«‹Arena› setzt auf Polemik»: «Sternstunde»-Moderatorin sorgt bei SRF für Burka-Streit
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«Arena setzt auf Polemik»«Sternstunde»-Moderatorin sorgt bei SRF für Burka-Streit

SRF-Moderatorin Amira Hafner-Al Jabaji lässt kein gutes Haar an der «Arena» zum Verhüllungsverbot. Sie attackiert ihren Arbeitgeber und Aktivistin Saïda Keller-Messahli.

von
Pascal Michel
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Auf ihrem Blog schrieb Amira Hafner-Al Jabaji, Saïda Keller-Messahli sei «ausser Kontrolle».

Auf ihrem Blog schrieb Amira Hafner-Al Jabaji, Saïda Keller-Messahli sei «ausser Kontrolle».

SRF / OSCAR ALESSIO
Diese setzte sich in der «Arena» vehement für das Verhüllungsverbot ein.

Diese setzte sich in der «Arena» vehement für das Verhüllungsverbot ein.

SRF
Dabei ging sie mit den Diskutanten nicht zimperlich um. Sie sagt, das sei ihr Temperament.

Dabei ging sie mit den Diskutanten nicht zimperlich um. Sie sagt, das sei ihr Temperament.

SRF

Darum gehts

  • Am Freitag vor einer Woche diskutierten in der SRF-«Arena» Politiker und Muslime das Verhüllungsverbot.

  • Darunter auch Aktivistin Saïda Keller-Messahli.

  • Eine SRF-Moderatorin kritisiert nun deren Auftritt und wirft den «Arena»-Machern Polemik vor.

  • Sie stört sich daran, dass durch die Gästeauswahl moderate Stimmen abgeschreckt werden.

  • Keller-Messahli hat nun bei SRF interveniert.

Amira Hafner-Al Jabaji ist Islamwissenschaftlerin und Moderatorin der SRF-Sendung «Sternstunde Religion». Als Präsidentin des Vereins «Interreligiöser Think-Tank» setzt sie sich für ein Nein zum Verhüllungsverbot am 7. März ein.

Dabei schiesst sie nun scharf gegen ihren eigenen Arbeitgeber, der die Argumente der verschiedenen Parteien in der letzten SRF-Arena beleuchtete. In ihrem Blog rechnet Hafner-Al Jabaji mit der Sendung, der Gästeauswahl sowie insbesondere mit Saïda Keller-Messahli ab.

«Extremistische Muslimin»

Für die Moderatorin der «Sternstunden» zeigte der Auftritt Keller-Messahlis, die sich vehement für ein Verhüllungsverbot einsetzt, dass diese eine «extremistische Muslimin» sei und sich zunehmend radikalisiert habe.

Hafner-Al Jabaji wirft Keller-Messahli vor, Hasstiraden, pauschale Behauptungen und unbelegte Äusserungen von sich zu geben. «Sie scheint nicht willens, einen kultivierten Austausch sachlicher Argumente in anständiger Tonalität zu führen.» Die Moderatorin bezeichnet die Präsidentin des Vereins für einen fortschrittlichen Islam deshalb als «ausser Kontrolle geratener Bulldozer, der alles platt walzt, was sich ihr argumentativ in den Weg stellt.»

In der Verantwortung, für die aus ihrer Sicht «unkultivierte Debatte», sieht Hafner-Al Jabaji auch das SRF. «Ihre Ideologie verbreitet Keller-Messahli mit Hilfe grosser Schweizer Medienhäuser. SRF lädt wiederholt die extremistische Muslimin ein.»

Arena setze auf Polemik

Sie wirft der «Arena» weiter vor: «Bei der Arena setzt man auf Polemik und nimmt in Kauf, dass zahlreiche muslimische RepräsentantInnen und Akteure, die sich teils seit Jahrzehnten in der interreligiösen Verständigung engagieren und zudem eine äusserst differenzierte Sicht auf die Verhüllungsfrage haben, ihre Teilnahme absagten.»

