US-Hotelkette: Stirbt sein Haustier, hat der Angestellte 3 Tage frei
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US-HotelketteStirbt sein Haustier, hat der Angestellte 3 Tage frei

Ein Luxushotel in San Francisco gibt seinen Mitarbeitern drei Tage frei, wenn ein Haustier stirbt. Viele finden das richtig: Die Trauer sei nicht zu unterschätzen.

von
cfr

Einen Hund oder eine Katze zu verlieren, ist schwer zu ertragen. Nicht wenige Tierbesitzer erzählen gar, es fühle sich an, als sei ein Familienmitglied gestorben. Die Filiale der Luxushotelkette Kimpton in San Francisco gibt darum seinen Mitarbeitern jetzt drei Tage frei, wenn ein Haustier stirbt.

Die Hotelkette war schon immer ein tierfreundliches Unternehmen: Bereits der Firmengründer, Bill Kimpton, brachte immer seinen Border Collie namens Chianti mit zur Arbeit. Seit dem Jahr 1981 hiessen die Kimpton-Filialen auch Tiere von Mitarbeitern und Gästen willkommen.

Neben den Trauer-Ferientagen stelle das Unternehmen seinen Angestellten auch Tierversicherungen zur Verfügung, sagte Mike DeFrino, CEO der Kimpton-Kette, zum «Wall Street Journal» (WSJ). Beim Süsswaren- und Tiernahrungshersteller Mars Inc. ist es ähnlich: Mitarbeiter können einen Tag freinehmen oder von zuhause aus arbeiten, wenn ein Haustier stirbt.

Trauer auf Freizeit verlegt

Jacqueline Schuck, eine Krankenschwester aus Los Angeles, erzählte dem WSJ, sie sei nach dem Tod ihrer Bulldogge Maggie am Boden zerstört gewesen und habe zum ersten Mal in 30 Jahren einen Tag bei der Arbeit verpasst. Schuck: «Es tut sehr weh und einige Leute verstehen das nicht. Man verliert eine Kreatur, die dir seine 100-prozentige Liebe entgegengebracht hat.»

Andere Menschen sehen ihre Arbeit als Ablenkung. Etwa Matt Faust, Manager bei einem Einzelhandelsunternehmen. Er erzählt dem WSJ, er habe viele Haustiere gehabt. Wenn diese starben, habe er seine Trauer aber auf seine Freizeit verlegt.

Darf man sich freinehmen, wenn der Fisch stirbt?

Im US-Arbeitsgesetz sind diese Fälle nicht geregelt (im Übrigen auch nicht im Schweizer Gesetz). Deshalb stellt sich die Frage: Wo ziehen Arbeitgeber die Linie? Dürfen Mitarbeiter sich auch krankmelden, wenn die Katze krank ist? Oder wenn der Fisch stirbt? Und was passiert, wenn ein Mitarbeiter die Regelung als Vorwand nimmt, um sich eine Auszeit zu nehmen?

Allzu gross dürfte diese Gefahr derzeit nicht sein. Viele Tierbesitzer trauten sich nicht einmal, Freitage zu verlangen wenn ihr Hund oder die Katze sterbe, sagte Heather Merrill, Gründerin des New England Tierheims in der Ostküstenmetropole Boston. Zu gross sei die Angst, dass die Kollegen oder Vorgesetzten mit den Augen rollen könnten. Oft sagten andere Mitarbeiter einfach: «Es ist doch nur ein Tier. Du kriegst ein anderes.»

Die Industrie mit der Trauer

Mit der Trauer um ein Tier lässt sich jedoch auch viel Geld machen: In Los Angeles gibt es mittlerweile Selbsthilfegruppen und Psychologen für Menschen, die Tiere verloren haben. Bei der Firma PetLoss Partners suchte etwa Grundstücksverwalterin Flora Nguy psychologische Hilfe, als ihr Hund Melon eingeschläfert werden musste.

Nach seinem Tod konnte sie sich kaum bei der Arbeit konzentrieren: «Ich sah mir ständig Fotos von Melon an und dachte irgendwann: ‹Oh mein Gott, ich werde verrückt!›». In der Selbsthilfegruppe fand sie Halt und andere Menschen, die ihren Verlust verstehen konnten.

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