Aktualisiert 04.10.2013 14:37

Für Exit

Sterbehilfe für Minderjährige kein Tabu

Belgien will Sterbehilfe für Minderjährige erlauben. Die Schweizer Sterbehilfeorganisation Exit kann sich dies auch in der Schweiz vorstellen.

von
hal

In Belgien scheinen die Meinungen gemacht: Rund drei Viertel der Befragten haben sich in einer am Mittwoch veröffentlichten Umfrage dafür ausgesprochen, dass Ärzte das Leben von Minderjährigen auf Wunsch beenden dürfen. Über diese Gesetzesrevision wird seit bald einem Jahr debattiert.

Auch in der Schweiz ist Sterbehilfe für Kinder und Teenager kein Tabu – zumindest nicht für Jérôme Sobel. «Das schockiert mich nicht», sagt der Präsident der Sterbehilfeorganisation Exit in der Romandie zu «Le Matin». Er kann sich Sterbehilfe für Minderjährige unter bestimmten Umständen vorstellen.

«Stellen Sie sich einen Jugendlichen im Alter von 16 bis 17 Jahren vor, dem Krebs im Endstadium diagnostiziert worden ist. Wenn er voll urteilsfähig, seine Forderung wiederholt und mit seinen Eltern einig ist – dann scheint es mir, dass diese Forderung gerechtfertigt sein kann.» Bisher habe Exit aber keine Anfrage für Minderjährige erhalten.

Rechtlich eine Grauzone

Theoretisch wäre die Sterbehilfe für Minderjährige in der Schweiz erlaubt. Das Strafgesetzbuch verbietet es wenigstens nicht ausdrücklich. Noch will sich Exit aber nicht intensiv damit beschäftigen: Zuerst müsse das Gesetz dahin gehend geändert werden, dass auch aktive Sterbehilfe ermöglicht wird.

Heute muss ein Sterbewilliger das Medikament, das den Tod herbeiführt, selbst einnehmen. In Belgien kann auch ein Arzt eine tödliche Injektion verabreichen. Erst wenn dies in der Schweiz erlaubt ist, kann laut Sobel auch über Sterbehilfe für Minderjährige debattiert werden.

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