Mailand: Stinkefinger darf Börsianer weiter ärgern
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MailandStinkefinger darf Börsianer weiter ärgern

In Mailand tobt eine Kontroverse um eine Skulptur eines Starkünstlers. Vor dem Eingang der Börse steht seit einigen Wochen ein riesiger Mittelfinger aus Marmor.

Ist der Finger vor der Mailänder Börse antikapitalistisch?

Ist der Finger vor der Mailänder Börse antikapitalistisch?

In der lombardischen Hauptstadt ist ein gestreckter Mittelfinger zum Zankapfel geworden. Der elf Meter hohe «Stinkefinger» wurde vom italienischen Starkünstler Maurizio Cattelan mit dem Segen des Mailänder Stadtrats vor dem Eingang der «Borsa Italiana» positioniert. Einsam ragt der überdimensionale Mittelfinger in den Himmel, die anderen vier Finger sind einfach abgesägt.

Nur zehn Tage hätte der Marmorfinger vor der Mailänder Börse stehen sollen, inzwischen müssen die Makler der Mailänder Börse schon seit über drei Monaten täglich die monumentale Skulptur umgehen, wenn sie zur Arbeit wollen. Und der Unmut wächst.

Antikapitalistisch?

Vergebens machte der Präsident der Mailänder Börse, Raffaele Jerusalmi, Druck auf Bürgermeisterin Letizia Moratti, damit die Skulptur so rasch wie möglich entfernt werde. Der Finger sei einfach respektlos und antikapitalistisch gesinnt.

Der Gemeinderat stellte sich taub und beschloss am Dienstag, dass die «Schockskulptur» bis zum 30. September vor der Börse bleiben soll. Die Skulptur sei eine wichtige Werbung für zahlreiche Anlässe, die in Mailand vor der 2013 geplanten Eröffnung des Museums zeitgenössischer Kunst geplant sind, teilte die Stadt mit.

Cattelan: «Geste der Liebe»

Was der Finger genau zu bedeuten hat, will sein Erschaffer selbst nicht enthüllen. «Diese Skulptur ist eine Geste der Liebe», sagte der 51-jährige Cattelan lediglich, der es immer wieder schafft, mit seinen Werken einen Eklat auszulösen.

Der Starkünstler aus Padua dankte der Gemeinde Mailand für ihren Beschluss, seine Skulptur vorerst nicht zu entfernen. «Das Werk ist zwar provokant, aber ein Symbol zeitgenössischer Kunst und Ausdruck von Meinungsfreiheit», wurde Cattelan von der Mailänder Tageszeitung «Milano e Finanza» zitiert. (sda)

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