Kanton Baselland: Sterbehilfe soll in Spitälern möglich werden
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Kanton BasellandSterbehilfe soll in Spitälern möglich werden

Die Baselbieter Regierung möchte Spitäler und Pflegeheime zur Kooperation mit Sterbehilfe-Organisationen verpflichten. Das wäre ein Novum in der Deutschschweiz.

von
lha
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Das Schlafmittel Pentobarbital wird von Sterbewilligen eingenommen. Hier aufgenommen bei der Sterbehilforganisation Exit in Zürich.

Das Schlafmittel Pentobarbital wird von Sterbewilligen eingenommen. Hier aufgenommen bei der Sterbehilforganisation Exit in Zürich.

Keystone/Alessandro Della Bella
Der begleitete Freitod findet ärztlich überwacht in einem Sterbezimmer statt.

Der begleitete Freitod findet ärztlich überwacht in einem Sterbezimmer statt.

Keystone
Die Türglocke der Sterbehilfeorganisation Dignitas. Die Organisation begleitet auch Sterbewillige aus dem Ausland. Die liberale Gesetzgebung in der Schweiz hat zu einem eigentlichen Sterbehilfe-Tourismus geführt.

Die Türglocke der Sterbehilfeorganisation Dignitas. Die Organisation begleitet auch Sterbewillige aus dem Ausland. Die liberale Gesetzgebung in der Schweiz hat zu einem eigentlichen Sterbehilfe-Tourismus geführt.

Keystone/Gaetan Bally

Fast überall in der Schweiz sind Spitäler eine Tabuzone für Sterbehilfeorganisationen. Nur in den Westschweizer Kantonen Neuenburg, Genf und Waadt sind Spitäler und Altersheime unter bestimmten Voraussetzungen verpflichtet, Exit und Co. Zutritt zu gewähren.

Bald könnte auch Baselland als erster Deutschschweizer Kanton diese Praxis übernehmen. Wie die «BZ Basel» am Dienstag berichtete, arbeitet die Baselbieter Sicherheitsdirektion zurzeit an einer entsprechenden Vorlage. Anstoss hatte eine Motion von Hans-Urs Spiess (SVP) im Kantonsparlament gegeben. Diese verlangte, dass die gesetzlichen Grundlagen dafür geschaffen werden, dass die Sterbehilfeorganisationen an den Kosten der vorgeschriebenen strafrechtlichen Untersuchungen eines Falles beteiligt werden.

Recherchen der Zeitung zeigen nun, dass die Regierung dies zum Anlass für eine gemäss Direktionssprecher Adrian Baumgartner «ganzheitliche» Betrachtung nimmt. Dies ist auch im Sinne des Motionärs. «Ich wäre der erste, der die Lösung Waadt begrüssen würde», lässt er sich zitieren.

Suizidhilfe ist in Spitälern noch ein ethisches Tabu

Das Anliegen dürfte politisch breite Unterstützung geniessen. Klaus Kirchmayr, Fraktionschef der Grünen/EVP, äusserte sich auf Nachfrage der «BZ Basel» positiv. Auf wenig Begeisterung stösst das Ansinnen allerdings bei den Spitälern selbst. Das Kantonsspital Baselland verweist in einer Stellungnahme auf seine interne Ethik-Richtlinie, die grundsätzliche keinen assistierten Suizid im Spital zulässt. Gleiches gilt auch am Basler Universitätsspital.

Bei Alters- und Pflegeheimen wäre eine gesetzliche Verpflichtung zur Kooperation mit Sterbehilfeorganisationen kein Paradigmenwechsel mehr. Bereits heute gewähren in Basel-Stadt zwei Drittel der Institutionen Sterbehilfeorganisationen Zugang. Im Baselbiet besteht noch keine einheitliche Regelung.

Palliative Care als Antwort

Die Frage nach der Ethik ist auch bei Brigitte Müller-Kaderli, Präsidentin der CVP Basel-Landschaft, ein wichtiges Thema. «Jeder hat am Ende das Recht, den Weg zu seinem würdevollen Tod selber zu wählen. Dennoch finde ich es persönlich fraglich, dass wir unser Leben auch noch bis in den Tod bestimmen wollen.»

Aus diesem Grund will sie, dass der Bereich der Palliative Care ausgebaut wird: «Wenn Sterbehilfeorganisationen in Alters- und Pflegeheimen zugelassen würden, würde meiner Meinung nach der Graben zwischen den heutigen Technologien zur Lebensverlängerung und dem assistierten Freitod riesig.» Die Mitte würde hier die Palliative Care bilden, denn diese verschaffe kranken Menschen symptomlindernd Lebensqualität und begleite sie würdevoll in den natürlichen Tod.

Die Frage nach der Finanzierung führt zusätzlich zu Diskussionen: «Die Kosten für einen assistierten Freitod werden vom Steuerzahler bezahlt, was die Frage aufwirft, ob unser Kanton einen Sterbetourismus finanzieren will», so Müller-Kaderli. Gemäss einer Studie belaufen sich diese Kosten pro assistierten Freitod ungefähr auf 5000 Franken.

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