Fifa-Reformen: Stiehlt Sepp Blatter das Spiel zurück?
Aktualisiert

Fifa-ReformenStiehlt Sepp Blatter das Spiel zurück?

Sepp Blatter hat versprochen, die Fifa zu reformieren. Heute wird Strafrechtsprofessor Mark Pieth in Zürich erläutern, wie dies geschehen soll.

von
Sandro Compagno
Der Traum vom sauberen Sport: Wird ausgerechnet Joseph S. Blatter den Weltfussballverband Fifa in eine bessere Zukunft führen? Foto: keystone

Der Traum vom sauberen Sport: Wird ausgerechnet Joseph S. Blatter den Weltfussballverband Fifa in eine bessere Zukunft führen? Foto: keystone

1999 publizierte David Yallop sein Buch «How they stole the game» (dt. Wie das Spiel verloren ging). Auf über 400 Seiten rechnet der englische Ent­hüllungsjournalist (oder Verschwörungstheoretiker, je nach Lesart) mit Blatters Vorgänger João Havelange (95) ab, der von 1974 bis 1998 aus dem betulichen Fussballverband Fifa eine milliardenschwere Vermarktungsmaschine machte.

Für Yallop ist der Brasilianer Havelange die Hauptursache für die Korruptionsskandale, die den Weltfussballverband in den Grundfesten erschüttern – und Blatter auch in dieser Hinsicht sein legitimer Erbe. Mit der Wahl von Havelange und der Abwahl des Engländers Sir Stanley Rous 1974 sei das Spiel von den Südamerikanern «gestohlen» worden.

Blatter ist zuletzt nach den WM-Vergaben 2018 und 2022 sowie Korruptionsskandalen im Fifa-Exekutivkomitee unter Druck geraten. Ausgerechnet er will in seiner letzten Amtsperiode als Fifa-Präsident den Fussballverband säubern. Zu diesem Zweck holte er Mark Pieth (siehe Box) an Bord. Der renommierte Strafrechtspro­fessor wird heute die Aufgabenstellung seiner sogenannten «Kommission für Good Governance» erläutern.

208 Landesverbände zählt die Fifa, darunter viele aus Staaten, in denen Korruption und Vetternwirtschaft blühen. Im 24-köpfigen Exekutivkomitee sitzen mit Leuten wie Julio Grondona (Argentinien) oder Ricardo Teixeira (Brasilien) Fifa-Bonzen, gegen die in ihren Heimatstaaten wegen Korruption ermittelt wird.

Wie will Pieth diesen gordischen Knoten aus Macht und Gier zerschlagen? «Sicher ist, dass die Fifa europäischer wird», sagte ein Insider dieser Tage zu 20 Minuten. Will Blatter die Fifa reformieren, muss er den Sport zurückstehlen. ­Zurück nach Europa mit seinen Wertvorstellungen.

Mark Pieth: Ein Strafrechtsprofessor in der Fifa

Mark Pieth (58) ist ein weltweit renommierter Strafrechtsexperte. Der Professor der Uni Basel leitet seit 21 Jahren eine Arbeitsgruppe der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) zur Bekämpfung von internationaler Korruption. Für die Uno untersuchte er die Korruption beim Oil-for-Food-Programm im Irak. Pieth war ursprünglich als Berater der Fifa in ihren Reformbemühungen vorgesehen, am letzten Donnerstag wurde er zum Vorsitzenden der unabhängigen Kommission für Good Governance ernannt. Vier Arbeitsgruppen der Fifa rapportieren zuhanden von Pieth: die Arbeitsgruppe Statutenrevision, die Arbeitsgruppe Fifa-Ethikkommission, die Arbeitsgruppe Transparenz und Überwachung sowie Task Force Football 2014.

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