Bundesgericht: Sterbehelfer Baumann verurteilt
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BundesgerichtSterbehelfer Baumann verurteilt

Der Zürcher Psychiater Peter Baumann ist für seine Suizidhilfe bei einem psychisch kranken Mann zu Recht wegen vorsätzlicher Tötung zu vier Jahren Freiheitsstrafe verurteilt worden. Das Bundesgericht hat den Schuldspruch des Basler Appellationsgerichts bestätigt.

Baumann hatte dem depressiven und zwangsneurotischen IV-Rentner am 20. April 2001 in dessen Basler Wohnung beim Selbstmord geholfen. In den Wochen zuvor hatten zwischen dem Zürcher Psychiater und dem 46-jährigen Mann ein zweistündiges Gespräch und insgesamt vier Telefonate von rund einer halben Stunde stattgefunden.

Beschwerden von Baumann und Staatsanwalt

Das Basler Appellationsgericht verurteilte den heute 74 Jahre alten Baumann im Oktober 2008 wegen vorsätzlicher Tötung zu vier Jahren Freiheitsstrafe, unter Anrechnung von 86 Tagen U-Haft. Das Gericht lastete ihm gestützt auf ein Gutachten von Professor Volker Dittmann an, dass der Depressive nicht urteilsfähig gewesen sei.

Das Bundesgericht hat die Beschwerden von Baumann und der Staatsanwaltschaft nun abgewiesen. Er hatte für sich einen Freispruch verlangt. Die Richter in Lausanne teilen in ihrem Urteil die Ansicht des Appellationsgerichts, dass es Baumann letztlich gleichgültig war, ob der Getötete urteilsfähig war oder nicht.

Suizidwunsch als Symptom der Krankheit

Als Psychiater habe Baumann bekannt sein müssen, dass in Bezug auf den Suizidwunsch von psychisch kranken Menschen die Frage der Urteilsfähigkeit besonders schwer zu beantworten und nur mit grosser Zurückhaltung zu bejahen sei. Die Absicht zur Selbsttötung sei in diesen Fällen oft gerade Symptom der Krankheit.

Baumann habe sich indessen bewusst damit zufrieden gegeben, dass der Sterbewunsch des Mannes «menschlich einfühlbar» und «verständlich» sei. Das habe jedoch nichts damit zu tun, ob jemand bezüglich seiner Suizidabsicht urteilsfähig sei.

Minimalstrafe unterschritten

Zurückgewiesen hat das Gericht weiter Baumanns Einwand, dass Gutachter Dittmann befangen gewesen sein könnte. Laut dem Urteil kann ausgeschlossen werden, dass sich der renommierte und erfahrene Gutachter von seiner sehr kritischen Haltung gegenüber der Sterbehilfeorganisation Exit beeinflussen liess.

Die Staatsanwaltschaft hatte erfolgslos eine strengere Strafe gefordert. Gemäss Bundesgericht ist zwar zweifelhaft, ob die für vorsätzliche Tötung vorgesehene Minimalstrafe von fünf Jahren Freiheitsentzug unterschritten werden durfte, weil sich Baumann seit der über sieben Jahre zurückliegenden Tat wohlverhalten hat.

Freispruch in anderem Fall

Gemäss dem höchstrichterlichen Urteil wären indessen bis zu einem neuen Entscheid des Appellationsgericht bei einer Zurückweisung die zeitlichen Voraussetzungen für die Strafmilderung auf jeden Fall erfüllt, so dass sich am Ergebnis nichts ändern würde.

Das Basler Strafgericht hatte Baumann 2007 erstinstanzlich in einem anderen Fall noch wegen Verleitung und Beihilfe zum Selbstmord verurteilt. Diesen Schuldspruch hob das Appellationsgericht auf, sprach ihn aber beim depressiven Mann der vorsätzlichen anstatt der fahrlässigen Tötung schuldig und erhöhte die Strafe um ein Jahr.

Der früher für Exit tätige Baumann hatte für die Selbsttötung des Mannes in einem Supermarkt Lachgas für Rahmbläser besorgt, das er in einem Plastiksack füllte. Das Sterben des Mannes zeichnete er auf Video auf. Baumann hatte sich zuvor in den Medien mehrfach für Suizidhilfe auch an psychisch Kranken ausgesprochen. ( (sda)

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