Wahlen in Ägypten: Stichwahl zwischen Mursi und Schafik?

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Wahlen in ÄgyptenStichwahl zwischen Mursi und Schafik?

Nach Schliessung der Wahllokale zur Abstimmung über einen neuen Präsidenten in Ägypten hat sich die Muslimbruderschaft siegesgewiss gezeigt. Doch Mubarak-Anhänger Ahmed Schafik holt auf.

In der ersten Runde der ägyptischen Präsidentschaftswahl konnte sich kein Kandidat durchsetzen. Das Land steuert voraussichtlich auf einen Richtungsentscheid zwischen dem Muslimbruder Mohammed Mursi und dem ehemaligen Luftwaffenchef Ahmed Schafik zu.

Ein Mitglied der Wahlkommission sagte am Freitag in Kairo, die beiden Politiker lägen nach Auszählung von 90 Prozent der Stimmen mit Abstand vor den Mitbewerbern. Das offizielle Ergebnis der Wahl wird frühestens am Sonntag veröffentlicht.

Mursi erhielt nach inoffiziellen Angaben rund 28 Prozent der Stimmen, Schafik etwa 24 Prozent. Den dritten Platz belegte der linke Aktivist Hamdien Sabbahi.

Gesichert ist, dass keiner der der insgesamt 13 Kandidaten das absolute Mehr erreichen wird. Somit wird es am 16. und 17. Juni zur Stichwahl kommen. Danach will der seit Hosni Mubaraks Sturz im Februar 2011 regierende Militärrat die Macht abgeben.

Hinter den Kulissen dürfte das mächtige Militär aber weiterhin eine wichtige Rolle spielen. Da noch an einer neuen Verfassung gearbeitet wird, sind die genauen Befugnisse und Pflichten des Präsidenten bislang unklar.

Mussa abgeschlagen

Bereits aus der Parlamentswahl waren die Muslimbrüder als Sieger hervorgegangen. Mursi ist der Vorsitzende ihrer Partei für Gerechtigkeit und Freiheit und war eigentlich nur als Ersatzkandidat aufgestellt worden. Der bekanntere Muslimbruder Chairat al-Schater war wegen einer Haftstrafe von der Wahlkommission von der Kandidatenliste gestrichen worden.

Schafik, der letzte Regierungschef in der Ära Mubarak, hatte den Ägyptern vor allem mehr Stabilität und Sicherheit versprochen. Er distanzierte sich im Wahlkampf zwar von Mubarak, betonte zugleich aber seine Erfahrungen in der Politik.

Christen und säkulare Ägypter fürchten, dass ihre Freiheiten unter einem Präsidenten der Muslimbrüder eingeschränkt werden könnten. Schafiks Gegner wiederum sind besorgt, dass im Falle seines Sieges der unter Mubarak dominierende Einfluss der Militärs bestehen bleibt.

Zu den Favoriten hatten vor der Wahl auch der Ex-Aussenminister und frühere Generalsekretär der Arabischen Liga, Amr Mussa, sowie der unabhängige Islamist Abdel Moneim Abul Futuh gezählt. Die beiden Kandidaten blieben allerdings unter den Erwartungen.

Weitgehend friedlich

Der Urnengang galt als historisch. 52 Millionen Ägypter konnten erstmals in einer freien und von einem echten Wettbewerb geprägten Wahl über den ersten Mann im Staat bestimmen. Nach Angaben der Wahlkommission beteiligten sich landesweit rund die Hälfte der Wahlberechtigten an der Wahl.

Nach teils blutigen Auseinandersetzungen im Vorfeld verlief die Wahl weitgehend friedlich. Bei tätlichen Auseinandersetzungen vor Wahllokalen wurden nach offiziellen Angaben aber Dutzende Menschen verletzt. Ägyptische Wahlbeobachter berichteten zudem von Stimmenkauf und Wählermanipulation in zahlreichen Wahllokalen. Beschwerden über Unregelmässigkeiten gab es jedoch bislang nicht.

US-Aussenministerin Hillary Clinton gratulierte den Ägyptern zu einer «historischen» Abstimmung. Die erste Runde der ersten freien Präsidentenwahl sei ein «weiterer wichtiger Meilenstein beim Übergang zur Demokratie», erklärte sie in Washington. Die US- Regierung freue sich darauf, «mit Ägyptens demokratisch gewählter Regierung zusammenzuarbeiten». (sda)

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