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Steuerstreit Steuerabkommen kostet kleine Banken Millionen

Für regional ausgerichtete Banken mit wenig Auslandbeziehungen verursacht die Abgeltungssteuer hohe organisatorische und administrative Kosten.

von
Lucia Theiler
sda
Die Raiffeisen-Banken, wo der Anteil ausländischer Kunden nur drei Prozent ausmacht, nehmen die Aufwände von rund 10 Millionen Franken hin.

Die Raiffeisen-Banken, wo der Anteil ausländischer Kunden nur drei Prozent ausmacht, nehmen die Aufwände von rund 10 Millionen Franken hin.

Noch ist das Steuerabkommen mit Deutschland nicht in trockenen Tüchern. Doch die Banken stellen sich bereits darauf ein und rüsten ihre IT um. Bei den Kantonalbanken beispielsweise werden weniger als 10 Prozent des Geschäftsvolumens mit ausländischen Kunden generiert. Dennoch müssen sie ihre IT-Systeme spezifizieren, Prozesse anpassen, Kunden informieren. Unlängst hat die Basellandschaftliche Kantonalbank (BLKB) darum das Tabu gebrochen und an ihrer Halbjahresmedienkonferenz die Kosten zum Thema gemacht.

Auch die Schwyzer Kantonalbank spricht von einem ungünstigen Kosten/Nutzenverhältnis. «Die SZKB hat festgestellt, dass Kunden mit ausländischem Domizil einen deutlich höheren administrativen Aufwand an der Front, im Backoffice und im Compliance-Bereich verursachen als Kunden mit Domizil Schweiz», so Mediensprecher Peter Geisser.

Zwar gehören die Kantonalbanken alle zum gleichen Verband, dennoch sind sie autonom. Investitionskosten werden je nach Variante und Option zur Kostenteilung mit anderen Instituten unterschiedlich hoch ausfallen. «Für die Einführung der Abgeltungssteuer nehmen wir einen beträchtlichen Mehraufwand sowie Investitionen in die Informatik im Umfang von mehreren Millionen Franken in Kauf», sagt Catherine Duttweiler von der Berner Kantonalbank BEKB.

Kurze Frist

Erschwerend komme hinzu, dass vieles noch unklar ist. So werden sich die Steuerabkommen mit Deutschland, Grossbritannien und Österreich voraussichtlich im November einer Referendumsabstimmung unterziehen müssen. Geplant wäre die Umsetzung auf Anfang 2013.

In Deutschland ist der Widerstand aber so heftig, dass das Abkommen schon vorher zu scheitern droht. Langes Warten also, gefolgt von kurzen Fristen, ebenso wie dem damit verbundenen Mehraufwand. Dennoch sagt Duttweiler: «Wir setzen um, was uns seitens der Politik vorgegeben wird».

Automatischer Datenaustausch wäre günstiger

Damit vertritt die BEKB das offizielle Credo der Branche. Selbst die Basellandschaftliche Kantonalbank, die einen automatischen Datenaustausch der Öffentlichkeit als günstiger vorrechnete, betonte, dass sie bereit ist, die Mehrkosten zu tragen.

Auch bei den Raiffeisen-Banken, wo der Anteil ausländischer Kunden (am Gesamtkundenstamm) nur drei Prozent ausmacht, gibt es keine Opposition. Die Aufwände von rund 10 Millionen Franken nimmt das Bankinstitut hin.

Touristen und Grenzgänger

Zwar hätten die Banken die Möglichkeit, ausländische respektive deutsche Kunden ganz abzuweisen und so der ganzen Thematik zu entgehen. Die Regionalbank Solothurn beispielsweise überlegt sich diesen Schritt. Noch in diesem Herbst will sie über ihre Strategie entscheiden.

Doch für grössere Institute wie Raiffeisen steht das ausser Diskussion. Auch die BEKB und andere Kantonalbanken wollen keine Kunden ausschliessen. Zu sehr sind die Banken in ihren Regionen, vielfach Tourismusgebiete und damit Arbeitsorte für Grenzgänger oder Wohngebiete für Doppelbürger, verankert.

Höhere Gebühren

«Die wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Verflechtungen unserer Region sind zu bedeutend, als dass dies eine zielführende Strategie wäre», so Fortunat von Planta, Direktionsmitglied der Nidwaldner Kantonalbank. Die Bank verfügt im Steuerparadies Nidwalden über acht Geschäftsstellen.

Als Kompromiss haben einige Banken höhere Gebühren eingeführt für ausländische Kunden. Die Spannbreite reicht gemäss einer Zusammenstellung des «Tages-Anzeigers» von 48 Franken bei der KB Jura bis zu 1200 Franken bei der Valiant Bank. Bei der BEKB sind es 10 Franken monatlich, für Kunden aus den USA 20 Franken monatlich.

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