17.12.2019 20:28

Gewinner und VerliererSteuerzahler profitieren von Negativzinsen der SNB

Die Negativzinsen der Nationalbank machen vielen Firmen und Menschen das Leben schwer. Aber es gibt auch Gewinner.

von
Raphael Knecht

Für Negativzinsen ist kein Ende in Sicht. (Video: RKN)

Mit den Negativzinsen wird so bald nicht Schluss sein – das zeigt der neue «Monitor Schweiz» der Credit Suisse (CS). Wie es in der Analyse heisst, schafft es die aktuelle Geldpolitik der Schweizerischen Nationalbank (SNB), eine noch stärkere Überbewertung des Schweizer Frankens zu verhindern. Solange sich die Konjunktur der wichtigsten Handelspartner der Schweiz nicht massgeblich verbessert, dürften die Negativzinsen Bestand haben.

Zwar lässt der Begriff Schlechtes ahnen, die Negativzinsen haben aber auch Profiteure. Und die Zinsen betreffen nicht nur die Banker und Unternehmer, sondern auch Haushalte und Steuerzahler. Das sind laut der CS die Gewinner und Verlierer der SNB-Geldpolitik:

Steuerzahler

Staat und Steuerzahler sind laut der CS unbestrittene Nutzniesser der tieferen Zinssätze. Geschätzt rund 23 Milliarden Franken konnten Bund und Kantone zwischen 2008 und 2017 an Zinsen einsparen. 13 Milliarden davon beim Bund. Da öffentliche Ausgaben vom Steuerzahler finanziert werden, profitiere er letztlich von diesen Einsparungen, entweder in der Form von Steuersenkungen oder von kleineren Steuererhöhungen. «Alternativ werden die Ausgaben des Staates weniger stark reduziert, was ebenfalls den Steuerzahlern nützt», sagt CS-Ökonom Maxime Botteron zu 20 Minuten.

Hausbesitzer

Die Zinsen auf Schulden reduzieren sich. Das kommt vor allem denjenigen zugute, die eine Hypothek haben. Die CS schätzt, dass Haushalte 2017 im Vergleich zu 2007 bei den Schulden über 10 Milliarden Franken eingespart haben. Haushalte mit höheren Einkommen, die Schulden aufnehmen können, profitieren mehr von den tiefen Zinsen.

SNB

In den nächsten fünf Jahren dürfte die SNB jährlich zwischen 18 und 20 Milliarden Franken an Gewinn aus den stark gestiegenen Devisenreserven erwirtschaften. Es könnte eine Erhöhung der jährlichen Gewinnausschüttung an Bund und Kantone in Betracht gezogen werden. Im Krisenszenario wäre allerdings auch mit einem Verlust von bis zu 75 Milliarden Franken zu rechnen.

Andere Banken

Die Schweizer Banken zahlen der SNB insgesamt mehr als eine Milliarde Franken pro Jahr an Strafzinsen. Die exakten Kosten, die die Negativzinsen den Banken verursachen, sind laut der CS jedoch schwierig zu ermitteln. Laut Berichten kompensieren die Banken die Negativzinsen im Kreditgeschäft. Die Institute haben zudem damit begonnen, die Strafzinsen an Kunden weiterzugeben.

Sparer

Wer viel Geld auf der Seite hat, muss selbst mit Negativzinsen rechnen. Bei der Zürcher Kantonalbank etwa zahlen manche Privatkunden bereits ab 100'000 Franken Barvermögen einen Strafzins von -0,75 Prozent. Bei der PostFinance gibts Negativzinsen ab 250'000 Franken. Unabhängig davon, ob Sparer diese Schwellen überschreiten, müssen Privathaushalte laut der CS generell tiefere Einnahmen auf ihre Sparkonten in Kauf nehmen.

Pensionskassen

Die Verzinsung der von den Pensionskassen gehaltenen Liquidität ist stark vom Leitzins der SNB abhängig. Der Betrag entspricht derzeit rund 5 Prozent des Vermögens der Pensionskassen. «Tiefere Zinsen generell erhöhen zudem den Barwert der Pensionskassenverbindlichkeiten, was den Deckungsgrad der Pensionskassen verringert», so Botteron.

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