Stoos: Drei Mitarbeitende stehen nach tödlichem Unglück vor Gericht

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Tödliches Sessellift-UnglückStoosbahnen-Mitarbeiter müssen sich vor Gericht verantworten

Beim Sessellift-Unglück auf dem Fronalpstock im Jahr 2020 ist eine Person später im Spital verstorben. Weitere Personen wurden verletzt. Drei Mitarbeitende der Stoosbahnen stehen nun vor Gericht.

von
Gianni Walther

So äusserte sich der damalige Verwaltungsratspräsident der Stoosbahnen, Thomas D. Meyer, nach dem Unglück.

20 Minuten

Darum gehts

  • 2020 stürzte ein Sessel des Sessellifts Stoos-Fronalpstock ab.

  • Vier Personen wurden dabei schwer verletzt, ein Mann verstarb später im Spital.

  • Drei Mitarbeitende der Stoosbahnen mussten sich am Mittwoch vor dem Bezirksgericht in Schwyz verantworten.

  • Die Staatsanwaltschaft forderte bedingte Freiheitsstrafen von acht und sieben Monaten für zwei Beschuldigte. Ein weiterer Beschuldigter solle mit einer bedingten Geldstrafe bestraft werden.

  • Die Verteidiger der Beschuldigten plädierten für eine bedingte Geldstrafe und Freisprüche.

Vor dem Bezirksgericht Schwyz mussten sich am Mittwoch Mitarbeiter der Stoosbahnen verantworten. Dies wegen des Absturzes eines Sessels der Sesselbahn Stoos-Fronalpstock im Februar 2020. Beim Vorfall war ein Windenseil eines Pistenfahrzeugs mit einem Sessel kollidiert. Dieser stürzte zehn Meter in die Tiefe. Vier Personen wurden verletzt, eine davon verstarb später im Spital. Gemäss der Schweizerischen Sicherheitsuntersuchungsstelle (Sust) hatten Lücken in der internen Kommunikation zum Unglück geführt.

Die Staatsanwaltschaft warf den Angeklagten unter anderem fahrlässige Tötung und mehrfache fahrlässige schwere Körperverletzung vor. Für den damaligen Betriebsleiter forderte sie eine bedingte Freiheitsstrafe von acht Monaten. Ein Mitarbeiter soll mit sieben Monaten bedingt bestraft werden und der Pistenfahrzeug-Fahrer mit einer bedingten Geldstrafe, berichtet «Blick». Der Verteidiger des Betriebsleiters plädierte für eine bedingte Geldstrafe. Für die anderen Angeklagten wurden Freisprüche gefordert. Das Urteil folgt zu einem späteren Zeitpunkt.

Urteil folgt später

Der Betriebsleiter ist laut Opferanwalt Martin Hablützel zu verurteilen. «Die beiden anderen hatten eine untergeordnete Rolle. Trotzdem müssen sie Verantwortung tragen», sagte Hablützel nach dem Prozess. «Am Berg gibt es Gefahren. Diese sind in diesem Fall Wirklichkeit geworden, was zum Tod eines Opfers und Verletzungen weiterer Opfer geführt hat.» Hablützel sieht aber noch weitere Mitarbeitende in der Pflicht, die nicht in das Verfahren involviert wurden. «Diese Abklärungen müssten neu aufgerollt und Straftaten weiterer Personen müssten geahndet werden.» 

Zum Unglück gekommen war es am 6. Februar 2020: Im Gebiet Charemszöckli kollidierte ein Vierersessel des Sessellifts Stoos-Fronalpstock mit dem Windenseil eines Pistenfahrzeugs. Der Sessel stürzte rund zehn Meter ab. Eine Frau und drei Männer wurden dabei schwer bis lebensbedrohlich verletzt. Ein Mann verstarb später im Spital. Die Betroffenen waren damals wegen eines Firmenausflugs von Lindt & Sprüngli auf dem Stoos unterwegs. Die Spezialfahrt hatte kurz nach 22 Uhr stattgefunden. Der Betrieb der oberen Sektion der Bahn wurde danach für einige Zeit eingestellt. Der Abschlussbericht der Schweizerischen Sicherheitsuntersuchungsstelle (Sust) hatte gezeigt, dass es in der internen Kommunikation der Stoosbahnen zu Lücken gekommen war. Diese führten schliesslich zum Vorfall.

«Wir sind alle sehr schwer betroffen und bestürzt», sagte der damalige Verwaltungsratspräsident der Stoosbahnen, Thomas D. Meyer, nach dem Unglück. Im Betrieb herrschte nach dem Vorfall eine sehr gedrückte Stimmung, sagte Meyer weiter. 

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In der Folge eines Sesselabsturzes am 6. Februar 2020 am Fronalpstock ist eine Person ums Leben gekommen.

In der Folge eines Sesselabsturzes am 6. Februar 2020 am Fronalpstock ist eine Person ums Leben gekommen.

Kantonspolizei Schwyz 
Drei weitere Personen wurden damals schwer verletzt.

Drei weitere Personen wurden damals schwer verletzt.

Kantonspolizei Schwyz
Drei Mitarbeitende der Stoosbahnen mussten sich am Mittwoch vor dem bezirksgericht in Schwyz verantworten.

Drei Mitarbeitende der Stoosbahnen mussten sich am Mittwoch vor dem bezirksgericht in Schwyz verantworten.

20min/Gianni Walther

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