22.07.2020 16:53

BlackoutStorch fliegt in Mittelspannungs-Mast und verursacht Stromausfall

Ein Storch hat in Hünenberg ZG einen einstündigen Stromunterbruch verursacht. Der Vogel war am Dienstagabend in ein regionales Verteilnetz geflogen.Dieser Fall sei aber nur die «Spitze des Eisbergs» sagt ein Vogelexperte.

von
Nathan Keusch
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Ein Storch in der Mittelspannungsleitung führte am Dienstagabend zu einem Stromausfall.

Ein Storch in der Mittelspannungsleitung führte am Dienstagabend zu einem Stromausfall.

Facebook: Zuger Polizei
Betroffen vom Stromausfall waren Teile von Hünenberg sowie die Gemeideteile Drälikon, Mattenboden, Stadelmatt und Bützen.

Betroffen vom Stromausfall waren Teile von Hünenberg sowie die Gemeideteile Drälikon, Mattenboden, Stadelmatt und Bützen.

Screenshot: Google Maps
Der verunfallte Storch sorgte für rund eine Stunde für einen Stromunterbruch.

Der verunfallte Storch sorgte für rund eine Stunde für einen Stromunterbruch.

TAMEDIA AG

Darum gehts

  • In Hühnenberg führte ein Storch in der Mittelspannungsleitung zu einem Stromausfall.
  • Die Region blieb für rund eine Stunde ohne Strom.
  • ein Experte sagt: Jährlich verenden unzählige Vögel in Schweizer Stromleitungen.
  • Gerade Störche sind besonders gefährdet.

In Hünenberg sind am Dienstagabend kurz vor 21 Uhr die Lichter ausgegangen. Grund war ein Storch, der auf einer Mittelpannungsleitung landete und dabei einen Kurzschluss verursachte. Dies führe dann zu einem Stromausfall, wie die Zuger Polizei auf Facebook mittelte.

Stromverteiler entschuldigt sich

Der Kurzschluss ereignete sich an einer Freileitung im Mittelspannungsnetz der Centralschweizerischen Kraftwerke (CKW) im Raum Bützen, schreibt die Elektro-Genossenschaft Hünenberg (EGH) auf ihrer Website. Betroffen vom Stromunterbruch waren Teile von Hünenberg sowie die Gebiete Drälikon, Mattenboden, Stadelmatt und Bützen.

Der Kurzschluss an der Mittelspannungsleitung habe auch ein Trafo in der CKW-Station in Rotkreuz in Mitleidenschaft gezogen. Deshalb seien auch weitere Teile des Versorgungsnetzes für kurze Zeit ohne Strom gewesen, teilt die EGH weiter mit. Die Lichter blieben rund eine Stunde aus. Im Bereich des Restaurants Bützen dauerte der Stromunterbruch sogar bis circa 23.30 Uhr.

«Nur die Spitze des Eisbergs»

Der Storch überlebte sein Zusammentreffen mit der Stromleitung nicht, bestätigt Polizeisprecher Frank Kleiner. Dass Vögel in Überlandleitungen verenden, sei leider keine Seltenheit, sagt Michael Schaad, Sprecher der Vogelwarte Sempach. Zu einem Stromausfall führe dies aber nur in einem Bruchteil der Fälle. Es gebe keine Statistik oder flächendeckendes Monitoring dazu, aber Schaad ist sich sicher: «Die entdeckten und gemeldeten Todesopfer an gefährlich konstruierten Mittelspannungsmasten sind leider nur die Spitze des Eisbergs.» Schaad geht von einer hohen Dunkelziffer von toten Vögeln aus.

Die Stromleitungen können nicht nur für Störche zum Verhängnis werden. Laut Schaad sind alle Vogelarten gefährdet, die gross genug sind, um mit ihren Flügeln gleichzeitig zwei Stromleitungen versehentlich zu touchieren und so einen Kurzschluss zu verursachen. «Damit sind alle Vögel ab der Grösse eines Falken potenziell gefährdet. Betroffen sind insbesondere Arten, die sich gerne auf Masten setzen», sagt Schaad. Gerade Störche würden sich gerne zum Rasten oder Übernachtungen auf Mittelspannungsmasten setzen.

Sanierung könnte Vögel retten

Zwar müssen laut Schaad neu gebaute Mittelspannungsmasten so konstruiert werden, dass die isolierten Abstände zwischen geerdeten und stromführenden Elementen gross genug sind, dass Vögel mit ihren Flügeln keinen Kurzschluss auslösen können. Aber auch ältere Stromleitungen müssten nicht zwingend zur Vogelfalle werden: «Mit einer raschen Sanierung bereits bestehender gefährlich konstruierter Mittelspannungsmasten können Verteilnetzbetreiber dazu beitragen, dass keine Vögel mehr an Mittelspannungsmasten ums Leben kommen», sagt Schaad. Dies könne durch eine Verlängerung der Isolatoren oder durch den Einsatz von Isolierschläuchen geschehen.

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6 Kommentare
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Eidgenossin

22.07.2020, 19:07

Armes Tier, es tut mir so leid!😪

Eidgenossin

22.07.2020, 19:00

Armes Tier, es tut mir sehr leid!😪

Lotte

22.07.2020, 18:25

Und wer liefert der armen Familie nun das Baby?