Jamming: Störsender-Opfer auf YouTube blossgestellt
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JammingStörsender-Opfer auf YouTube blossgestellt

Sie sind billig, klein und illegal: Störsender, mit denen man Fremden die Handygespräche oder Wireless-Verbindungen nach Lust und Laune unterbrechen kann. Nun wird Jamming zum Youtube-Sport.

von
daw

Jamming: der neue Youtube-Sport.

Manche der Täter ärgern sich masslos über ihre telefonierenden Mitmenschen; andere setzen die illegalen Störsender einfach zum Vergnügen ein. Die sogenannten Jammer ­können Handy-Gespräche im Umkreis von 10 bis 30 Metern blockieren. Ein Unbekannter Schweizer treibt den Schabernack mit den Handykillern jetzt noch auf die Spitze: Er lässt telefonierende Fahrgäste im Tram oder im Zug aus der Leitung fliegen und filmt sie heimlich dabei, wie sie ahnungslos ins tote Handy rufen: «Hallo, Hallo? Hörst du mich noch?» Die Videos stellt er regelmässig auf YouTube. Ein anderer Besitzer eines Störsenders erzählt: «Es macht riesigen Spass, mit dem Störsender Leute hochzunehmen.»

Keine Freude an solchen Aktionen hat das Bundesamt für Kommunikation, das erstmals Zahlen zum Problem nennt: «Wir haben im letzten Jahr rund 100 Störsender beschlagnahmt», so Sprecherin Caroline Sauser. Doch dies dürfte gar nur die Spitze des Eisbergs sein: «Weil die Geräte ein- und ausgeschaltet werden und vom Besitzer herumgetragen werden können, sind sie extrem schwer zu orten.» Die Bussen können drakonisch ausfallen – egal ob man mit den Geräten für Ruhe im Zug sorgt oder wie mit den Videos anderen einen Streich spielen will: «Die Nutzung ist streng verboten und kann mit bis zu 100 000 Franken gebüsst werden», sagt Sauser.

Machtlos sind die SBB: «Für das Zugpersonal ist es nicht eruierbar, warum der Handy-Empfang gestört ist», sagt Sprecher Reto Kormann. Denn ein gestörter Empfang im Zug könne auch durch überlastete Funkzellen der Provider bedingt sein. (daw/20 Minuten)

Störsender sind strikt verboten

Immer mehr Websites bieten die illegalen Störsender an. Die früher sperrigen und teuren Geräte sind kleiner und billiger geworden – mittlerweile gibt es sie für rund 100 Franken. Oft werden sie auch von Schweizer Touristen aus Asien-Ferien mitgebracht. Laut dem Bundesamt für Kommunikation können die Geräte oft auch Ortungssysteme (GPS) oder Datenübertragungsnetze (WLAN) stören. So werden sie auch für kriminelle Handlungen eingesetzt – etwa durch eine Störung der

Ortung eines gestohlenen Lastwagens. Ihre Verwendung kann

zudem schwerwiegende Folgen für die Sicherheit haben, weil sie bei einem Unfall Notrufe blockieren können. Das Anbieten, der Verkauf und die Nutzung sind strikt verboten.

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