Aktualisiert 19.12.2006 14:29

Steuersenkungen für Prostituierte

Die Vereinigung der Tessiner Bordelle (CASI) findet, dass die Prostituierten im Tessin zu viel Steuern zahlen müssen. Ein Pilotprojekt der Bordellbesitzer soll die Sexworkerinnen finanziell entlasten.

Für die Vereinigung der Tessiner Bordelle (CASI) hat sich das vor vier Jahren in Kraft getretene kantonale Prostituiertengesetz als Flop erwiesen. Nur eine Minderheit der Sexarbeiterinnen habe sich bei den Behörden angemeldet.

Die vor zehn Monaten gegründete CASI schätzt, dass im Tessin rund 1600 registrierte Prostituierte nötig sind, um die Nachfrage des Marktes zu befriedigen, gab die Organisation am Dienstag vor den Medien bekannt. Regulär angemeldet haben sich derzeit aber laut Polizeiangaben bloss ungefähr 200 Frauen.

Die CASI will deshalb dem Bund ein Pilotprojekt schmackhaft machen. Die Vereinigung, der rund ein Drittel der Tessiner Bordelle angehört, möchte den vorwiegend aus Osteuropa und Südamerika stammenden Prostituierten provisorische Aufenthaltsbewilligungen erteilen. Damit soll der illegalen Präsenz in der Schweiz ein Ende bereitet werden.

Hohe Steuern schrecken ab

Schwieriger zu lösen ist das Problem der Besteuerung. Laut CASI müssen die registrierten Prostituierten im Tessin rund 12 000 Franken Steuern pro Jahr bezahlen, also tausend Franken pro Monat. Dies schreckt viele davon ab, sich bei den Behörden anzumelden.

CASI-Präsident Michel Venturelli begründete diese Haltung damit, dass viele Frauen nur einige Tage oder Wochen lang dem ältesten Gewerbe nachgehen würden. Diese Frauen müssten somit viel zu viel Steuern bezahlen.

Die CASI schlägt deshalb vor, eine Art Tagesbesteuerung einzuführen. Es bestehe sonst die Gefahr, dass sich die bereits angemeldeten Frauen wieder aus dem Register streichen lassen würden.

(sda)

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