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Energy ChallengeStimmen diese Vorurteile gegenüber E-Fahrzeugen?

Schlechte Lade-Infrastruktur, umweltschädigende Bestandteile und nur für kurze Strecken geeignet: Die häufigsten Vorurteile gegenüber E-Fahrzeugen.

von
sts
Wie viele Kilometer sich im Elektroauto mit einer Akkuladung zurücklegen lassen, ist sehr unterschiedlich. Tesla-Modelle der Serie S beispielsweise haben eine Reichweite von bis zu 600 Kilometern.

Wie viele Kilometer sich im Elektroauto mit einer Akkuladung zurücklegen lassen, ist sehr unterschiedlich. Tesla-Modelle der Serie S beispielsweise haben eine Reichweite von bis zu 600 Kilometern.

Keystone/Gaetan Bally

Artikel zu den Themen Elektroautos und E-Mobilität werden auf 20 Minuten meistens rege diskutiert. Ein Leser kommentierte ein Quiz über Elektroautos beispielsweise mit den folgenden Worten: «Es wäre wohl gut, wenn man sich überlegen würde, wie viel Energie das Erstellen eines solchen Fahrzeuges benötigt. Erst wenn dieser Vergleich ein positives Ergebnis für Elektro- und Hybridautos in punkto Energie erzielt, kann man von sauberen Fahrzeugen sprechen.» Ein anderer Leser mit dem Usernamen Rudy Carell meinte: «Elektromobilität hat (noch) keine Zukunft.» Andi Meyer vertrat eine ähnliche Meinung: «E-Mobilität wird niemals den Durchbruch schaffen, E-Autos bleiben eine Alternative.»

Nachfolgend werden die im Zusammenhang mit E-Mobilität meistgenannten Vorurteile unter die Lupe genommen.

Die Reichweite von Elektroautos ist momentan noch viel zu klein.

Wie viele Kilometer sich im Elektroauto mit einer Akkuladung zurücklegen lassen, ist sehr unterschiedlich. Tesla-Modelle der Serie S beispielsweise haben eine Reichweite von bis zu 600 Kilometern, doch auch mit günstigeren Modellen von Kia, Hyundai und Renault lassen sich mit einer Akkuladung Entfernungen zwischen 250 und 300 Kilometern erreichen. Damit liesse sich die Schweiz an ihrem breitesten Punkt durchqueren, ohne dass bei einer Ladestation gestoppt werden muss.

Bei den an dieser Stelle genannten Entfernungen handelt es sich um Herstellerangaben, die unter Laborbedingungen erreicht wurden. Der Touring Club Schweiz (TCS) hatte Elektroautos unter realen Bedingungen getestet. Zu diesem Zweck wurde die Beladung der Fahrzeuge einer Ferienfahrt nachempfunden. Zusätzlich zum Fahrer wurden sie mit der Masse eines Beifahrers mit einem Gewicht von 75 Kilogramm, zwei Kindern, die jeweils rund 30 Kilogramm wiegen, und 20 Kilogramm Gepäck beladen. Zudem wurde die Klima- und Heizungsregulierung auf die Komforttemperatur von 22 Grad Celsius eingestellt. Das TCS-Fazit: «Mit heutigen Elektrofahrzeugen können mittlerweile auch unter anspruchsvollen Bedingungen akzeptable Reichweiten erreicht werden. Dies hat jedoch seinen Preis. So sind die getesteten Fahrzeuge in der Anschaffung immer noch teurer als vergleichbare Autos ihrer Klasse, was aber über ihre Lebensdauer durch tiefere Unterhalts- und Betriebskosten kompensiert wird.»

Es gibt zu wenige Ladestationen für E-Fahrzeuge in der Schweiz.

Das ist nicht wahr. Nicht nur die Reichweite von Elektroautos, sondern auch die Lade-Infrastruktur für E-Fahrzeuge verbessert sich stets. Gemäss dem Statistik-Portal Statista waren es Ende 2017 in der Schweiz knapp 3500 Ladestationen mit Normalleistung und gut 400 Hochleistungsladestationen. Zum Vergleich: Im Jahr 2017 gab es zum Zeitpunkt der Erhebung 3382 Tankstellen in der Schweiz. Die Anzahl der Tankstellen nimmt hierzulande seit 2011 ab, während es immer mehr Ladestationen für E-Fahrzeuge gibt.

Aufgrund der aufwendigen Produktion haben Elektroautos eine schlechtere Umweltbilanz als benzinbetriebene Fahrzeuge.

