Aktualisiert 31.03.2010 13:54

Keynote

Steve Jobs ist zurück

Es galt als ausgemacht, dass Apple neue iPods präsentieren würde. Der IT-Konzern hat die Erwartungen erfüllt - mehr aber nicht. Denn ein Mac-Tablet gibt es weiterhin nur in den Fantasien der Apfel-Fans.

von
Henning Steier, London

Unter dem Motto «It's only rock and roll, but we like it» hatte Apple Journalisten, Blogger, Kunden und Technikexperten aus aller Welt eingeladen. Der Slogan legte nahe, dass es vor allem um neue iPods gehen würde.

Eine Überraschung gab es gleich zu Beginn der Veranstaltung in San Francisco (siehe Video): Steve Jobs ist wieder da. Der Apple-Boss betrat nach rund einem Jahr Pause zum ersten Mal wieder die Bühne bei einer Apple-Keynote. Jobs erwähnte, dass er von einem Mitte 20-Jährigen, welcher bei einem Verkehrsunfall ums Leben gekommen war, eine neue Leber erhielt. Danach gab er bekannt, dass das «iPhone OS 3.1» nun unter anderem die «Genius»-Funktion auch für Apps und Filme bietet. Anschliessend übergab Jobs schnell an Jeff Robin, der «iTunes 9» präsentierte. Das darin integrierte Angebot «iTunes LP», welches noch nicht auf iPhone und iPod touch läuft, gibt es bislang aber nur für wenige Alben. Darunter sind welche von Dave The Doors, Grateful Dead, Norah Jones, Bob Dylan und Muse. Für die Alben gibt es beispielsweise Making-of-Videos, andere Cover und Interviews - allerdings auf absehbare Zeit nicht für Beatles-Alben. Denn auch gestern wurde nicht bekannt, wann die Musik der Fab Four über Apples iTunes Store erhältlich sein wird. Dafür gibt es nun auch für manche Videodownloads Extras wie man sie von Kauf-DVDs kennt - beispielsweise mehr Informationen zu den Schauspielern. Zu den Filmen, für die das neue Angebot gilt, gehören «Twilight», «Batman Begins» sowie «Wall-E». Wer etwas im iTunes Store kauft, kann es nun im Haushalt auf maximal fünf Rechnern nutzen. Dank einer neuen Funktion namens «Home Sharing» soll «iTunes 9» die Dateien auch automatisch zwischen den Computern abgleichen und Unterschiede der jeweiligen Bibliotheken darstellen. Neu gekaufte Titel lassen sich direkt auf alle Rechner übertragen. Dank Anbindung an Facebook kann man im sozialen Netzwerk direkt Informationen zu den Songs veröffentlichen. Überdies sind im iTunes Store nun mehr als 20 000 Klingeltöne für jeweils zwei Franken zu haben. Hinzu kommt die neue Funktion «Genius Mixes», die zueinander passende Songs hintereinander abspielen soll. Basis ist die Genius-Datenbank, die nach Apple-Angaben mittlerweile rund 27 Millionen Playlists enthalten soll. Das neue iTunes steht zum Download für Mac OS X und Windows bereit.

iPod nano mit Videokamera

Im Anschluss gab Steve Jobs Neuerungen bei den iPods bekannt: Die Preise wurden gesenkt und der iPod nano kommt nun mit Kamera, Mikrofon und Lautsprecher in den Handel. Die Kamera zeichnet Videos mit 640 x 480 Pixeln in H.264 mit 1,5 MBit/s auf. Dank Voice-Over-Funktion kann man sich Songtitel und Interpret vorlesen lassen. Der neue nano hat ein 2,2-Zoll-Display, welches 240 x 376 Pixel auflöst. Ausserdem bietet der Player im bekannten Design nun einen integrierten Schrittzähler für Fitnessbewusste. Die mit dem neuen iPod nano gedrehten Clips kann man direkt auf YouTube, Facebook oder MobileMe hochladen. Die Abmessungen des Players liegen bei 91 x 39 x 6 Millimetern, auf die Waage bringt er rund 36 Gramm. Laut Apple soll der Akku des mit acht (199 Franken) und 16 Gigabyte (249 Franken) in den Handel kommenden iPod nano für maximal fünf Stunden Videowiedergabe beziehungsweise 24 Stunden Musikgenuss ausreichen.

Im Kurztest von 20 Minuten Online nach der in London übertragenen Präsentation wurde klar, dass die Kamera im iPod nano wohl in erster Linie dazu gedacht ist, in Kombination mit den Preissenkungen den Absatz im Weihnachtsgeschäft anzukurbeln. Allerdings waren die fünf gedrehten Testvideos von unterdurchschnittlicher Qualität. In leicht abgedunkelten Umfeldern hatte die Cam grosse Probleme. Ein Zoom fehlt und der Autofokus ist eher eine Spielerei als eine echte Alternative. Das gilt auch für die Auflösung. Immerhin hat Apple den grossen Brüdern des Multimedia-Players nahe liegende Verbesserungen spendiert: Den iPod touch gibt es ab sofort auch mit 64 Gigabyte Speicher für 549 Franken, die Version mit acht Gigabyte kostet 259 Franken die 32-Gigabyte-Variante 399 Franken. Der iPod classic kommt nun mit 160 statt 120 Gigabyte zum Kunden. Sein Preis liegt bei 449 Franken.

Antworten auf brennende Fragen

Hoffnung, dass vor Weihnachten doch Interessanteres von Apple kommt, machte Steve Jobs mit dem abschliessenden Satz «See you soon». Im September 2008 hatte Apple ebenfalls frische iPods präsentiert, ehe man dann im Oktober aufgebohrte MacBooks nachlegte. Das Interpretieren eines Satzes ist allerdings Kaffeesatzleserei im Vergleich zu Erläuterungen, die der Apple-Boss höchstpersönlich im Gespräch mit David Pogue von der New York Times gab. Auf die Frage, warum man die Videokamera nicht wie von vielen erwartet im iPod touch verbaut hat, sagte Jobs: «Wir sehen das Gerät als Spielemaschine, die überdies den günstigsten Einstieg in den App Store liefert. Um die neue Preissenkung zu gewährleisten, mussten wir auf Extras wie die Kamera verzichten.» Dass der iPod nano keine Fotos schiessen kann, begründete Jobs damit, dass die Sensoren für gute Bilder zu dick seien, um im schlanken Gehäuse des Players untergebracht werden zu können. Von eBook-Readern wie Amazons «Kindle» hält Jobs nach eigenen Angaben wenig: «Geräte, die mehrere Funktionen bieten, werden am Ende den Sieg davontragen», sagte Jobs dem Blatt und verteilte einen Seitenhieb gegen den weltgrössten Versandhändler, der keine Verkaufszahlen seines Readers bekannt gibt: «Wenn sich ein Produkt gut verkauft, will man das doch in der Regel allen mitteilen», so der Apple-Chef.

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.