05.06.2014 15:49

Mordverdacht

Sterne-Tattoos sollen Football-Star überführen

Football-Star Aaron Hernandez sitzt wegen Mordverdachts in U-Haft. Die Ermittler hoffen, ihn anhand seiner tätowierten Sterne überführen zu können. Das wird nicht ganz einfach.

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Aaron Hernandez, ehemaliger Star der New England Patriots in der Profi-Footballliga NFL, sitzt seit Monaten in Untersuchungshaft. Der Sportler wird beschuldigt, im Juni vergangenen Jahres seinen Kollegen, den Football-Halbprofi Odin Lloyd in North Attleborough, Massachusetts, ermordet zu haben.

Hernandez gilt seit Mitte Mai zudem als Hauptverdächtiger in zwei weiteren Mordfällen: In der Nacht des 16. Juli 2012 soll er in Boston zwei Männer, Daniel de Abreu und Safiro Furtado, erschossen haben. Ein dritter Mann wurde während der Schiesserei verletzt. Ausserdem läuft gegen Hernandez ein weiterer Prozess: Ein ehemaliger Geschäftspartner gibt an, vom Football-Star ins Auge geschossen worden zu sein.

Ein Stern, ein Mord

Hernandez beteuerte in allen Fällen seine Unschuld. Das nimmt ihm die Staatsanwaltschaft nicht ab. Vielmehr hofft sie nun, den ehemaligen Profisportler doch noch überführen zu können – anhand der Tattoos, die Hernandez an beiden Armen und am Oberkörper trägt.

Die Ermittler interessieren vor allem die fünf Sterne, die der 24-Jährige am rechten Unterarm trägt. «In gewissen Kreisen steht ein Stern für einen Mord», sagt Kevin Waters, Professor für Kriminalistik an der Northern Michigan Universität gegenüber NBC News.

Tätowierer brechen ihren Code nicht

Die Anklage will deshalb die Tätowierer, die Hernandez stachen, als Zeugen vernehmen. Sie hoffen, dass Hernandez ihnen etwas zur Bedeutung der von ihm gewünschten Tätowierungen verraten haben könnte. Ob diese aber Kundengeheimnisse verraten werden, ist fraglich. Wie Joe Capobianco, ein Tattoo-Künstler aus New Haven, Connecticut, der Nachrichtenagentur AP erklärt, gibt es in der Tattoo-Szene ein ungeschriebenes Gesetz, wonach die Geschichten hinter den gestochenen Motiven niemals an Dritte weitergegeben werden.

«Die Storys, die mir erzählt werden, bleiben geheim. Das ist auch so, wenn ein Polizist sich ein bestimmtes Tattoo stechen lässt», erklärt Tattoo-Künstler Capobianco. Ein anderer bestätigt: «Der Kunde vertraut sich seinem Tätowierer in dem Moment an.»

Die Sterne auf Hernandez' Arm müssten nicht unbedingt auf Morde hindeuten, geben die Tätowierer zu bedenken. Die Sterne könnten auch eine rein dekorative Funktion haben.

Drei Gangster mit Tattoos vor Gericht

Es wäre nicht das erste Mal, dass ein Tattoo einem Tatverdächtigen zum Verhängnis wird. Bekannt ist vor allem der Fall rund um Anthony Garcia: Das Mitglied der kalifornischen Gang «Pico Rivera» hatte sich einen Mord vor einem Getränke-Shop aus dem Jahr 2004 auf den Oberkörper einritzen lassen. Darüber stand der Slogan «Rivera Kills». Nachdem der Fall lange ungelöst blieb, brachte ein Polizist im Jahr 2011 die ungewöhnliche Tätowierung mit dem Mord an einem 23-jährigen Gangmitglied in Verbindung. Garcia wurde daraufhin zu 50 Jahren Haft verurteilt.

Dass Tattoos für Morde stehen können, zeigt sich auch bei Gangmitglied William Clyde Gibson. Er hatte sich «Death Row X 3» («Todestrakt X3») auf den Schädel stechen lassen. Ein Richter ordnete an, dass der verurteilte Mörder sich die Haare wachsen lassen muss, damit er auf diese Weise nicht mehr länger mit seinen Taten prahlen konnte.

Und der wegen Mordes angeklagte Jeffrey Chapman wurde von seinem Anwalt angewiesen, bei der Gerichtsverhandlung einen Rollkragenpullover zu tragen. Auf dem Hals des Mannes steht das Wort «Murder» (Mord) geschrieben. Das könnte die Geschworenen in ihrem Urteil beeinflussen, befürchtet die Verteidigung.

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