Zwei Jahre bedingt: Stieftochter im Stadtarchiv sexuell belästigt

Aktualisiert

Zwei Jahre bedingtStieftochter im Stadtarchiv sexuell belästigt

Der ehemalige Abwart des Winterthurer Stadthauses hat seine Stieftochter sexuell misshandelt. Nun wurde er dafür verurteilt.

von
Attila Szenogrady

Die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft gingen auf den Zeitraum zwischen Herbst 2003 und Frühjahr 2004 zurück. Damals soll sich der heute 35-jährige Angeklagte wiederholt an seiner 13-bis 14-jährigen Stieftochter sexuell vergangen haben. Laut Anklage war dabei von Zungenküssen bis hin zu oralen sowie manuellen Sexualpraktiken seitens des Angeschuldigten die Rede. Tatorte waren der Keller am Wohnort der Familie oder der Archivkeller des Winterthurer Stadthauses, wo der in der Sache grundsätzlich geständige Täter als Hauswart tätig war.

117 Tage Untersuchungshaft

Der Angeklagte wurde am 10. Juni 2005 von der Polizei festgenommen und verbrachte danach 117 Tage in Untersuchungshaft. Vor zwei Jahren musste er sich erstmals wegen mehrfacher sexueller Nötigung, mehrfachen sexuellen Handlungen mit Kindern sowie mehrfacher Pornographie verantworten. Die Staatsanwaltschaft verlangte damals eine Zuchthausstrafe von drei Jahren. Sie kam mit ihrem Antrag aber nicht voll durch. So wurde der Angeschuldigte schon damals von den Vorwürfen der sexuellen Nötigung entlastet. Allerdings kassierte er wegen sexuellen Handlungen mit Kindern sowie Pornographie (sichergestellte Brutalo-Pornofilme) eine unbedingte Gefängnisstrafe von zwei Jahren. Kurz vor dem Prozess hatte der Angeklagte für Schlagzeilen gesorgt, da er plötzlich spurlos verschwunden war und in einem Schreiben einen Suizid angedeutet hatte. Schliesslich tauchte er wieder auf und stellte sich den Behörden.

Milderes neues Recht: Zwei Jahr bedingt

Dank juristischen Schachzügen gelang es dem Verteidiger des Angeklagten, vor Obergericht eine Rückweisung an die erste Instanz zu erreichen. Somit musste sich das Bezirksgericht Zürich am Donnerstag aus formellen Gründen zum zweiten Mal mit dem Fall befassen. Erneut unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Allerdings unterrichtete das Gericht nach dem Prozess die Medien über den Ausgang des Verfahrens. Demnach wurde das Urteil vom Herbst 2006 in den meisten Punkten bestätigt. Mit einer wesentlichen Ausnahme: Wegen des neuen Rechts setzte das Gericht die bestätigte, zwei-jährige Freiheitsstrafe neu zur Bewährung aus. Bei einer Probezeit von zwei Jahren. Der Angeklagte wurde verpflichtet, der Geschädigten eine Genugtuung von 15 000 Franken zu bezahlen. Zudem im Grundsatz nach einen Schadenersatz von mindestens, bereits geleisteten 1000 Franken.

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