Unvollständige Selbstanzeige?: Steuer-Razzia bei Alice Schwarzer
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Unvollständige Selbstanzeige?Steuer-Razzia bei Alice Schwarzer

Alice Schwarzer hat womöglich mehr Steuern hinterzogen als bisher angenommen. Sollte sich dieser Verdacht bestätigen, wäre ihre Selbstanzeige unwirksam. Ein Strafverfahren droht.

von
ame
Noch nicht aus dem Schneider: Die Staatsanwaltschaft durchsuchte im Mai die Wohnung von Alice Schwarzer.

Noch nicht aus dem Schneider: Die Staatsanwaltschaft durchsuchte im Mai die Wohnung von Alice Schwarzer.

Die deutsche Frauenrechtlerin Alice Schwarzer befindet sich trotz ihrer Selbstanzeige weiter im Visier des Fiskus. Wie «focus.de» berichtet, durchsuchten Beamte der Staatsanwaltschaft Köln am 20. Mai die Wohnung der 71-Jährigen. Die Ermittler gingen dabei dem Verdacht der Steuerhinterziehung nach, der beim Finanzamt Gummersbach nach Überprüfung von Schwarzers Steuererklärung entstanden war. So soll die Feministin dem Staat Steuern in sechsstelliger Höhe aus selbständiger Arbeit vorenthalten haben, wie «spiegel.de» schreibt.

Laut Justizkreisen geht die Kölner Staatsanwaltschaft deshalb von einer «unvollständigen Selbstanzeige» aus. Sollte sich dieser Verdacht erhärten, wäre die Selbstanzeige wie im Fall Hoeness wirkungslos und Schwarzer müsste mit einem Strafverfahren rechnen. Ein solches droht dabei für alle hinterzogenen Steuern, also auch für die Erträge, die sie bereits nachversteuert hat.

Strafanzeige gegen unbekannt

Um einer Strafverfolgung zu entgehen, hatte sich Schwarzer im vergangenen November selbst angezeigt. Die Frauenrechtlerin hatte über viele Jahre ein Schweizer Konto vor den deutschen Steuerbehörden verheimlicht. «Das Konto war ein Fehler. Den bedaure ich von ganzem Herzen», schrieb Schwarzer damals in ihrem Blog. Dort offenbarte sie, für die vergangenen zehn Jahre insgesamt rund 200'000 Euro an Steuern nachgezahlt zu haben – plus Säumniszinsen.

Weder die Staatsanwaltschaft Köln noch Schwarzers Anwalt wollten sich mit Verweis auf das Steuergeheimnis zu den Verdachtsmomenten gegen die Herausgeberin der Zeitschrift «Emma» äussern. Gemäss dem Verteidiger ist aber wegen des widerrechtlichen Herausdringens von behördlichen Informationen bereits Strafanzeige gegen unbekannt erstattet worden.

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