Sterbehilfe soll verstaatlicht werden
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Sterbehilfe soll verstaatlicht werden

Die Sterbehilfeorganisationen sollten unter staatliche Aufsicht gestellt und auf die Einhaltung von Sorgfaltskriterien verpflichtet werden. Dies fordert die Nationale Ethikkommission.

Die NEK hat am Freitag in Bern Empfehlungen zur Regelung der Beihilfe zum Suizid vorgelegt. Sie stellt dabei den Artikel 115 des Strafgesetzbuches nicht in Frage, der Beihilfe zum Suizid erlaubt, sofern keine eigennützigen Motive vorliegen.

Die Selbstbestimmung des urteilfähigen Patienten muss nach Meinung der NEK so weit wie möglich respektiert sein, speziell in Altersheimen, die zum Wohn- und Lebensort der Patienten geworden sind. Spitäler und Heime sollen frei sein, Suizidbeihilfe zuzulassen, müssen ihren Entscheid aber dem Patienten erklären.

Wenn der Suizidwunsch Ausdruck oder Symptom einer psychischen Krankheit ist, soll keine Suizidbeihilfe geleistet werden dürfen. Sie soll ebenso untersagt sein, wenn der Suizidwunsch durch gesellschaftlichen Druck zu Stande gekommen ist.

Lebenshilfe und Selbstbestimmung

Für die ethische Diskussion der Suizidbeihilfe hebt die NEK zwei gesellschaftliche Grundwerte hervor, die zwei Pole bilden: einerseits die Fürsorge für suizidgefährdete Menschen im Sinne der «Hilfe zum Leben», anderseits den Respekt vor der Selbstbestimmung eines Menschen, der zum Suizid entschlossen ist.

Ein Hauptanliegen der NEK ist die Forderung, dass eine Entscheidung zur Suizidbeihilfe an der Person orientiert sein muss und nie zur Routine oder zu einer Handlung nach «Checkliste» werden darf. Bei den Sterbehilfeorganisationen sieht die NEK deshalb gesetzgeberischen Handlungsbedarf.

Grund dafür ist, dass diese Organisationen ihr Angebot an fremde Menschen richten, zu denen keine nahen Beziehungen bestehen. Das Recht soll hier die Aufgabe übernehmen, auch dem Pol «Hilfe zum Leben» Geltung zu verschaffen.

Empfehlungen im Konsens

Die Stellungnahme ist das Ergebnis einer mehrjährigen intensiven Kommissionsarbeit, bei der weit auseinander liegende Standpunkt zusammengeführt werden konnten. Die Empfehlungen im 80-seitigen NEK-Bericht werden im Konsens mitgetragen.

Die unabhängige NEK hat ein beratendes Mandat und ist interdisziplinär und gesellschaftsübergreifend als Fachkommission zusammengestellt: 23 Fachleute aus verschiedenen Sparten, davon je ein Drittel aus den Bereichen Ethik und Medizin und ein weiteres Drittel aus zugewandten Bereichen.

Die NEK hat die Aufgabe, ethische Fragen in der Entwicklung der Medizin und der biomedizinischen Wissenschaften vorausschauend zu identifizieren und zu ihnen richtungsweisend Stellung zu nehmen. Sie kann vom Bundesrat, vom Parlament und von den Kantonen um Beratung ersucht werden oder selbständig Themen aufgreifen.

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