Zugvögel: Störche bleiben aus Liebe zum Partner im Schnee
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ZugvögelStörche bleiben aus Liebe zum Partner im Schnee

Statt in den Süden aufzubrechen sind dieses Jahr viele Störche in der Ostschweiz geblieben. Ein Grund dafür kann die Liebe sein, weiss ein Experte.

von
juu
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Immer häufiger können Menschen Störche im Winter auf verschneiten Hausdächern sitzen sehen. Laut Bruno Bachmann, Präsident des Storchenvereins Uznach, sind die Gründe hierfür vielfältig.

Immer häufiger können Menschen Störche im Winter auf verschneiten Hausdächern sitzen sehen. Laut Bruno Bachmann, Präsident des Storchenvereins Uznach, sind die Gründe hierfür vielfältig.

Storchenverein Uznach
Auch Leser-Reporter D.B.* war etwas verwirrt, als er nach dem ersten Schnee noch einen Storch entdeckte:  «Ich habe in Frauenfeld einen Storch als Nachbar und war ziemlich schockiert, als er noch immer an seinem Platz war.»

Auch Leser-Reporter D.B.* war etwas verwirrt, als er nach dem ersten Schnee noch einen Storch entdeckte: «Ich habe in Frauenfeld einen Storch als Nachbar und war ziemlich schockiert, als er noch immer an seinem Platz war.»

Leser-Reporter
Dieses Jahr seien im Linth-Gebiet rund ein Drittel der Störche nicht geflogen, so Experte Bruno Bachmann. «Allein hier in Uznach haben wir derzeit mindestens 40 Störche.»

Dieses Jahr seien im Linth-Gebiet rund ein Drittel der Störche nicht geflogen, so Experte Bruno Bachmann. «Allein hier in Uznach haben wir derzeit mindestens 40 Störche.»

Storchenverein Uznach

Trotz Minustemperaturen und verschneiter Wiesen sind in der Ostschweiz diese Tage zahlreiche Störche zu sehen. Leser-Reporter D.B.* wundert sich: «Ich habe in Frauenfeld einen Storch als Nachbar und war ziemlich schockiert, als er nach dem ersten Schnee noch immer an seinem Platz war.» Facebook-Post lässt die User rätseln: «Vielleicht ist er zu alt?» oder «Vielleicht ist das ja eine andere Storchenart?» wird spekuliert.

Laut Bruno Bachmann, Präsident des Storchenvereins Uznach, ist der Frauenfelder Storch kein Einzelfall. Rund ein Drittel der Störche seien dieses Jahr in der Region geblieben, so der Fachmann. «Allein hier in Uznach haben wir derzeit mindestens 40 Störche.»

Treue zum Partner und zum Horst

«Manche fliegen altersbedingt nicht mehr in den Süden und andere sind noch nie geflogen», erklärt der Vogelexperte. Dies, weil man vor Jahren Jungstörche in der Schweiz neu ansiedeln und die ersten Winter hier behalten musste. So hätten einige ihren natürlichen Zugtrieb verloren.

Doch laut Bachmann kann auch die Liebe zum «stubenhockenden» Partner ein Grund fürs Hierbleiben sein: «Störche sind äusserst treue Tiere und so bleiben viele auch dem Partner wegen hier.» Michael Schaad, Sprecher der Vogelwarte Sempach, ergänzt, dass nicht nur die Treue zum Lebenspartner eine Rolle spielt, sondern auch die zum Horst. «Wenn ein Storch altersbedingt stirbt oder nicht zurückkehrt, wartet der Partner im Horst, bis jemand neues kommt», so Schaad.

«Eher verhungern als erfrieren»

Können Störche denn einen harten Schweizer Winter überstehen? «Ja», sagt Bachmann. Allerdings nur mit Hilfe: «Wenn die Temperaturen weiter sinken und mehr Schnee fällt, werden wir die Vögel füttern.» Dies, obwohl Störche als Wildtiere grundsätzlich nicht gefüttert werden sollten.

Dass ein Storch erfriert, sei unwahrscheinlich, sagt Michael Schaad von der Vogelwarte: «Sie haben ein äusserst dichtes und wärmendes Federkleid. Da müsste er schon sehr geschwächt sein.» Schaad sieht den Hauptgrund für das Hierbleiben in der Nahrung: «Solange die Tiere hier noch etwas zu fressen finden, sind sie auch nicht zum Wegfliegen gezwungen.» Sollte sich dies aber ändern, sei es gut vorstellbar, dass einige Störche noch Ende Dezember oder Anfang Januar Richtung Süden aufbrechen.

*Name der Redaktion bekannt

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