Rücktritts-Forderung: Stolpert Trittin über Pädophilen-Programm?
Aktualisiert

Rücktritts-ForderungStolpert Trittin über Pädophilen-Programm?

Jürgen Trittin trägt Mitverantwortung für ein Grünen-Wahlprogramm, das sich für Straffreiheit von Pädophilen einsetzte. Nun gesteht der Politiker, Fehler gemacht zu haben.

von
phi
Jürgen Trittin muss sich erklären, nachdem von den Grünen selbet veranlasste Nachforschungen ergeben haben, dass er presserechtlich für ein fragwürdiges Wahlprogramm verantwortlich ist.

Jürgen Trittin muss sich erklären, nachdem von den Grünen selbet veranlasste Nachforschungen ergeben haben, dass er presserechtlich für ein fragwürdiges Wahlprogramm verantwortlich ist.

Im Sommer erschütterte ein politisches Erdbeben die Grünen: Die deutsche Partei musste sich statt mit Wahlkampf für den Urnengang am kommenden Sonntag mit Geistern aus der Vergangenheit beschäftigen.

Die sogenannte Pädophilie-Debatte war ins Rollen gekommen, nachdem Daniel Cohn-Bendit im April mit dem Theodor Heuss Preis ausgezeichnet wurde. Kritiker erinnerten daran, dass der Politiker in seinem Buch «Der grosse Basar» von 1975 unangebrachte Aussagen zum Verhältnis zu Kindern gemacht hat: «Mein ständiger Flirt mit allen Kindern nahm bald erotische Züge an», lautet etwa ein Satz.

Presserechtlich verantwortlich

Die Grünen reagierten: Die Partei stellte im Mai Geld für ein Forschungsprojekt der Universität Göttingen zur Verfügung, das beleuchten soll, wie weit Mitglieder in den 70er und 80er Jahren auch in die Pädophilie-Bewegung in Deutschland verstrickt waren. Der Politikwissenschaftler Franz Walter hat nun herausgefunden, dass ausgerechnet Kanzlerkandidat Jürgen Trittin mitverantwortlich für ein Programm von 1981 ist, das Straffreiheit für Sex mit Kindern forderte.

Das Programm war für die Kommunalwahlen von der Alternativen-Grünen-Initiativen-Liste in Göttingen aufgestellt worden. Trittin kandidierte damals als Student für einen Sitz im Stadtrat. Bei der entsprechenden Agenda sass er vor 32 Jahren in der Abschluss-Redaktion und wird ausserdem im Impressum als Verantwortlicher im Sinne des Pressrechts genannt, wie die «taz» berichtet. «Franz Walter beschreibt die Sachlage zutreffend» bestätigt der 59-Jährige auf Anfrage der Berliner Zeitung.

Rücktrittsforderung aus Bayern

Für Missbrauch von Kindern dürfe man keine Straffreiheit fordern, sagt Trittin heute. Zwar habe er so etwas nie postuliert, sei dem aber auch nicht entschieden genug entgegen getreten. «Wir haben es nicht mal hinterfragt, als wir unser Programm zur Kommunalwahl 1981 erstellt haben. Dies ist auch meine Verantwortung. Und dies sind auch meine Fehler, die ich bedaure.»

Dem Generalsekretär der CSU, die gerade bei den Landtagswahlen in Bayern die absolute Mehrheit errungen hat, reicht der öffentliche Kotau jedoch nicht aus. Alexander Dobrindt forderte seinen Kontrahenten via «Focus» auf, Konsequenzen zu ziehen. «Trittin war Teil des Pädophilie-Kartells bei den Grünen und ist als Frontmann untragbar. Der heuchlerische Umgang mit der Pädophilie-Vergangenheit ist mit ein Grund, warum die Wähler sich von der Grünen abwenden.»

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