Aktualisiert 11.11.2004 18:07

Sterbehilfe jetzt wieder für psychisch Kranke

Die Sterbehilfeorganisation EXIT lehnt nach einem fünfjährigen Unterbruch die Begleitung von psychisch kranken Menschen in den Tod nicht mehr explizit ab.

Voraussetzung ist allerdings die Urteilsfähigkeit der Betroffenen. Dazu soll gegebenenfalls auch ein psychiatrisches Gutachten eingeholt werden.

Die mit rund 50.000 Mitgliedern grösste Sterbe- und Freitodhilfe-Organisation der Schweiz hatte 1999 ein Moratorium für Freitodhilfe bei Menschen mit psychischen Störungen beschlossen, nachdem sie negativ in die Schlagzeilen geraten war. EXIT-intern geriet dieses Moratorium aber in den vergangenen Jahren immer stärker in die Kritik, wie EXIT am Donnerstag mitteilte. Durch das Moratorium werde psychisch kranken Menschen prinzipiell die Urteilsfähigkeit abgesprochen, was nicht nur im Widerspruch stehe zur Realität, sondern in der Konsequenz auf eine nicht haltbare Diskriminierung psychisch Kranker hinauslaufe.

Aus diesem Grund hatte die Sterbehilfeorganisation ein wissenschaftliches Gutachten in Auftrag gegeben. Dieses kommt zum Schluss, dass bei Menschen mit psychischen Störungen der Suizidwunsch zwar meistens in einem kausalen Zusammenhang mit ihrer psychischen Krankheit steht, was einen begleiteten Suizid ausschliesst. Daneben könne es aber durchaus Fälle geben, wo der Wunsch eines psychisch Kranken, aus dem Leben zu scheiden, als Willensentscheidung eines urteilsfähigen Menschen zu qualifizieren und deshalb zu respektieren sei. Der EXIT-Vorstand hat deshalb am Mittwoch beschlossen, das Moratorium insofern zu lockern, als Gesuche von psychisch Kranken in Zukunft nicht mehr generell abgewiesen werden. Wenn die Voraussetzungen für einen begleiteten Suizid erfüllt seien und die Urteilsfähigkeit glaubhaft geltend gemacht werde, soll ein Gesuch in Zukunft sorgfältig und gegebenenfalls mit einem ppsychiatrischen Gutachten geprüft werden. Wenn die Frage nach der Urteilsfähigkeit in Bezug auf den Todeswunsch nicht eindeutig positiv zu beantworten sei, werde EXIT aber psychisch Kranke auch in Zukunft nicht begleiten. (dapd)

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.