Uruguay: Stichwahl muss entscheiden
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UruguayStichwahl muss entscheiden

Die Entscheidung über den nächsten Präsidenten in Uruguay wird wohl erst bei einer Stichwahl am 29. November fallen. In der ersten Runde der Wahl am Sonntag zeichnete sich nach mehreren Wählernachfragen zwar ein klarer Sieg des einstigen Guerillakämpfers José Mujica ab, aber die absolute Mehrheit erzielte er nicht.

Der Kandidat des regierenden Linksbündnisses Frente Amplio (Breite Front) José Mujica verfehlte mit etwa 48 Prozent die absolute Mehrheit der Stimmen. Sein schärfster Konkurrent, Expräsident Luis Alberto Lacalle, kam demnach auf etwa 30 Prozent.

Während Mujica seinen Wählern die Schaffung eines dauerhaften Sozialismus versprach, trat Lacalle, der der konservativen Nationalpartei angehört, für Steuersenkungen und einen Abbau des staatlichen Einflusses in dem 3,4 Millionen Einwohner zählenden südamerikanischen Land an. Amtsinhaber Tabaré Vásquez durfte nicht mehr für eine zweite Amtszeit antreten.

Der 74-jährige Mujica ist derzeit der populärste Politiker des südamerikanischen Landes. Während der Diktatur von 1973 bis 1985 sass der frühere Tupamaru-Guerillero im Gefängnis. Nach dem Ende der Diktatur wurde er amnestiert. Er war massgeblich daran beteiligt, die frühere Guerilla-Bewegung in eine politische Bewegung zu verwandeln. Unter dem scheidenden sozialistischen Präsidenten Tabare Vazquez war er Landwirtschaftsminister. Mujica trat dann im vergangenen Jahr als Minister zurück, um sich voll auf die Kandidatur für das Präsidentenamt zu konzentrieren. Vazquez' Wahl hatte vor fünf Jahren die mehrere Jahrzehnte währende Vorherrschaft von Mitte-Rechts-Regierungen beendet.

Die Wähler hatten ausserdem über eine Initiative zur Abschaffung der Amnestie für Menschenrechtsverletzungen zu entscheiden, die sich während der Militärdiktatur von 1973 bis 1985 ereigneten. Lacalle hat sich für die Beibehaltung der 1986 beschlossenen Amnestie als Kernelement im Übergang des Landes zur Demokratie ausgesprochen. Andere verlangten dagegen, dass sich Uruguay seiner Vergangenheit stellt, auch wenn dabei alte Wunden aufgerissen werden sollten.

In Uruguay herrscht Wahlpflicht. Rund 2,5 Millionen Menschen waren zur Abstimmung registriert. Der Sieger tritt sein Amt am 1. März 2010 an. (dapd)

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