Manhunt 2: Strafanzeige gegen Händler von Killer-Game
Aktualisiert

Manhunt 2Strafanzeige gegen Händler von Killer-Game

Schweizer Anbieter des Killer-Games «Manhunt 2» müssen sich möglicherweise vor dem Richter verantworten. Wegen der exzessiven Gewaltszenen in dem Computerspiel hat der Berner SP- Grossrat Roland Näf Strafanzeige eingereicht.

Diese wird nun vom Untersuchungsrichteramt Bern-Mittelland geprüft, wie die Behörde am Dienstag Medienberichte bestätigte. Näf selber ist zuversichtlich, dass es zu einem Strafverfahren kommt. In «Manhunt 2» werde eine neue Stufe von Gewalttätigkeit erreicht. «Da sind folterähnliche Szenen und grausame Gewalt zu sehen», sagte der Kantonsparlamentarier auf Anfrage.

Damit verstosse das Spiel gegen den Brutalo-Artikel des Strafgesetzbuches, der brutale Gewaltdarstellungen verbietet. Mit Gefängnis und Busse bedroht ist auch, wer Killer-Games mit verbotenen Gewaltszenen in der Schweiz einführt und verkauft.

Näf hat nach eigenen Angaben zwar nur gegen fünf Anbieter Strafanzeige eingereicht, darunter Citydisc und Digitec.ch. Weil es sich aber um ein Offizialdelikt handelt, müssen alle Händler mit einem Verfahren rechnen.

Verbote und Zensur

In Deutschland, Irland, Australien und Neuseeland ist das Spiel verboten. In den USA und Grossbritannien wurde es nur in einer zensurierten Fassung zugelassen. In der Schweiz dagegen gibt es keine Zensurbehörde, die die Unbedenklichkeit von Spielen vor der Marktzulassung überprüft.

Für den Jugendschutz sorgt die Branche selber: Die in der Swiss Interactive Entertainment Association zusammengeschlossenen Hersteller, Händler und Importeure haben einen «Code of Conduct» ausgearbeitet und geben Altersempfehlungen heraus.

Als «Manhunt 2» 2007 auf den Markt kam, distanzierte sich der Verband vom Spiel und empfahl es nicht zum Verkauf. Genützt hat dies offenbar nichts: In der für den US-Markt abgeänderten Fassung ist das Game seit 2008 in der Schweiz für über 18-Jährige trotzdem erhältlich.

Verweis auf Jugendschutz

Damit sei der Jugendschutz gewährleistet, sagte SIEA-Präsident Peter Züger auf Anfrage. In dem Bereich sorge sein Verband für die Umsetzung der europäischen Altersfreigabe. Eine weitere Aufgabe sei die Aufklärung der Eltern im Umgang mit dem Spielverhalten ihrer Kinder.

Darüber hinausgehende Kontrollen seien Sache der Politik und der Gerichte, sagte Züger. Insbesondere könne und wolle die SIEA keine Zensur ausüben. Erwachsene sollten zu Medien als «Kulturgut» Zugang haben, sagte der Verbandspräsident.

KOBIK nicht zuständig

Keine Kontrolle übt auch die Koordinationsstelle zur Bekämpfung der Internetkriminalität (KOBIK) aus. Nach Auskunft des Bundesamts für Polizei kümmert sich die Behörde weder um verkaufte noch um online gespielte Spiele. Entsprechene Anzeigen würden direkt an die Justiz weitergeleitet.

Diese hat sich erst einmal mit Brutalo-Games befasst: Das Verfahren war ebenfalls auf eine Anzeige von Näf hin gegen Händler des Spiels «Stranglehold» in Gang gekommen. Der angeklagte Chef einer Mediamarkt-Filiale war im Juni 2008 von einer Berner Einzelrichterin freigesprochen worden.

(sda)

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