11.06.2018 15:23

Missbrauchsprozess in Freiburg (D)

Stiefvater gesteht fast alles, Mutter schweigt

Hauptprozess in der Staufener Missbrauchserie: Die angeklagte Berrin T. wusste von Anfang an, dass ihr Lebensgefährte als Pädophiler einschlägig vorbestraft war.

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Im Fall des im Darknet zum sexuellen Missbrauch verkauften Jungen aus Staufen bei Freiburg müssen sich die Mutter (hinten links) und der Stiefvater (Mitte) des Kindes vor dem Landgerichts Freiburg verantworten. (11. Juni 2018). Am Dienstag 7. August fiel das Urteil gegen die Hauptverdächtigen.

Im Fall des im Darknet zum sexuellen Missbrauch verkauften Jungen aus Staufen bei Freiburg müssen sich die Mutter (hinten links) und der Stiefvater (Mitte) des Kindes vor dem Landgerichts Freiburg verantworten. (11. Juni 2018). Am Dienstag 7. August fiel das Urteil gegen die Hauptverdächtigen.

epa/Thomas Lohnes / Pool
Die Staatsanwaltschaft wirft der 48 Jahre alten Berrin T. und dem 39 Jahre alten Christian L. unter anderem besonders schwere Vergewaltigung, schweren sexuellen Missbrauch von Kindern, besonders schwere Zwangsprostitution und Verbreitung kinderpornografischer Schriften vor.

Die Staatsanwaltschaft wirft der 48 Jahre alten Berrin T. und dem 39 Jahre alten Christian L. unter anderem besonders schwere Vergewaltigung, schweren sexuellen Missbrauch von Kindern, besonders schwere Zwangsprostitution und Verbreitung kinderpornografischer Schriften vor.

Getty Images/Thomas Lohnes
Die Verlesung der Anklage gegen das Paar zog sich über mehr als drei Stunden. Darin listeten die Ankläger mehr als 50 Taten auf, die die Mutter und ihr als Pädophiler einschlägig vorbestrafter Lebensgefährte zu verantworten haben sollen.

Die Verlesung der Anklage gegen das Paar zog sich über mehr als drei Stunden. Darin listeten die Ankläger mehr als 50 Taten auf, die die Mutter und ihr als Pädophiler einschlägig vorbestrafter Lebensgefährte zu verantworten haben sollen.

AFP/Thomas Kienzle

Im Hauptprozess um den Missbrauchsfall von Staufen hat der Stiefvater des Tatopfers ein weitgehendes Geständnis abgelegt. Die Anklage sei «bis auf ein paar Kleinigkeiten» richtig, sagte Christian L.* am Montag vor dem Landgericht Freiburg.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem 39-Jährigen und der 48 Jahre alten Berrin T.* unter anderem besonders schwere Vergewaltigung, schweren sexuellen Missbrauch von Kindern, besonders schwere Zwangsprostitution und Verbreitung kinderpornografischer Schriften vor.

Der Fall war vor fünf Monaten von den Ermittlern öffentlich gemacht worden und sorgt seither bundesweit für Entsetzen. Experten sprechen von einem beispiellosen Missbrauchsfall.

Kind nannte L. «Papa»

Die Verlesung der Anklage gegen das Paar zog sich über mehr als drei Stunden. Darin listeten die Ankläger mehr als 50 Taten auf, die die Mutter und ihr als Pädophiler einschlägig vorbestrafter Lebensgefährte zu verantworten haben sollen.

Wie Staatsanwältin Nikola Novak sagte, lernte sich das Paar Ende 2014 oder 2015 bei der Tafel in Staufen kennen. Es habe sich «eine Art familiäre Beziehung» entwickelt, das Kind habe «Papa» zu L. gesagt. Dabei habe die Mutter über die pädophilie Orientierung ihres Partners «von Anfang an» Bescheid gewusst.

Mutter wusste von Kontaktverbot zu Kindern

Sie habe auch gewusst, dass er nach einer entsprechenden Verurteilung unter Führungsaufsicht gestanden habe und ihm jeder Kontakt zu Kindern verboten gewesen sei, sagte Novak. Dennoch habe sie bewusst der Beziehung zugestimmt.

Bereits kurz nach Beginn der Partnerschaft begann das Paar laut Anklage mit dem sexuellen Missbrauch eines leicht behinderten dreijährigen Mädchens aus der Nachbarschaft. Berrin T. habe auf das Mädchen aufgepasst, es sei dann zu «abgesprochenen sexuellen Übergriffen» auf das Kleinkind gekommen.

Berrin T. billigte Übergriffe «vollumfänglich»

Parallel dazu habe der Missbrauch des Sohns der Angeklagten begonnen. Dabei habe die Mutter im Auftrag ihres Partners verschiedene Vergewaltigungstaten an ihrem Sohn vollzogen. Auch habe ihr Partner das Kind vergewaltigt, sie habe dabei «vollumfänglich» die Übergriffe auf das Kind gebilligt.

Bald nach Beginn der Missbrauchstaten begann das Paar laut Anklage damit, den Jungen im Darknet - dem verborgenen Teil des Internets - für Vergewaltigungen gegen Geld anzubieten. Die Vermittlung im Darknet habe nur L. betrieben, allerdings habe auch die Mutter etwa auf ihrem Smartphone zahlreiches Bildmaterial von den gefilmten Vergewaltigungen ihres Kinds gespeichert.

Sicherungsverwahrung gefordert

Die Staatsanwaltschaft will neben einer Haftstrafe eine Sicherungsverwahrung der beiden Angeklagten erreichen. Der als Haupttäter angeklagte L. räumte bereits als Zeuge in anderen Verfahren zu der Tatserie seine eigenen Vergehen ein und belastete auch die Mutter des Kinds schwer.

Diese äusserte sich bislang noch nicht zu den Vorwürfen. Mit Spannung wird erwartet, ob sie im Prozess Angaben machen wird. Ihr Verteidiger Matthias Wagner sagte der Nachrichtenagentur AFP, seine Mandantin wolle aussagen. Ob ihr das angesichts des grossen öffentlichen Interesses auch tatsächlich gelinge, könne er aber noch nicht abschätzen. Das grösste Ziel seiner Verteidigung sei, die Sicherungsverwahrung für seine Mandantin zu verhindern.

Das Kind lebt inzwischen in Obhut des Jugendamts. Es muss in dem Verfahren nicht aussagen. Als Beweismittel liegen neben Zeugenaussagen umfassende Videodateien vor. (sda/afp)

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