Wegen Kälte: Storchen-Babys erfroren im eigenen Nest
Aktualisiert

Wegen KälteStorchen-Babys erfroren im eigenen Nest

Wegen des nasskalten Wetters sind etliche Störche in Grossaffoltern verendet. Nun sitzen die Eltern auf ihren toten Jungen.

von
Sonja Mühlemann
Drama in Grossaffoltern: Storche sitzen auf ihren toten Jungtieren, die wegen der Kälte verendet sind.

Drama in Grossaffoltern: Storche sitzen auf ihren toten Jungtieren, die wegen der Kälte verendet sind.

«Statt die jungen Störche zu taufen, beerdigen wir sie in diesem Jahr», sagt Storchen­vater Niklaus Marti. Seit 30 Jahren beobachtet er die zehn Horste, die auf den Bauernhofdächern in Grossaffoltern thronen, durch den Feldstecher.

In diesem Jahr fliegen aber nur vier Störche aus: Weil sich der Regen bei für Mai eisigen Temperaturen in den Nestern staute, starben am vergangenen Wochenende acht Jung­tiere.

Massensterben auch in Altreu

Entsprechend gross ist die Trauer im Dorf und bei den Storcheneltern: «Sie stehen stocksteif auf den toten Storchen-Babys. Ihnen ist wohl richtig mies zumute», beschreibt Marti.

Auch im Storchen-Mekka Altreu bei Selzach SO sieht es nach einem Massensterben aus. In einem Horst hat nur eines von fünf Tieren überlebt. Den Storchenfreunden sind die Hände gebunden – sie dürfen die Babys nicht retten: «Störche sind geschützte Wildtiere. Daher müssen wir der Natur ihren Lauf lassen, auch wenn sie brutal ist», sagt Renate Guggelmann vom Infozentrum Witi Altreu. So viele Todesfälle habe sie noch nie erlebt. «Mir geht das Storchensterben sehr nahe.»

In den nächsten Tagen untersucht Guggelmann nun die 39 anderen Horste auf überlebende Storchenbabys – dabei wird sie wohl auch ­viele Kadaver finden.

Sonja Mühlemann

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