US-Wahlen: Steve Schmidt trimmt Republikaner auf Angriff
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US-WahlenSteve Schmidt trimmt Republikaner auf Angriff

Bei Wahlkampfexperten in den USA ist Steve Schmidt unter dem Spitznamen «die Kugel» bekannt. Damit könnte sein rasierter Schädel ebenso gemeint sein wie sein revolverscharfes Temperament.

Seit der Republikaner John McCain im Juni den 37-Jährigen zum Chefstrategen seines Wahlteams gemacht hat, ist aus der ziellos dümpelnden Kampagne eine Wahlkampfmaschine mit aggressiver Schlagkraft geworden, die dem Demokraten Barack Obama in Umfragen gefährlich nahe kam.

McCains grosse Nominierungsrede auf dem Parteitag in St. Paul am Donnerstag hätte eigentlich die Krönung des Comebacks werden sollen- mit dem Wirbel um die Vizekandidatin Sarah Palin steht Schmidt nun aber die vielleicht grösste Herausforderung bevor.

Lehrbeispiel für Wahlkampfmanagement

Schmidts kurze, aber wirksame Zeit als Kampagnenmanager könnte als Lehrbeispiel für modernes Wahlkampfmanagement in den USA herhalten. In endloser Wiederholung lässt er dem Wähler wenige, dafür aber prägnante Botschaften einhämmern, bis sie im öffentlichen Bewusstsein Wurzeln schlagen.

Schmidt schwor McCains Wahlkampfteam auf eine einzige Botschaft ein: Barack Obama sei ein redegewandter Schöngeist ohne politische Substanz. «Die Amerikaner werden keinen Mann wählen, der bislang nur bewiesen hat, dass er das Zeug zum Star hat», lästerte Schmidt in der «New York Times» über Obama.

Der erfahrene Politikveteran John McCain sei der richtige Mann für schwierige Zeiten. Im Verlauf des vergangenen Monats hatte diese Botschaft bei vielen Wählern Anklang gefunden, McCains Umfragewerte stiegen.

Kriseneinsatz

Der Wirbel um Palin, ihre familiären Probleme und ihre politische Vorgeschichte drohen diesen Erfolg zu gefährden: Kaum waren die ersten kritischen Berichte auf dem Wahlparteitag in St. Paul aufgetaucht, zeigte sich Schmidt persönlich im Pressezentrum und erklärte den Medienvertretern geduldig, warum Palin doch die richtige Kandidatin sei - es war nicht sein erster Kriseneinsatz für McCain.

Als Retter in der Not hatte Schmidt im Juni mit dem Posten des Chefstrategen eine undankbare Aufgabe übernommen. Die Unbeliebtheit der republikanischen Partei nach zwei Amtszeiten von George W. Bush hing wie Blei an McCain.

Der Kandidat selbst erwies sich zunächst als überraschend schwacher Wahlkämpfer: Er liebt den persönlichen Austausch mit den Wählern, doch bei Auftritten schweifte er oft ab, las seine Reden stockend vor und fand dabei keine griffige Botschaft gegen Obamas Versprechen vom politischen Neubeginn.

Rigider Kurswechsel

Dass sich McCain inzwischen vom Abwärtssog seiner Partei entkoppeln konnte und Obama ernsthaft Konkurrenz macht, dürfte Schmidts rigidem Kurswechsel in der Kampagnenführung geschuldet sein. Er senkte die Zahl von McCains Pressekonferenzen und schränkte den Zugang von Journalisten zu dem Kandidaten ein.

So kanalisierte er den zuvor verwirrend vielfältigen Fluss von Botschaften aus dem McCain-Lager. Schmidt überzeugte McCain auch, den zunächst höflichen Ton im Wahlkampf gegen Obama aufzugeben und eine härtere Gangart einzuschlagen.

Manche in den USA reiben sich die Augen angesichts dessen, was Schmidt aus dem honorigen Alt-Senator McCain gemacht hat. Schmidts vordringlichste Aufgabe dürfte in den kommenden Tagen freilich erst einmal die Schadensbegrenzung um die Personalie Palin sein. (sda)

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