Diese Aussage stimmt nur bedingt. In Autos stecken grosse Mengen an grauer Energie. Dabei handelt es sich um die Energie, die für den Bau, Transport und Verkauf des Fahrzeugs benötigt wird. Bei Elektroautos inklusive der Batterie ist die Produktion aufwendiger als bei einem Auto mit Verbrennungsmotor. Dem ist unter anderem so, weil Hersteller eher auf leichtes Aluminium setzten. Bei Autos mit Verbrennungsmotor kommt meist Stahl zum Einsatz. Die Produktion von Aluminium belastet die Umwelt mehr als jene von Stahl. Zudem werden Elektrofahrzeuge heute häufig mit Lithium-Ionen-Batterien ausgestattet. Beim Abbau der für die Batterie verwendeten Rohstoffe werden teilweise giftige Stoffe ein- und freigesetzt, was sich negativ auf die Ökobilanz der Batterien auswirkt.

Die Verbrennungsmotoren von Autos sind aber höchst ineffizient, so liegt der mittlere Wirkungsgrad aktuell zwischen 20 und 25 Prozent. Bei Elektromotoren beträgt der Wirkungsgrad dagegen 90 Prozent und mehr. Ein Elektroauto benötigt deswegen deutlich weniger Energie, um die gleiche Distanz wie ein Auto mit Diesel- oder Benzinmotor zurückzulegen. Gemäss einer Studie des deutschen Fraunhofer-Instituts für Bauphysik hat ein Elektroauto, das vollständig mit Ökostrom betrieben wird, ab 30'000 Kilometern die negative Umweltbilanz der Produktion ausgeglichen.

Elektroautos waren ein kurzlebiger Trend, der sich nun bereits auf dem absteigenden Ast befindet.

Das stimmt so nicht. 2017 wurden in der Schweiz laut dem Bundesamt für Statistik 315'032 Personenwagen eingelöst sprich neu in den Verkehr gesetzt. Verglichen mit 2016 entspricht dies einer Abnahme um 1,3 Prozent. Gesunken ist in erster Linie die Anzahl neu zugelassener Dieselautos – und zwar um knapp einen Zehntel (minus 9,4 Prozent). Zugelegt haben dagegen die vergleichsweise noch immer kleinen Sparten der Hybrid- und der Elektroautos mit einem Plus von 11,9 Prozent beziehungsweise 39,8 Prozent. Schweizweit waren Ende letzten Jahres total 67'661 Hybrid- und 14'539 Elektrofahrzeuge im Verkehr.

Die Geschichte der Elektrofahrzeuge reicht übrigens weit zurück: Je nach Quelle war es 1832 oder 1839, als der schottische Erfinder Robert Anderson einen ersten Elektrokarren baute.

E-Bikes sind nur etwas für faule Menschen, die nicht selber in die Pedale treten möchten.

Diese Verallgemeinerung ist zu simpel. Gemäss Velo Suisse wurden 2016 in der Schweiz 75'000 E-Bikes verkauft, was einer Zunahme von 14 Prozent im Vergleich zum Vorjahr entspricht. Dank dem E-Bike steigen laut Pro Velo, dem Dachverband der lokalen und regionalen Verbände für Velofahrer in der Schweiz, neue Benutzergruppen wieder auf das Fahrrad. Dazu gehören unter anderem Senioren, Pendler mit längeren Distanzen und grossen Höhendifferenzen zum Arbeitsort oder Familien mit Veloanhängern. Das E-Bike ist aber auch Konkurrenz zum Zweitauto, ist doch ein Drittel der täglich in der Schweiz zurückgelegten Autostrecken dem Bundesamt für Statistik zufolge kürzer als drei Kilometer. Diese Entfernung könnte je nach Verkehrslage und Parkplatzsituation am Zielort mit dem Elektrovelo schneller zurückgelegt werden. Zudem ist der Verzicht auf das Auto zugunsten des E-Bikes besser für die Gesundheit und Umwelt.

Energy Challenge 2018

Die Energy Challenge 2018 ist eine nationale Aktion von EnergieSchweiz und dem Bundesamt für Energie (BFE) rund um die Themen Energieeffizienz sowie erneuerbare Energien. Das Ziel in diesem Jahr ist, dass die Schweizer Bevölkerung gemeinsam mit den Partnern der Energy Challenge 2018 gesamthaft 30 Millionen Kilowattstunden einspart. Als Medienpartner beleuchtet auch 20 Minuten den Themenschwerpunkt mit Reportagen, Interviews, Energiespartipps und Quiz-Spielen. Mehr Infos gibt's in der kostenlosen Energy-Challenge-App für Android oder für iOS.

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