Saïda Keller-Messahli hat sich wegen dieser Brandrede nun bei SRF beschwert. Auf Anfrage sagt sie, sie habe auf ihren Auftritt viele positive Reaktionen, auch von weltoffenen Muslimen, erhalten. Sie sei manchmal etwas laut und ungeduldig, das entspreche ihrem Temperament.

«Inakzeptabel und strohdumm»

«Schliesslich hatte ich es mit vier Gegnern des Verhüllungsverbots zu tun. Das kann man mir nicht zum Vorwurf machen. Was soll extremistisch daran sein?» Sie ihrerseits unterstellt Amira Hafner-Al Jabaji «Bösartigkeit»: Es gehe ihr darum, dem politischen Islam der Islamverbände zum Durchbruch zu verhelfen.

Dass sich eine Moderatorin des öffentlich-rechtlichen Fernsehens politisch äussert und die Sendung aus dem eigenen Haus angreift, versteht Keller-Messahli nicht. «Das ist inakzeptabel, strohdumm und schadet der Glaubwürdigkeit von SRF.»

Das sagt SRF

Franziska Egli, Redaktionsleiterin der «Arena», kontert auf Anfrage die Vorwürfe aus dem eigenen Haus. «Frau Keller-Messahli war als Mitglied der überparteilichen Gruppe Frauenrechte ja›, die sich für die Vorlage einsetzt, eingeladen. Auf der Gegenseite kamen selbstverständlich auch andere, konträre muslimische Stimmen zu Wort.»

So seien neben Frau Keller-Messahli als Befürworterin der Vorlage auch Farhad Afshar, der Präsident der Koordinationsstelle Islamischer Organisationen Schweiz KIOS und Fathima Ifthikar als Gegner der Vorlage im Studio gewesen. «Die Redaktion hatte im Vorfeld der Sendung mit zahlreichen muslimischen Exponentinnen und Exponenten sowie Organisationen ausführlich Kontakt.»

Zur öffentlichen Schelte von Moderatorin Hafner-Al Jabaji sagt Judith Hardegger, Redaktionsleiterin der «Sternstunden»: «Gemäss publizistischen Richtlinien von SRF sind Mitarbeitende tatsächlich dazu angehalten, sich mit Äusserungen zu gewissen Themen zurückzuhalten. Dass sich Mitarbeitende aus persönlicher Betroffenheit auch mal pointiert äussern, ist verständlich. Trotzdem müssen sie darauf achten, dass ihre Glaubwürdigkeit als unabhängige Journalistinnen und Journalisten nicht kompromittiert wird.»

Im aktuellen Fall sei die Glaubwürdigkeit zwar nicht kompromittiert worden, sagt Hardegger. Aber: «Selbstverständlich sensibilisiert SRF alle Mitarbeitenden auf mögliche öffentliche Wirkungen von persönlichen Äusserungen.»

Amira Hafner-Al Jabaji war für 20 Minuten nicht zu erreichen.

Das gilt für SRF-Mitarbeitende

In den «Publizistischen Leitlinien der SRG» heisst es: «Programmmitarbeitende geben auch im Internet keine Stellungnahmen zu politischen und wirtschaftlichen Themen ab.» Wenn SRF-Mitarbeitende ihre Arbeit, das Unternehmen oder das Programm auf privaten Websites oder in sozialen Netzwerken explizit zum Thema machen wollen, müssen sie laut den Leitlinien dies in jedem Fall mit den Vorgesetzten absprechen. Weiters müssen die Mitarbeitenden darauf achten, mit ihren Online-Beiträgen ihre Glaubwürdigkeit als SRF-Journalistinnen oder -Journalisten nicht zu beeinträchtigen. «Private Postings dürfen dem Ansehen von SRF keinen Schaden zufügen und sollen Mindestanforderungen an Stil und Geschmack erfüllen.»

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