«Nespresso» für Babys: «Stillen nicht Nestillen»
Aktualisiert

«Nespresso» für Babys«Stillen nicht Nestillen»

Nestlés neues Milchkapsel-System «BabyNes» liess die Wogen in der Schweiz hochschlagen. Die Meinung der Leser reichen dabei von «genial» bis «sinnlose Energieverschwendung».

von
Hans Peter Arnold
Auf der Homepage von www.babynes.ch wird das Kapselsystem von Nestlé erklärt.

Auf der Homepage von www.babynes.ch wird das Kapselsystem von Nestlé erklärt.

Der Nahrungsmittel-Konzern Nestlé lanciert das Kapselsystem «BabyNes» für Baby-Schoppen. Sechs verschiedene Milchkapseln stehen zur Verfügung. Die «BabyNes» soll das Stillen oder das aufwändige Zubereiten des Schoppens ersetzen. «BabyNes» wird vorerst auf dem Schweizer Markt eingeführt; die Schweiz gilt somit als Testmarkt.

In der Umfrage von 20 Minuten Online erklärten 48 Prozent der Teilnehmer, sie fänden das neue Kapselsystem für Babys eine gute Idee. 52 Prozent meinten, «BabyNes» sei keine gute Idee. Über 1500 Leserinnen und Leser nahmen an der Online-Umfrage teil.

Beherzter Austausch der Meinungen

Die Kommentare über den neuesten Wurf von Nestlé fielen zuweilen scharf aus. «Was für einen sinnlosen Müll Nestlé wieder mal auf den Markt bringen muss! - Schliesslich kaufen wir unser Mitagessen auch noch in solchen Kapseln», so die Meinung eines Users von 20 Minuten Online. Das Nestlé-System hat aber auch Fans. Babynator schreibt: «Das ist wirklich eine gute Idee. Natürlich ist Stillen das Beste.»

Wie von der Stiftung Konsumentenschutz Schweiz (SKS) bemängelt, sind die Kosten ein wichtiges Diskussionsthema. In der Kritik steht auch der Verkaufsaspekt der Zeitersparnis. Ein Kommentator entgegnet jedoch: «Warum soll es faul und gegenüber dem Kind lieblos sein, mit der Maschine einen schnellen Schoppen zu machen? Was ist schlecht daran, Zeit zu sparen?» Ein anderer ärgert sich: «Warum erfindet niemand eine Pille, die Kinder erst mit fünf Jahren auf die Welt kommen lässt? So spart man noch mehr Zeit und diese Maschine wird noch überflüssiger.»

«Ich sehe schon die Keime»

Die Eltern, die diese Baby-Nespresso kaufen würden, sollten einfach nie behaupten, Kinder seien teuer! Dass der Schoppen mit dem Gerät viel schneller gemacht werden könne, glaubt der Kommentator nicht.

A propos Effizienz und Zeitersparniss: Die «kastrierte Kaffeemaschine» müsse auch gepflegt und gereinigt werden, damit sich dort keine Keime platzierten. Da wären wir also bei der Hygiene-Frage. Ein Leser warnt: «Ich sehe schon die Keime aus der Maschine kriechen, weil sie nicht richtig gewartet wurde.»

Super praktisch - für Ausflüge

Es fehlt nicht an ironischen Kommentaren: «Super praktisch. So könnnen wir bei Ausflügen immer eine -Maschine mitschleppen.» An die «Stillfanatiker» schreibt eine Frau: «Stillen ist natürlich das Beste. Nur: Nicht alle Mütter können stillen oder sind zumindest auf eine zusätzliche Ernährung angewiesen. Ob da dieses System das richtige ist, ist eine Streitfrage. Jedenfalls wurde schön Dümmeres erfunden.»

Diese Maschinen hängen an den Kernkraftwerken

Das sei doch eine Superidee, auf die bis jetzt noch keiner gekommen sei, ist ein Leser überzeugt. Allerdings würden solche Elektro-Maschinen im Zuge der Abschaltung der Atomkraftwerke unter Strafe verboten.

Dass man sich am Geschäftssinn von Nestlé stört, kann ein Kommentator nicht verstehen: Logisch wolle Nestlé damit Geld verdienen - «das will doch jede Unternehmung! Wer so was sagt, beweist seine Ahnungslosigkeit. Der Bauer hält auch bloss Kühe, weil er die Milch verkaufen will - nicht aus purer Tierliebe!»

Genial sei diese Innovation, lobt ein Leser: «Wieder eine Maschine, die niemand braucht und trotzdem wollen sie alle haben! Genau gleich wie einige Produkte von Apple.»

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