Nach Ausbruch: Strafanstalt La Croisée wird überprüft
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Nach AusbruchStrafanstalt La Croisée wird überprüft

Der zweite Ausbruch innert kurzer Zeit hat Konsequenzen: Die Strafanstalt La Croisée in Orbe VD muss eine Sicherheitsprüfung bestehen.

Nach dem zweiten Ausbruch mehrerer Häftlinge aus der Strafanstalt La Croisée in Orbe VD innerhalb kurzer Zeit zieht die zuständige Regierungsrätin Béatrice Métraux Konsequenzen: Sie hat ein Audit in Auftrag geben, das die interne und externe Sicherheit prüfen soll.

«Das aktuelle System ist nicht befriedigend», gab Regierungsrätin Métraux an einer kurzfristig einberufenen Medienorientierung am Montagnachmittag unumwunden zu.

Beim Audit gehe es darum, sowohl die technischen Vorrichtungen wie auch die interne Organisation und die Hierarchie beim Personal zu überprüfen. Je nachdem, welche Sicherheitsmängel oder Probleme das Audit zutage fördert, will die Regierungsrätin entsprechende Massnahmen auch in anderen Gefängnissen umsetzen.

Bereits klar ist jedoch, dass das Gefängnispersonal aufgestockt werden soll. Aufgrund der aktuellen Überbelegung seien bereits 80 neue Zellen für Untersuchungshäftlinge geplant, sagte Métraux.

Sechs Männer am Wochenende getürmt

Grund für das Audit ist die Flucht von sechs Männern in der Nacht auf Sonntag aus der Strafanstalt La Croisée. Ihnen gelang es, die verriegelten Türen mit selbst gebasteltem Handwerkzeug aus Löffeln und Messern zu öffnen.

Um nicht aufzufallen, deckten sie die Kameras in den Gängen ab. Zwar überwache ein Angestellter die Kameras, sagte Sylvie Bula, Chefin der Waadtländer Strafanstalten. Ihm sei es aber nicht möglich, die rund 100 Kameras gleichzeitig unter Kontrolle zu haben.

Schliesslich verschafften sich die Häftlinge Zutritt zu Büros mit nicht vergitterten Fenstern, von denen aus sie nach draussen gelangten. Im Gegensatz zum letzten Ausbruch im Juli funktionierten dieses Mal allerdings die externen Sicherheitssysteme des Gefängnisses. Als die Flüchtenden auf dem Parkplatz waren, wurde um 1.15 Uhr ein Alarm ausgelöst.

Vier der sechs Flüchtigen wieder verhaftet

Zwei Minuten später sei die Polizei bereits informiert gewesen, sagte Philippe Jaton, Mediensprecher der Waadtländer Kantonspolizei. Über zwanzig Polizeipatrouillen beteiligten sich an der Suche nach den Flüchtigen beteiligt. Auch ein Super Puma Helikopter der Armee stand im Einsatz. Schliesslich konnten gegen fünf Uhr früh zwei Männer bei Suchy VD festgenommen werden.

Rund eine halbe Stunde später gingen der Polizei zwei weitere Gefängnisinsassen ins Netz. Zwei sind noch immer flüchtig. Bei den Geflohenen handelt es sich um Männer, die wegen Diebstahls und ähnlichen Delikten in Untersuchungshaft sitzen.

Wie sich die Flucht der Häftlinge im Detail zugetragen habe, werde zurzeit noch untersucht, sagte Bula. Klar sei jedoch bereits, dass die Zellentüren zusätzlich gesichert werden müssen.

Infrarot-Kameras beim ersten Ausbruch ausgeschaltet

Bereits nach dem ersten Ausbruch von fünf Häftlingen am 30. Juli waren zusätzliche Sicherheitsmassnahmen ergriffen worden: Der Zaun rund ums Gefängnis wurde verstärkt, die Flachdächer mit Stacheldraht gesichert, zusätzliche Infrarot-Kameras montiert und die vorhandenen Kameras besser ausgerichtet, so dass keine toten Winkel mehr existieren.

Einem Gefängnismitarbeiter wurde ausserdem am (heutigen) Montagmorgen fristlos gekündigt. Er hatte damals die Infrarot- Kameras in einem Sektor ausgeschaltet, um zu verhindern, dass vorbeigehende Kühe das Alarmsystem auslösen - was regelmässig vorgekommen war. Regierungsrätin Métraux schliesst nicht aus, dass weitere Angestellte sanktioniert werden.

Im Sommer gelang es den Männern, mit ihrem Besteck ein Loch in die bröckelige Decke zu bohren und so aufs Dach zu klettern. Von dort gelangten sie problemlos auf tiefer gelegene Gebäude.

Nach Sprüngen von Dach zu Dach erreichten sie den Mitarbeiterparkplatz und waren damit in Freiheit. Wie sich herausstellte, hätte auch ein aktiviertes Überwachungssystem den Ausbruch nicht verhindern können. Denn es existierte ein toter Winkel.

Bis heute wurden laut Bula lediglich zwei der fünf Entwischten von der Polizei wieder gefasst. (sda)

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