Sterben für die Kunst
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Sterben für die Kunst

Der deutsche Künstler Gregor Schneider plant, einen sterbenden Menschen im Museum auszustellen. Eine Pathologin sei bereits auf der Suche nach einem passenden Ausstellungsobjekt. Für einmal ist ganz Deutschland empört – sogar die Kunstwelt.

Das Branchenmagazin «The Art Newspaper» meldet in seiner aktuellen Online-Ausgabe, der Mönchengladbacher Künstler Gregor Schneider plane eine «ultimative Performance», in der ein sterbender Mensch Teil einer Ausstellung werden solle. «Mein Ziel ist es, die Schönheit des Todes zu zeigen», wird Schneider zitiert. Dabei soll ihm die Pathologin Roswitha Franziska Vandieken, die in Düsseldorf eine Privatklinik betreibt, bei der Rekrutierung Freiwilliger helfen.

Doch der Plan des Künstlers stösst in allen Lagern auf Entsetzen. Nicht nur Publikum und Politiker betiteln die Aktion als «würdelos und unausgegoren» - es stellen sich zum ersten Mal auch Exponenten der Kunstwelt dagegen: Martin Hentschel, Direktor der Krefelder Kunstmuseen, hält die Idee für abwegig, wie die «Rheinische Post» schreibt. «Ein solches Forum herzustellen, ist in meinen Augen blosses Spektakel und hat mit Kunst wenig zu tun», behauptet der Mann, der normalerweise die Freiheit der Kunst verteidigt.

Auch auf politischer Ebene lehnt man die Aktion ab: Politiker aus grünen wie aus FDP-Reihen werfen dem Künstler Geschmacklosigkeit vor: «Für mich ist schwer vorstellbar, dass sich Menschen in eine Zoosituation begeben, um sich das anzusehen. Wo bleibt die Würde des Sterbenden?», fragt sich Sylvia Löhrmann, Fraktionschefin der Grünen im Landtag Nordrhein-Westfalens.

Sollte das Museum für Schneiders Ausstellung nicht zur Verfügung stehen, würde der Künstler sein eigenes Haus benutzen. Das Haus mit dem Namen «Totes Haus ur» hat der Künstler in jahrzehntelanger Arbeit zu einer Festung voller Fallen, Höhlen und schalldichter Räume umgebaut.

Schneider auch in der Schweiz

Zurzeit bietet das Museum Franz Gertsch in Burgdorf einen Überblick über das Schaffen des deutschen Künstlers. Die Ausstellung mit dem Titel «Doublings» (Verdoppelungen) besteht aus zwei komplett abgedunkelten Ausstellungsräumen, in denen sich jeweils drei eingebaute Räume befinden, eine Doppelgarage und zwei Kinderzimmer, wovon aber nur eines begehbar ist. Das andere lässt sich nur durch einen Spiegel betrachten.

Schneider stellte bereits 1996 in der Schweiz aus, und zwar in der Berner Kunsthalle. Für Aufsehen sorgte er 2006 mit einer Kubus-Installation vor der Hamburger Kunsthalle, die an die muslimische Kaaba in Mekka erinnerte. Das Projekt war zuvor in Venedig und Berlin wegen politischer Bedenken abgelehnt worden.

kle

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