser Saison ist dies anders. Der bald 23-jährige Unterwalliser strebt explizit den dritten WM-Titel nach 2005 und 2006 an.

Mit seinen Kontrahenten hält er es allerdings immer noch gleich: Sie interessieren ihn nicht wirklich. Er schaut nur auf sich. «Ich erwarte nichts von meinen Gegnern, ich erwarte etwas von mir». Diese Aussage ist Sinnbild für Lambiels Denkweise. Auch die 264,41 Punkte von Daisuke Takahashi an den Vier-Kontinente-Meisterschaften von Mitte Februar - das sind 6,08 mehr als der bisherige Rekord des russischen Olympiasiegers Jewgeni Pluschenko - beeindrucken ihn nicht sonderlich, zumindest gegen aussen hin. Das habe ihn nicht geschockt. In Asien gebe es oft höhere Punktzahlen, sagte Lambiel, der eine Bestleistung von 239,10 aufweist.

«Interessanter Wettkampf»

Dass es hart wird, dessen ist sich der Olympia-Zweite natürlich bewusst. «Es wird ein sehr interessanter Wettkampf», meinte Lambiel mit Blick auf das morgige Kurzprogramm und die Kür vom Samstag. Fünf Läufer könnten die Goldmedaille gewinnen. Doch der achtfache Schweizer Meister liebt nicht nur Herausforderungen, er braucht sie sogar, weil er an ihnen wächst. Zudem ist er ein Frühlingsläufer, was er damit in Zusammenhang bringt, dass er den November hasst. Fakt ist jedenfalls: Zwei WM-Goldmedaillen steht noch kein EM-Titel gegenüber; die kontinentalen Titelkämpfe finden jeweils im Januar statt...

Lambiels grösster Herausforderer dürfte der WM-Zweite Takahashi sein, der an der Vier-Kontinente-Meisterschaft eine beeindruckende Kür mit je zwei Dreifach-Axeln und Vierfach-Toeloops zeigte. Er verspüre keinen Druck, sagte der Japaner. Allerdings gab er zu, dass ihn Lambiel nervös mache. Im ersten Duell in dieser Saison, im Grand-Prix-Final in Turin, setzte sich der Schweizer um 0,16 Punkte durch.

Nicht ausser Acht gelassen werden darf der Titelverteidiger Brian Joubert, obwohl der Franzose in dieser Saison mit zahlreichen gesundheitlichen Problemen (Rücken, Virus, Herzrhythmus-Störungen, Bluthochdruck) kämpft(e). An der EM, die er als Ditter beendete, war er sichtlich geschwächt. Er habe die Form wieder gefunden, sei aber Aussenseiter, stapelte Joubert tief. Europameister Tomas Verner (Tsch) ist ebenfalls ein Kandidat für die vorderen Plätze wie auch Jeffrey Buttle (Ka) und Johnny Weir (USA).

Zum letzten Mal den Flamenco

Lambiel wird in Göteborg letztmals seine Flamenco-Kür präsentieren, die als Meisterwerk bezeichnet werden darf. «Sie ist schon ohne Sprünge und Pirouetten schwer», erklärte Trainer Peter Grütter. Lambiel hat enormes Herzblut in dieses Programm gesteckt, hat sich gar mehrmals vor Ort in Madrid inspirieren lassen.

Fehlerfrei ist Lambiel die Kür bislang nur in den Trainings geglückt. Dies bei der letzten Möglichkeit zu ändern, ist ihm ein echtes Bedürfnis. Deshalb ist er das Programm in den Übungseinheiten viele Male durchgelaufen. Zudem absolvierte er ausserhalb der Eisfläche Training für die Beine (Explosivität, Sprungkraft), damit die Kraft bis zum Schluss reicht und er mehr Spielraum bei den Sprüngen hat.

«Ich habe alles getan, um an der WM so gut wie möglich bereit zu sein», sagte Lambiel. Die EM in Zagreb, die er als Zweiter hinter Verner beendet hatte, machte ihm bewusst, dass er noch mehr arbeiten muss, um zu gewinnen. Beim Dreifach-Axel ist er allerdings nach wie vor «verwundbar» (Lambiel). Dafür hat er beim Vierfach- Toeloop, der ihm dieser Saison ebenfalls viele Probleme bereitet hatte, mehr Selbstvertrauen.

In seinen Programmen nahm Lambiel gegenüber der EM lediglich eine kleine Änderung bei der Kombinationspirouette im ersten Wettkampfteil vor. Dafür wechselte er kurzfristig die Schlittschuhe, was für ihn aber kein Problem ist. Allerdings musste er die Kufen in Göteborg zweimal schleifen lassen, weil er in den Trainings die Kanten nicht spürte. Dies hatte auch mit dem brüchigen Eis zu tun.

(si)

Deine Meinung